Vielleicht bekommen Sie manchmal zu hören, dass eine stillende Mutter ihr Kind von sich "abhängig" macht und dabei "selbst zu kurz kommt", weil sie zu sehr "angebunden" sei. Dies ist individuell sehr unterschiedlich und darüber hinaus Ihre eigene, persönliche Angelegenheit. Manche Frauen fühlen sich sehr wohl in der ständigen Gesellschaft ihres Kindes, und es stört sie nicht, jetzt vor allem "stillende Mutter" zu sein. Andere Frauen entscheiden sich für ihren ganz persönlichen Freiraum und sorgen rechtzeitig dafür, dass ihr Baby auch mit einigen anderen Menschen sehr vertraut ist und sich auch von ihnen (Abpumpen) füttern lässt. Wichtig ist vor allem, dass Sie als Frau mit der von Ihnen gewählten Situation zufrieden sind und dass Ihr Partner (Väter, Partnerschaft) dies akzeptiert (Trennung).
Auch wenn Sie einen einsetzenden Milchstau spüren und das Baby nicht trinken mag oder kann, kann das Abpumpen oder Abdrücken notwendig sein.
Dabei sollten Sie wissen, dass Sie am Anfang nur die in den Milchseen enthaltene Milch herausbekommen, erst nach einiger Zeit, wenn es Ihnen gelungen ist, einen Milchspendereflex auszulösen, wird die Milch schnell tropfen oder sogar herausspritzen.
Es kann hilfreich sein, zu entspannen durch wärmende Auflagen auf der Brust, eine warme Dusche oder ein warmes Bad. Auch das sanfte Massieren der Brust durch ein Abrollen der geschlossenen Faust über die Brust in Richtung Mamille fördert den Milchspendereflex. Suchen Sie sich einen gemütlichen Platz zum Abpumpen oder Abdrücken.
Vor dem Abdrücken oder Abpumpen müssen Sie Ihre Hände sorgfältig waschen. Alle Teile der Pumpe, welche mit der Milch in Kontakt kommen, müssen vor Gebrauch sterilisiert werden. In einem ausgekochten Gefäß kann man die abgepumpte Muttermilch Aufbewahren.
Abdrücken von Hand
Die eine Hand hält den Becher oder die Schale zum Milchauffangen. Der Daumen der anderen Hand liegt auf der Brust oberhalb der Areola, der Zeigefinger liegt unter der Brust, hinter der Areola. Die anderen Finger stützen die Brust. Wenn Sie jetzt Zeigefinder und Daumen zusammendrücken, können Sie hinter der Areola die Milchseen wie Erbsen spüren. Jetzt die beiden Finger zusammendrücken, ohne dass es schmerzt und dann wieder loslassen. Nach einigen Malen der Wiederholung beginnt die Milch zu tropfen. Die Finger sollen nicht über die Haut rutschen oder reiben, sondern einen rollenden Druck auf die Milchseen ausüben. Ein Herumdrücken an der Mamille bewirkt nicht, dass Milch herauskommt. Drehen Sie Ihre Finger nach einiger Zeit weiter, um alle rundum die Areola ansässigen Milchseen auszustreichen. Nach 3-5 Minuten, wenn weniger Milch kommt, können Sie zu der anderen Brust wechseln. Insgesamt werden Sie ca. 20-30 Minuten benötigen, um genug Milch abzudrücken, damit die Neuproduktion angeregt wird. Das gleiche gilt für das Abpumpen mit der Handpumpe oder der elektrischen Pumpe.
Abpumpen mit der Handpumpe
Sie können auch auf eine Handpumpe zurückgreifen, welche es in jeder Apotheke und in verschiedenen Kinderfachgeschäften zu kaufen gibt. Kolbenpumpen sind einfacher zu bedienen und strapazieren die Mamillen weniger als Ballonpumpen. Lassen Sie sich von einer Stillberaterin die verschiedenen Modelle zeigen. Das Anfeuchten der Mamillen vor dem Abpumpen erleichtert das Gleiten in der Plastikschale und vermeidet unnötige Reibung.
Abpumpen mit der elektrischen Pumpe
Wenn Sie oft oder über einen längeren Zeitraum hinweg Milch abpumpen müssen, so lohnt sich die Anschaffung oder das Ausleihen einer elektrischen Pumpe (Milchpumpe).
Abstillen
Mit dem Zufüttern von anderer Nahrung beginnt das Abstillen (Beikost).
Wann Sie abstillen, hängt von Ihnen selbst und von Ihrem Kind ab. Es gibt da keine allgemein gültigen Regeln. Manche Babies verlieren im Alter von neun bis zwölf Monaten das Interesse am Stillen. Sie essen mit Begeisterung von der Beikost oder der Erwachsenennahrung und sind ansonsten damit beschäftigt, ihre neuen motorischen Fähigkeiten zu üben. Andere Kinder trinken noch im zweiten Lebensjahr gerne von der Brust, die ihnen nicht nur Nahrungsquelle bedeutet, sondern auch Trost und Geborgenheit gibt.
Bei der Wahl des Zeitpunktes zum Abstillen sollten Sie sich auf keinen Fall unter Druck setzen lassen. Jede Frau sollte mit ihrem Baby zusammen den für beide richtigen Abstillzeitpunkt finden.
Leider ist es nicht allen Frauen gegönnt, diesen Abstillzeitpunkt wie oben erwähnt zu finden, stehen sie doch unter dem Einfluss einer nicht immer stillfreundlichen Umgebung, die Druck ausübt.
AIDS
Der HIV-Virus ist, wie in anderen Körpersekreten, auch in der Muttermilch von seropositiven Frauen nachweisbar. Obwohl die Anzahl der Viren in der Muttermilch schwankt, kann sie hoch genug sein, um ein Baby anzustecken. Die Ansteckungsgefahr für das Baby ist am höchsten wenn die Mutter sich während der Stillzeit ansteckt. Die Infektionsrate der Babies beträgt dann etwa 30%. In verschiedenen Studien wurde versucht über Beobachtungen das Risiko einer perinatalen Ansteckung festzustellen.
Während der Schwangerschaft und bei der Geburt wird ungefähr 1 Kind von 7 angesteckt, wenn die Mutter HIV-positiv ist. Das Ansteckungsrisiko durch das Stillen ist geringer.
Äusserste Vorsicht ist bei Muttermilchspenden angebracht. Wenn Ihr Baby gespendete Muttermilch erhalten soll, fragen Sie nach, ob die Spenderinnen routinemäßig auf HIV untersucht werden. Ein Erhitzen der Milch tötet zwar die Viren ab, nimmt aber der Muttermilch auch einige ihrer wesentlichen Vorzüge. Auch das manchmal unter stillenden Müttern praktizierte gegenseitige Betreuen der Babies, inklusiv Stillen, könnte eine Risikoquelle darstellen.
Die Babies der Mütter, welche HIV-positiv sind, zeigen gleich nach der Geburt bei einem Antikörper-Test auch HIV-Antikörper. In dem Maße wie sich das eigene Immunsystem des Babys/Kleinkindes entwickelt, werden oft die mütterlichen Antikörper, die durch die Plazentaschranke zum Ungeborenen gelangt sind, abgebaut. So kommt es, dass nach dem 2. Lebensjahr nur noch 15 bis 30 Prozent der Kinder von seropositiven Müttern Antikörper im Blut haben und somit als infiziert gelten können. Dies heißt also, dass die Entscheidung Stillen oder nicht in einen Moment genommen werden muss, wo noch unklar ist ob das Baby schon infiziert ist.
Das UNAIDS-Programm rät folgendes:
Frauen müssen Zugang zu freiwilligen und vertraulichen Beratungen und Aids-Tests erhalten. Wenn Sie HIV-positiv sind, sollten Sie darüber aufgeklärt werden, wie Sie eine Weitergabe des Virus verhindern können. Bei einem negativen Befund sind Informationen wichtig, wie Sie und Ihr Partner sich zukünftig schützen können.
HIV-positive Mütter müssen sowohl über das Risiko einer direkten Mutter-Kind-Übertragung durch die Muttermilch aufgeklärt werden als auch über die Risiken, die eine Flaschenernährung in ihren jeweiligen Lebensumständen mit sich bringt. Medizinisches Fachpersonal muss ihnen helfen, diese Risiken zu verstehen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
Wenn eine HIV-positive Mutter Zugang zu ausreichenden Mengen Milchpulver hat und dieses auch gefahrlos zubereiten kann, sollte sie auf Flaschenernährung zurückgreifen. Andere Alternativen wären das Stillen des Kindes durch eine HIV-negative Amme, was in einigen Kulturen durchaus akzeptabel sein kann, oder die Abtötung des Virus durch Erhitzen der abgepumpten Muttermilch (30 Minuten bei 62,5°C).
Wenn sich eine HIV-positive Mutter dazu entschließt, nicht zu stillen, aber Babyersatznahrung für sie unzugänglich oder unerschwinglich ist, muss sie Hilfe von staatlichen oder anderen Einrichtungen bekommen. Sauberes Wasser, bessere Hygiene, kontinuierliche Gesundheitskontrollen sind für sie eine Fragen von Leben und Tod.
Da die Aids-Forschung im Moment auf Hochtouren läuft, ist es sinnvoll, bei eigener Betroffenheit sich über den aktuellsten Stand bei den Aids-Beratungsstellen oder bei der Stillberatung zu informieren, denn in der Muttermilch konnte auch ein Faktor festgestellt werden, der verhindert, dass sich das HIV-Glykoprotein an Körperzellen anbindet.
Das Immunsystem des Babys ist noch nicht voll ausgebildet. Der frühe Kontakt der empfindlichen Darmschleimhaut mit artfremdem Eiweiß wie Kuhmilch und daraus hergestellten Produkten wie Muttermilchersatznahrung, Käse, Butter, Sahne oder wie Sojamilch, Getreide, Fleisch und Eiern kann bei Babies manchmal zu einer Sensibilisierung oder einer allergischen Reaktion führen.
Wenn in der nahen Verwandtschaft Lebensmittelunverträglichkeiten, Asthma, Heuschnupfen, Hautausschläge oder andere allergische Reaktionen bekannt sind, sollten Sie dem Baby während der ersten 6 Lebensmonate ausschließlich Muttermilch geben und auch erst nach vollendetem 6. Monat mit Beikost beginnen. Wenn Sie zu den betroffenen Müttern gehören, informieren Sie schon in der Entbindungsstation das Säuglingspflegepersonal über die eventuelle Allergieanfälligkeit, um zu verhindern, dass dem Baby den ersten Tagen Milch aus der Flasche zugefüttert wird. Bedenken Sie, dass auch hypoallergene Säuglingsmilch nicht von allen allergieauslösenden Eiweißstoffen befreit ist. Sie kann also kein Ersatz für Muttermilch sein. Muttermilch bietet zusätzlich noch wichtige Stoffe zum Aufbau des kindlichen Immunsystems an.
Sehr empfindliche Babies können sogar allergisch reagieren, wenn die stillende Mutter das allergieauslösende Nahrungsmittel gegessen hat (Koliken). In Allergikerfamilien kann es hilfreich sein, wenn die Mutter hochallergene Nahrungsmittel schon in der Schwangerschaft reduziert oder vom Speiseplan streicht, spätestens aber dann, wenn sie eine Reaktion beim Baby festgestellt hat. Hochallergene Nahrungsmittel können: Milch, Milchprodukte, Eier, Soja, Nüsse, Fisch und Erdnüsse sein.
Ambulante Geburt
Bei einer ambulanten Geburt verlässt die junge Familie in der Regel innerhalb der ersten Stunden oder Tage das Krankenhaus. Sie wird zu Hause von einer Hebamme betreut und bei der Versorgung des Neugeborenen und beim Stillen unterstützt.
Die Pflege zu Hause umfasst normalerweise einen täglichen Hausbesuch der Hebamme in der ersten Woche. Die Hebammennachsorge bis zum 10. Tag nach der Geburt wird vollständig von der Krankenkasse bezahlt. Wenn Sie z.B. Stillprobleme haben oder eine schlecht heilende Dammnaht, kann die Hebammenbetreuung auch länger in Anspruch genommen werden, wenn Sie eine ärztliche Verordnung dafür bekommen.
Anlegen - Erstes Stillen
In der ersten Stunde nach der Geburt ist das Saugbedürfnis des gesunden reifen Neugeborenen, das nicht unter dem Einfluss einer eventuellen Geburtsmedikation steht, am stärksten (Mutter-Kind-Bindung). Sie werden merken, dass Ihr Baby seinen Mund öffnet und Suchbewegungen macht, dass es versucht, an seinem Finger zu lutschen und zu schmatzen. Dies ist der richtige Moment für die ersten Stillversuche. Wenn das Baby auf Ihrem Bauch liegt, braucht es nur etwas Hilfe um die Mamille zu finden. Lassen Sie es ruhig aktiv suchen, einige Babies können zur Brust robben. Um so weniger Sie eingreifen, um so besser wird das Baby klar kommen. Etwas Hilfe und Unterstützung in seinen Bemühungen genügen. Wichtig ist jetzt, dass Sie und eventuell der Vater des Kindes ungestört sind, um Ihr Baby zu beobachten und zu entdecken. Warm zugedeckt mit einem trockenen Tuch oder einer Wolldecke können alle anderen Untersuchungen und Eingriffe bis nach dem ersten Stillen warten. Durch die Suchbewegungen des Babys rundum und an der Mamille wird sich diese aufrichten. Bald wird es mit dem weitgeöffneten Mund die Areola umfassen und zu saugen beginnen. Andere lassen sich Zeit, lecken, schmatzen, schmecken und beginnen nicht sofort zu saugen. Lassen Sie sich dadurch nicht verunsichern. Sie können versuchen einige Tropfen Milch auszudrücken, das bringt Ihr Baby vielleicht auf den Geschmack.
Manchmal ist das Baby nach dem Geburtsgeschehen erst einmal erholungsbedürftig oder eventuell durch Medikamente schläfrig. Dann brauchen Sie für das erste Stillen etwas mehr Geduld, und es dauert vielleicht ein bisschen, bis Sie beide zurechtkommen.
Anlegen, Richtiges
Besonders am Anfang ist es wichtig, sich beim Stillen eine bequeme Stellung zu suchen, damit Sie die Arme und den Rücken abstützen können. Sie können sowohl im Liegen wie im Sitzen stillen.
Im Sitzen brauchen Sie oft noch eine Fußstütze.
Es ist wichtig - egal ob Sie sitzen oder liegen -, dass Ihr Bauch und der Bauch des Babys gegeneinanderliegen, so braucht das Baby den Kopf nicht zur Seite zu drehen, um die Mamille zu erreichen. Das Baby hat das Gesicht der Brust zugewandt.
Falls das Baby die Mamille nicht gleich mit dem Mund erfasst, berühren Sie die Mundregion des Babys mit der Mamille, es wird sofort suchend den Mund öffnen. Ihr Baby soll nicht nur die Mamille, sondern auch Teile des Vorhofes mit in den Mund nehmen, dafür öffnet es den Mund so groß wie zum Gähnen. Hat es nur die Brustspitze im Mund, kann dies zu Verletzungen der Mamille führen (schmerzhafte Mamillen).
Wenn der Mund weit geöffnet ist, nehmen Sie das Baby zur Brust, Ihre Mamille zeigt dabei in Richtung Gaumen. Das Baby schließt die Lippen um die Areola, die Mamille liegt geschützt tief im Mund. Üben Sie keinen Druck auf Nacken- und Kopfbereich des Babys aus.
Sie erkennen, dass Ihr Baby gut angelegt ist, wenn die Ober- und Unterlippe nach außen gestülpt sind. Wenn Sie mit Ihrem Finger im Mundwinkel die Lippen etwas zurücknehmen, können Sie die Zunge erkennen, die schalenförmig unter der Brust liegt und über die Zahnleiste herausgestreckt ist. Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Nase des Babys in der Brust liegt, nehmen Sie den Po des Babys näher an Ihren Körper, dadurch kommt die Nase etwas aus der Brust. Schauen Sie sich Babys Nase genau an. Seitlich erreicht immer noch genug Luft das Baby, auch wenn die Nasenspitze die Brust berührt. Die Position ist am optimalsten, wenn das Kinn des Babys die Brust berührt, auch dann bleibt die Nase frei.
Vielleicht ist es Ihnen angenehm mit der freien Hand die Brust etwas zu stützen oder leicht anzuheben. Dazu legen Sie den Daumen seitlich und die anderen Finger unter die Brust. Der sogenannte Scheren- oder Zigarettengriff, wo die Brustspitze zwischen Zeige- und Mittelfinger zusammengepresst wird, war früher üblich. Weil herausgefunden wurde, dass dadurch Milchgänge abgedrückt werden können und eine ungünstige Plazierung der Mamille im Mundraum erreicht wird, wird heute allgemein davon abgeraten. Wenn das Stillen schmerzhaft ist, ist es möglich, dass das Baby nicht gut anliegt. Lösen Sie das Baby von der Brust, indem Sie Ihren kleinen Finger in seinen Mundwinkel stecken, um das Vakuum zu lösen. Beginnen Sie noch einmal von vorne. Nutzen Sie die kompetente Hilfe durch Gesundheitspersonal oder Stillberaterinnen in der Klinik oder zu Hause, wenn Sie unsicher sind.
Stillen können Sie in vielen verschiedenen Positionen. Anstelle von langatmigen Erklärungen, schauen Sie sich die Bilder in dieser Broschüre an. Probieren Sie mit einer Puppe im Geburtsvorbeitungskurs oder lassen Sie sich von der Hebamme oder einer Kinderkrankenschwester alle möglichen Varianten mit Ihrem Baby in den ersten Tagen nach der Geburt zeigen. Sicher werden Sie und Ihr Baby bald die eine oder andere Lieblingsposition haben, z.B. nachts im Liegen im Bett, tagsüber im Sitzen, vielleicht im Wiegengriff oder in der "Fußballhaltung" (Bild links unten). Bei außergewöhnlichen Begebenheiten, z.B. einem gefüllten Milchkanal unter dem Arm können Sie sich andere, etwas ungewöhnliche Stellungen zeigen lassen, die sehr wirksam sind, um Stauungen im oberen, äusseren Brustbereich aufzulösen. Auch das Stillen nach einem Kaiserschnitt bedingt Positionen, die Sie in Ihrer eingeschränkten Bewegungsfreiheit einnehmen können, und bei denen Sie keinen Druck auf Ihrem Bauch spüren.
Appetit
Schon beim Neugeborenen zeigen sich die Essgewohnheiten des kleinen Erdenbürgers. Vielleicht ist Ihr Baby wahrhaftig ein großer Esser und nimmt auch dementsprechend zu, oder es isst wie ein kleiner Spatz nur kleine Mengen, dafür aber öfters. Es kann seine Mahlzeiten zügig beenden, oder aber stundenlang genüsslich an der Brust liegen, ab und zu ein Schlückchen trinken und dann wieder ein Nickerchen machen. Manchmal ändert sich auch der Rhythmus der Mahlzeiten. (Wachstumsschub, Stillstreik, Krankheit des Kindes, Individualität, Häufigkeit des Stillens).
Aufbewahren
Frisch abgepumpte Muttermilch hält sich einige Stunden außerhalb des Kühlschranks, ohne dass sich Keime vermehren. Diese neue Erkenntnis macht es berufstätigen Mütter leichter, ihre Milch zu transportieren, da sie nicht auf eine ununterbrochene Kühlkette achten müssen. Wenn ein Kühlschrank zur Verfügung steht, soll sie gekühlt aufbewahrt werden. Dort hält sie sich 3 bis 5 Tage. Sie sollten sie unbedingt vor dem Füttern auf Körpertemperatur erwärmen; das geht am besten im Wasserbad. In einem Kühlschrank mit separatem 3-Sterne Gefrierfach kann sie 3 Monate aufbewahrt werden. In der Tiefkühltruhe (4-Sternekühlfach) hält sie sich 6 bis 12 Monate. Anschließend soll die Milch nicht langsam bei Zimmertemperatur auftauen, sondern kurz vor der Mahlzeit im warmen Wasserbad aufgetaut und gewärmt werden. Es kann vorkommen, dass sich hierbei der wässrige Teil der Milch abtrennt. Wenn Sie die Milch dann schütteln, verbinden sich die einzelnen Milchbestandteile wieder.
Wir wollen darauf hinweisen, dass beim Füttern von Muttermilch mit der Tasse, dem Löffel, dem Becher, der Flasche oder auf anderem Wege alle mit der Milch in Kontakt kommenden Utensilien hygienisch sauber sein müssen. Sie sollen im kochenden Wasser fünf Minuten lang ausgekocht werden.
Aufstoßen lassen
Verschiedene Kinder brauchen nicht aufzustoßen, gierige Trinker um so mehr (Spucken). Wenn Ihr Kind an der Brust einschläft, können Sie es in sein Bettchen legen, ohne es vorher zum Aufstoßen zu wecken.
Die Vormilch sieht goldgelb cremig aus. Die Übergangsmilch, die noch immer sehr fetthaltig ist, hat eine weniger gelbe Farbe. Die reife Muttermilch, die etwa ab dem zehnten Tag nach der Geburt gebildet wird, sieht eher aus wie Kokosmilch oder Magermilch. Sie werden vielleicht bemerken, dass Ihre Milch im Laufe einer Stillmahlzeit ihre Farbe ändert: Am Anfang sieht sie wässrig aus, gegen Ende cremig. Dies liegt daran, dass die Milch am Anfang der Brustmahlzeit eiweißreicher, zum Schluss fettreicher ist. Erschrecken Sie also nicht, wenn Sie diese Veränderungen feststellen. Lassen Sie sich vor allem von niemandem einreden, Ihre Milch sei nicht nahrhaft genug für das Baby, weil sie wässrig aussieht. Sie sollten allerdings darauf achten, dass Ihr Baby lange genug saugt, um auch die fettreiche Milch zu trinken.
B
Babymassage
Die Haut ist das größte Sinnesorgan des Menschen. Die Haut des Babys braucht Zärtlichkeit vom ersten Moment seines Lebens an. Es erfährt durch Berührung Geborgenheit, Anregungen und das Gefühl der Kontinuität.
Babymassage bietet die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und kann zu einer harmonischen Eltern-Kind-Beziehung beitragen. Die rhythmischen Bewegungen und Berührungen können besonders in den ersten Wochen und Monaten dem Säugling helfen, Spannungen abzubauen und fördern sein Körperbewußtsein.
Falls Sie planen einen Babymassagekurs zu besuchen, wählen Sie einen Kurs aus, in dem Sie Anleitungen erhalten um die Massage selbst zu erlernen und wo Zeit und Raum gegeben wird, damit Sie Ihr Baby zwischendurch stillen können.
Behinderung
Manchmal stellt sich vor oder bei der Geburt,in anderen Fällen auch erst später, heraus, dass ein Baby behindert ist. In diesem Fall ist es für die Eltern ein schmerzhafter Prozess, ihr Baby so anzunehmen, wie es ist, und sich vom Baby ihrer Wunschvorstellungen zu lösen. Das Stillen wird ihnen hierbei helfen, denn dieses Kind hat ihre Nähe, den Körperkontakt und die Muttermilch genauso nötig wie ein gesundes Kind.
Durch die Behinderung können Schwierigkeiten beim Saugen oder Schlucken auftreten. Mit viel Geduld und einer angepassten Stillpraxis lassen diese sich aber meistens überwinden.
Viele Kinder mit geistiger Behinderung (z. B. Trisomie 21) oder einer Anomalie im Bereich des Mundes (z. B. Gaumenspalte) konnten schon von ihrer Mutter gestillt werden, verzagen Sie also nicht. Falls Sie Unterstützung oder Rat brauchen, wenden Sie sich bitte an eine erfahrene Stillberaterin (Adressen) Krankenhausaufenthalt des Babys.
Beikost
Sie können Ihr Baby bis zum Ende seines 6. Lebensmonats voll stillen, ohne ihm zusätzlich flüssige oder feste Kost zu reichen. Mit der Muttermilch wird es bis dahin bestens gedeihen.
Erst nach Abschluß des 6. Lebensmonats benötigt das Baby andere Nahrungsmittel. Alles weist jetzt darauf hin, dass es Zeit wird für neue Esserfahrungen. Es sitzt bereits im Kinderstühlchen, sein Interesse für das Essen der anderen Familienmitglieder erwacht und es kann zielstrebig danach greifen. Außerdem zeigen sich wohl schon die ersten Zähne.
Nora schmeckt es am besten, wenn Sie sich selbst füttern darf
Als erste feste Kost sollten Sie ein Gemüsepüree füttern (anfangs Möhren, Kartoffeln, später auch Mangold, Kohlrabi, rote Beete, Fenchel, Broccoli usw.). Obst kann diese Mahlzeit nicht ersetzen, sondern etwas später als Zwischenmahlzeit nachmittags angeboten werden. Geeignet sind anfangs Äpfel und Birnen, manchmal etwas Banane, später auch Orangen (falls das Baby sie verträgt), Aprikosen, Trauben usw. Etwas später kann Ihr Baby auch Getreidebrei als 2. Mahlzeit erhalten, auch gemischt mit Gemüse oder Obst und eventuell einem Schuss Muttermilch. Beim Einführen von Getreide sollten Sie zuerst glutenfreies wählen (Reis, Hirse).
Hier noch einige praktische Hinweise:
* Gemüse und Obst sollte frisch sein, am besten aus biologischem Anbau, und muss immer gründlich geputzt und gewaschen werden.
* Anfangs ist anzuraten, das Gemüse nicht roh zu geben, sondern es zu dünsten (nicht im Wasser kochen). Das Untermengen von frischen gehackten Kräutern vor dem Füttern bringt Ihrem Baby zusätzliche Vitamine und wichtige Mineralstoffe (Petersilie z. B. ist sehr eisenhaltig). So lange Sie vor oder nach der Beikost stillen, erlauben die Fette aus der Muttermilch eine problemlose Aufnahme der fettlöslichen Vitamine aus der Beikost. Ist dies nicht mehr der Fall, dann können Sie nach dem Dünsten ein bisschen Butter oder kaltgepresstes Öl hinzufügen. Das Ganze wird dann in der Küchenmaschine fein püriert und mit dem Löffel gereicht. Manche Babies mögen aber schon sehr früh Rohkost und verdauen sie problemlos.
* Obst können Sie von Anfang an roh anbieten.
* Achtung: Gedünstete Möhren, roh geriebener Apfel und Banane wirken stopfend. Orangensaft und gedünsteter Apfel wirken abführend.
* Vollkorngetreide versorgt Ihr Baby optimal mit allen Nährstoffen. Bedenken Sie aber, dass diese Produkte schwer verdaulich sind für das noch unreife Verdauungssystem des Babys. Sie müssen unbedingt durch Zerkleinern (Mahlen, Schroten) und Einweichen, Kochen und Nachquellen soweit aufgeschlossen werden, dass das Baby die wichtigen Inhaltsstoffe aufnehmen kann, ohne dass sein Darm gereizt wird und Verdauungsprobleme entstehen.
* Bedenken Sie auch, dass Babies es lieben, das Essen selbst zum Mund zu führen, auch wenn dies eine kleckrige Angelegenheit ist. Brotrinden, rohe Apfelscheiben, Tomaten, Aprikosen, eignen sich ganz gut, doch bleiben Sie immer dabei, wenn Ihr Baby seine ersten Kauversuche unternimmt, es könnte sich verschlucken.
* Beim Zubereiten der Mahlzeit sollten Sie kein Kochsalz verwenden, es belastet die Nieren des Babys zu stark. Frische Kräuter hingegen sind anzuraten: Sie würzen und liefern zusätzlich Vitamine.
* Falls Sie Bedenken haben, sollten Sie wissen, dass Fleisch als Eisenlieferant nicht unbedingt im 1. Lebensjahr sein muss. Versorgen Sie Ihr Baby ausreichend mit Eisen aus anderer Herkunft (Vollkorngetreide, Kräuter und Gemüse, z.B. Spinat, Schwarzwurzeln, Petersilie, Kresse...). Auch sollten Gemüse- und Getreidebrei immer mit vitamin-C-reichem Gemüse und Obst (z.B. Blumenkohl, Broccoli, Kartoffeln, Orangen- oder Sanddornsaft...) zubereitet werden, um die Eisenresorption zu erhöhen. Auch bei einer Ernährung mit Fleisch, muss es nicht täglich Fleisch sein und mit 20g reicht es schon.
* Zucker und Honig sollten, wenn überhaupt, nur sehr sparsam verwendet werden. Wählen Sie fürs Baby nur ausgereifte süße Früchte, dann erübrigt sich ein Nachsüßen. Ansonsten eignen sich auch Rosinen und Birnendicksaft zum Süßen. Sie sollten sich der Nachteile des Süßens bewusst sein: Es schadet den Zähnen des Babys (auch wenn noch gar keine sichtbar sind!) und führt zur Gewöhnung. Dies kann verheerende Folgen auf die Zahngesundheit haben.
* Ab dem 1. Lebensjahr kann auch Vollmilch gereicht werden. Dies ist nicht nötig, wenn Sie noch stillen.
* Flüssigkeit: Sobald das Baby feste Beikost erhält, kann es auch zusätzlich Mineralwasser, ungesüßte mit Wasser verdünnte Obst- oder Gemüsesäfte aus der Tasse trinken.
* Bei allergiegefährdeten Kindern sollte jedes tierische Eiweiß sowie Sojamilch und Tomaten bis zum 12. Lebensmonat gemieden werden. Bei Allergien in der Familie ist es sinnvoll auch im 2. Lebensjahr auf rohes Eiklar, Nüsse und Kakao zu verzichten.
Je mehr feste Kost Ihr Baby zu sich nimmt, um so weniger Muttermilch wird gebildet. Das Abstillen hat begonnen.
Beißen
Da das Baby beim Saugen die Zunge unter der Mamille hat, tritt das Beißen oder das feste Zusammenkneifen der Kiefer im allgemeinen nicht während des Trinkens, sondern vor Saugbeginn oder zum Schluss der Brustmahlzeit auf.
Der erste Zahn kann dem Baby starke Schmerzen bereiten, und es erhofft sich durch Zubeißen vielleicht eine Linderung (Zahnen). Es kann aber auch sein, dass das Baby einfach neugierig auf die Reaktion seiner Mutter ist, wenn es zubeißt. Durch ein festes, ruhiges "Nein" und ein Ablösen des Babys von der Brust, können Sie ihm beibringen, dass Ihnen das nicht gefällt. Vielleicht will das Baby Ihnen auch zeigen, dass es satt ist, oder dass es Ihre Aufmerksamkeit braucht, wenn Sie durch andere Dinge abgelenkt sind. Bei größeren Babies kann das Interesse an der Brust abnehmen, was sie dann manchmal durch Beißen mitteilen.
Wenn Ihr Baby Schnupfen hat, ist es sehr geplagt und kommt mit Atmen, Saugen, Schlucken nicht zurecht. Versehentlich kann es dann auch schon mal zubeißen.
Berufstätigkeit
Wenn Sie nach Ablauf der Mutterschutzfrist vorhaben, Ihre Berufstätigkeit wieder aufzunehmen, wird Ihr Baby 12 Wochen alt sein. Die Wiederaufnahme der Berufstätigkeit ist kein Grund zum Abstillen, viele Frauen können beides miteinander vereinbaren.
Wichtig ist allerdings, dass an Ihrem Arbeitsplatz die gesetzlichen Vorschriften zum Schutz der stillenden Mutter eingehalten werden.
Sie haben ein Recht auf Stillpausen von zweimal 45 Minuten am Anfang und am Ende Ihrer täglichen Arbeitszeit. Sie brauchen keine Nachtarbeit zu verrichten, ebensowenig wie mühsame körperliche Arbeit oder solche, welche einen Umgang mit schädlichen Substanzen einbezieht.
Wenn nötig, können Sie den genauen Wortlaut der Bestimmungen bei Ihrer Gewerkschaft, Ihrem Betriebs/ Personalrat oder über die Initiativ Liewensufank erfahren.
Falls Sie nicht länger als vier Stunden hintereinander von Ihrem Baby getrennt sind, reicht es wahrscheinlich, wenn Sie vor dem Weggehen stillen und gleich nach dem Zurückkommen. Ihr Baby muss dann eben zeitweise nach Plan gestillt werden, zu Hause können Sie ja weiter nach Bedarf stillen (Stillrhythmus). Die Betreuerin (der Betreuer) Ihres Babys kann Ihre Abwesenheit dann mit etwas Flüssigkeit oder einem Saugersatz überbrücken.
Bei längerer Abwesenheit (z. B. acht Stunden) gehen viele berufstätige Mütter wie folgt vor: Sie pumpen an ihrem Arbeitsplatz die Muttermilch ab (Abpumpen, Milchpumpe, Aufbewahren). Diese Milch wird dem Baby dann am darauffolgenden Tag während der Abwesenheit seiner Mutter mit der Tasse, dem Löffel oder der Flasche gefüttert. Während der Zeit, wo Sie zu Hause sind, können Sie Ihr Baby dann wieder an der Brust trinken lassen. Das Abpumpen ist nur während der ersten Monate Ihrer Berufstätigkeit notwendig, da Ihr Baby ab einem Alter von fünf bis sechs Monaten seinen Hunger während Ihrer Abwesenheit auch mit Beikost stillen kann.
Übrigens, die vom Gesetzgeber vorgegebenen Erleichterungen sind nicht auf eine bestimmte Zeitspanne begrenzt. Lassen Sie sich also weder von Ihrem Arbeitgeber noch von Ihren Kollegen zum Abstillen drängen, den Abstillzeitpunkt bestimmen ganz allein Sie und Ihr Baby.
Der Kontakt zu anderen stillenden Mütter in einer Stillgruppe (Adressen) oder die Unterstützung durch Ihre Interessenvertretung können vielleicht hilfreich sein.
Besuch
Nachdem das Baby endlich geboren ist, verbreitet sich die frohe Nachricht meist sehr rasch, und viele wohlmeinende Verwandte und Freunde kommen zu Besuch. Das mag im ersten Moment sehr erfreulich sein, doch die meisten jungen Mütter merken erst zu spät, wie anstrengend und nervenaufreibend es sein kann, stundenlang Gesellschaft zu haben, Gespräche führen zu müssen und die Gäste zu bewirten.
Oft wünscht sich eine junge Familie nichts sehnlicher, als gemeinsam zu zweit ihr Baby zu bewundern, in Ruhe zu stillen, zu streicheln, das Baby zu versorgen und miteinander zu schmusen und zu reden. Sie können dementsprechend vorbeugen, indem Sie zunächst nur den Menschen das freudige Ereignis mitteilen, die Sie unbedingt auch sehen wollen. Die Geburtsanzeige hat auch noch einige Tage oder Wochen Zeit. Vertrauten Menschen sagen Sie offen, wann sie kommen können und auch, wann Sie Ihre Ruhe brauchen und welche Unterstützung oder Hilfe von ihnen gebraucht wird.
BH
Oft wird den stillenden und auch den schwangeren Frauen geraten, ständig einen Büstenhalter zu tragen, damit der Busen nicht an Festigkeit verlieren soll. Folgendes sollten Sie bedenken:
* Das Tragen oder Nichttragen eines BHs hat keine Auswirkungen auf die Veränderung Ihrer Brust. Es ist die Beschaffenheit des Bindegewebes, die bedingt, ob sich die Form der Brust verändert oder nicht. Sinnvoll ist es bei Milcheinschuß und Milchstau richtig zu reagieren und nicht plötzlich abzustillen. So können Sie verhindern, dass die Fülle der Brust abrupt zu- und abnimmt.
* Ihr Wohlbefinden ist wichtig. Wenn Sie sich besser mit BH fühlen, sollten Sie darauf achten, dass er ausreichend groß ist. Wenn Sie das Gefühl haben, dass der BH Sie stört und einengt, so lassen Sie ihn einfach weg.
* Auf jeden Fall muss der BH aus Baumwolle sein und darf nirgends einschneiden, auch seitlich der Brust nicht, sonst kann ein Milchstau entstehen.
Beachten Sie beim Kauf eines BHs auch den praktischen Aspekt. Wenn Sie viel am BH herumfummeln und Häkchen und Schleifen öffnen müssen, wird es ihnen wohl kaum gelingen, Ihr Baby diskret in der Öffentlichkeit zu stillen.
Auch der Gebrauch von zwei Händen zum Öffnen und Schließen ist kompliziert, da sie das Baby dann jedesmal ablegen müssen oder es ohne Halt auf ihren Knien balancieren müssen. Praktischer ist oft das Hochschieben des BHs.
Bei sportlicher Betätigung (z. B. Jogging, Ballspiel, Reiten, usw.) sollten Sie auf jeden Fall einen BH tragen.
Brustentzündung (Mastitis)
Eine Infektion entwickelt sich meist aus einem nicht erkannten oder falsch behandelten Milchstau oder bei entzündeten Mamillen. Es kommt zu ausgeprägten grippeähnlichen Symptomen mit starken Kopfschmerzen (Stirnbereich!) und hohem Fieber (bis zu 40 Grad Celsius).
Alle im Stichwort Milchstau besprochenen Maßnahmen sind anzuwenden. Falls das Baby die Brust nicht trinken mag, weil die Milch wärmer und etwas salzhaltiger ist, muss abgepumpt (Abpumpen) werden, und die gesunde Seite wird sich dann auf den Mehrbedarf einstellen. Tritt nach ein bis zwei Tagen keine Besserung ein, wird Ihnen der Arzt wahrscheinlich ein Antibiotikum verschreiben, bei dem Sie weiterstillen können. Zu einer Abszessbildung kommt es selten (nur bei falscher und zu später Behandlung). Auf jeden Fall sollten Sie sich einige Tage Bettruhe gönnen, die Betreuung durch eine freiberufliche Hebamme beanspruchen und sich zusätzliche Hilfe organisieren Doula.
Brustform
Für die Brustform ist einerseits die Beschaffenheit des Bindegewebes zuständig und anderseits der Brustmuskel. Durch ein Spannen des Brustmuskels verändert sich die Höhe und die Form der Brust, welche am Brustmuskel hängt (das geschieht z. B., wenn Sie die Schultern nach hinten ziehen).
Auf die Beschaffenheit des Bindegewebes haben Sie wenig Einfluss, da sie von Ihrer Konstitution abhängt. Vermeiden Sie eine übermäßige Dehnung durch richtiges Reagieren bei Milcheinschuss und Milchstau. Das Tragen eines BHs ist nicht unbedingt erforderlich, außer beim Sport.
Sie können Ihre Brustmuskeln durch eine gezielte Gymnastik trainieren, um Ihre Brust in Form zu halten. Allerdings entwickeln viele Frauen durch das Erleben der Schwangerschaft, der Geburt und der Stillzeit ein anderes Körpergefühl, das sich nicht mehr nur an den von der Werbung vorgegebenen Schönheitsidealen orientiert.
Brustgröße
Die Brustgröße spielt für das Stillen absolut keine Rolle. Die unterschiedliche Brustgröße ist abhängig von Veranlagung, Körperbau usw. Das Drüsengewebe in einer kleinen Brust ist genauso leistungsfähig wie das einer großen Brust. Eine große Brust ist andererseits aber auch kein Stillhindernis.
Produzierte Milchmenge und Brustvolumen sind nicht voneinander abhängig. Nur ein Teil der Milch, die bei einer Mahlzeit benötigt wird, ist auf Vorrat vorhanden. Die weitere Milch wird während des Stillens in den Milchbläschen (Alveolen) gebildet (Was passiert beim Stillen im Körper der Frau?).
Lassen Sie sich also nicht verunsichern!
Schon in der Schwangerschaft werden Sie bemerken, dass unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone sich die Brust vergrößert und verändert. Beim Milcheinschuss wird sie sich noch einmal vergrößern. Dies sollten Sie beim Kauf eines BH unbedingt einplanen. Wenn sich die Milchproduktion nach einigen Wochen eingependelt hat, werden Ihre Brüste wieder weicher und etwas kleiner. Dies bedeutet keinesfalls, dass die Milch zurückgegangen ist und Ihr Baby nicht mehr satt wird.
Brustschilde
Das Tragen von Brustschilden wurde bei abgeflachten Mamillen oder nach innen gezogenen Mamillen in der Schwangerschaft und während der Stillzeit lange Zeit empfohlen. Es handelt sich hierbei um doppelwandige Schalen aus Kunststoff, die im BH getragen werden. Durch den Druck treten die Mamillen hervor. Neuere Studien haben gezeigt, dass diese Vorbereitung nicht notwendig ist.
Brustwarzen
Dies ist die allgemein übliche Benennung für die Brustspitze. Doch verbinden wir alle mit dem Wort "Warze", eher unangenehme Vorstellungen.
Wir denken, dass sich auch in der Sprache und den Begriffen eine positivere Einstellung zum weiblichen Körper und zum eigenen Körpergefühl ausdrücken sollte. Deshalb ziehen wir es vor, Brustwarzen Mamillen zu nennen. Mamille ruft positive Assoziationen hervor. Es ist ein schöner und treffender Begriff, der der Anatomie entlehnt ist. Deshalb steht in dieser Brochüre immer "Mamillen" statt "Brustwarzen".
Zu Beginn der Stillzeit klagen manche Frauen über wunde, schmerzhafte Mamillen. Diese Schmerzen verspüren sie am stärksten bei Saugbeginn, bevor die Milch richtig fließt. Wenn die Mamille richtig im Mund des Babys liegt (Anlegen, richtiges) ist es unwahrscheinlich, dass das Stillen schmerzt.
Wenn die Mamillen schmerzen, gerötet und empfindlich sind, oder wenn Sie Schrunden sehen, die eventuell sogar etwas bluten, ist es wichtig nach den Ursachen zu forschen. Lesen Sie noch einmal die Beschreibung wie das richtige Anlegen des Babys abläuft. Lassen Sie sich vom Gesundheitspersonal helfen oder rufen Sie bei der Stillberatung an. Wichtig ist, dass das Baby seinen Mund groß öffnet, wie beim Gähnen und viel Brustgewebe im Mund hat, erst dann liegt die Mamille geschützt hinten im Mund, wo die Kiefer und der harte Gaumen nicht daran reiben können. Ein Baby, das die Flasche bekommen hat oder das einen Schnuller erhält, kann sich eine falsche Saugtechnik angewöhnen, die durchaus für Flasche und Schnuller geeignet ist, welche aber die zarte Haut der Brust strapaziert. Hier hilft nur das Absetzen von Flasche und Schnuller und ein Saugtraining.
Folgende Hinweise können noch hilfreich sein:
* Machen Sie sich bewusst, dass dies anfängliche Schwierigkeiten sind, die Sie durchaus bewältigen können und dass in einigen Tagen oder in ein bis zwei Wochen alles problemlos klappen wird.
* Versuchen Sie vor dem Stillen durch Anwendung von Wärme (Milchstau) und durch Massage der Brust den Milchflussreflex auszulösen. Wenn Ihr Baby dann zu trinken beginnt, wird die Milch sofort fließen, und das Baby muss nicht so fest saugen. Das Stillen ist dann nicht so schmerzhaft.
* Wichtig ist, dass Sie sich zum Stillen besonders bequem und entspannt hinsetzen oder hinlegen.
* Wenn das Baby zu saugen beginnt, tut es gut, wenn Sie einige Male tief durchatmen und bei jedem Ausatmen entspannen. Sobald die Milch fließt, ist es weniger schmerzhaft.
* Bei wunden Mamillen kann die Stilldauer je Brust etwas gekürzt werden. Häufiges (z. B. alle zwei bis drei Stunden), kurzes Stillen schont die Mamillen.
* Lassen Sie Luft und Sonne (eventuell kurze Rotlichtbestrahlung) an Ihre Brust.
* Verwenden Sie weder Seife noch Desinfektionsmittel für Ihre Brust.
* Folgende Hausmittel sind heilend und unschädlich: Die Wachstumsfaktoren in der Muttermilch sind genau die richtigen Heilungshelfer, die jetzt gebraucht werden. Drücken Sie einige Tropfen Milch aus und lassen Sie sie einwirken. Auch Lansinoh®, ein spezielles Lanolin und Calendulasalbe sind heilend.
* Versuchen Sie den gutgemeinten Empfehlungen von Saughütchen zu widerstehen, um nicht noch andere Probleme zu schaffen.
Wenn nach längerer problemloser Stillzeit die Mamillen schmerzen, könnte eine Pilzinfektion vorliegen (Soor).
D
Dauer einer Brustmahlzeit
Eine Stillmahlzeit kann zehn Minuten oder auch zwei Stunden dauern, je nachdem wie fest Ihr Baby saugt, wie schnell die Milch fließt und wie alt Ihr Baby ist (Appetit, Individualität). Ein Neugeborenes braucht meist mehr Zeit zum Trinken als ein Krabbelkind, das sich ja auch viel leichter ablenken lässt. Jedenfalls gibt es keine zeitliche Einschränkung für die Dauer einer Brustmahlzeit, außer eventuell bei schmerzhaften Mamillen. Sie werden auch bald den Unterschied merken zwischen Trinken und Nuckeln. Die Milch, die gegen Ende der Mahlzeit fließt, ist sehr kalorien- und fetthaltig und besonders sättigend. Eine Einschränkung der Dauer würde das Trinken dieser sättigenden Milch verhindern.
Doula
Wissenschaftliche Untersuchungen von Phyllis und Marshall Klaus haben gezeigt, dass die Präsenz einer emotional unterstützenden Frau, einer DOULA, bei der Geburt der Gebärenden viele Vorteile bringt. Die Geburtsdauer ist kürzer, weniger Medikamente werden gebraucht, weniger Kaiserschnitte sind notwendig. Diese Studien haben dazu geführt, dass auch in Europa in mehreren Ländern Doula-Dienste gegründet wurden. In Luxemburg ist das Doula-Projekt von der Initiativ Liewensufank entwickelt worden. Es ist ein Modell, dessen Hauptschwerpunkt nicht nur die Geburtsbegleitung ist, sondern die Unterstützung in schwierigen Situationen auch vor und nach der Geburt, insbesondere beim Stillen.
Sie sollten sich bewusst sein, dass alles was Sie zu sich nehmen in die Muttermilch übergeht. Leichte alkoholische Getränke (Bier, Wein, Sekt) können gelegentlich und in kleinen Mengen genossen werden, scharfe alkoholische Getränke sind in jedem Fall zu meiden.
Auch das Rauchen sollten Sie aufgeben, wenn Sie es nicht (hoffentlich!) schon in der Schwangerschaft getan haben. Wenn Sie es absolut nicht schaffen, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Zigarettenkonsum stark einschränken, und diese nie in Gegenwart des Kindes (oder eines anderen Nichtrauchers) oder unmittelbar vor dem Stillen rauchen.
Wenn Sie Ihren Zigarettenkonsum nicht reduzieren können, ist dies trotzdem keine Ursache Ihrem Baby die Muttermilch vorzuenthalten, denn diese enthält wichtige Stoffe die Ihr Baby vor den häufigen Infekten der Atemwege schützen wird. Diese kann es gut gebrauchen, da in einem Raucherhaushalt Kinder öfters an Infekten der Atemwege erkranken.
Auch die anderen schützenden Funktionen der Muttermilch werden nicht durch das Nikotin in der Muttermilch beeinflusst.
Haschisch, Marihuana, LSD, Heroin, Kokain und andere Drogen haben verheerende Wirkungen für das Baby. Wenn Sie Hilfe brauchen, sollten Sie in Ihrem eigenen und im Interesse des Kindes eine Drogenberatungsstelle aufsuchen und Kontakt zu einer Stillberaterin aufnehmen.
Durchfall
Kommt bei ausschließlich gestillten Babies sehr selten vor (Stuhlgang). Manchmal reagiert das Baby mit Koliken, Durchfall und Wundsein am Po auf saure Speisen in der Nahrung der Mutter (z.B. Zitrusfrüchte, Tomaten, Schokolade) (Ernährung der stillenden Mutter). Es kann sich jedoch auch um eine allergische Reaktion handeln (Allergien). Auch während des Zahnens kann es bei vielen Babies zu Durchfall kommen.
Sehr selten ist Durchfall (meist kombiniert mit Erbrechen und Fieber) Symptom einer Magen-Darm-Infektion. Dann ist der Stuhlgang meist grünlich verfärbt, schleimig und hat einen penetranten Geruch. Suchen Sie dann sofort Ihren Kinderarzt auf.
Ein Baby mit Durchfall braucht viel Flüssigkeit: Stillen Sie es auf jeden Fall weiter, legen Sie es einfach öfters an.
Durst der Mutter
Sie werden bemerken, dass die Produktion der Muttermilch viel Flüssigkeit beansprucht. Sie werden sehr, sehr durstig sein, besonders während der Stillmahlzeit. Viele Frauen stellen sich dann ein Getränk bereit um ihr Durstgefühl nicht zu vergessen.
Wenn eine stillende Mutter nicht ausreichend trinkt, kann dies sich negativ auf die Milchproduktion auswirken. Besonders geeignet sind Tees (Milchbildung), Mineralwasser, Gemüse- und Obstsäfte (nicht zu säuerlich, die Reaktion des Babys überwachen und erst nur kleine Mengen trinken). Malzbier und Limonaden bringen zu viele zusätzliche Kalorien.
Von der Mutter getrunkene Kuhmilch kann bei besonders anfälligen Babies allergische Reaktionen (Allergien) auslösen.
Kaffee, schwarzer Tee und leichte alkoholische Getränke sollten wegen ihrer Wirkung auf das Baby nur in kleinen Mengen genossen werden.
E
Einschlafen
Vielleicht entschlummert Ihr Baby, während es an der Brust nuckelt, nachdem der große Hunger gestillt ist und seine Windeln gewechselt sind. Irgendwann baumeln seine Arme am Körper herab. Seine Kiefermuskulatur erschlafft, die Mamille entschlüpft seinen Lippen: Ihr Baby ist eingeschlafen. Sie können es behutsam zum Schlafen niederlegen und müssen es auch nicht zum Aufstoßen wecken. Ihr Baby gehört dann zu den zahlreichen "Nuckelbabies", welche die Wärme und Geborgenheit der mütterlichen Brust brauchen, um sich in den Schlaf fallen zu lassen.
Es gibt auch Babies, die nie oder nur selten an der Brust einschlafen. Sie möchten vielleicht zum Einschlafen herumgetragen, gewiegt oder geschaukelt werden.
Auch ein Schlafliedchen (Ihr Kind liebt Ihre Stimme, auch wenn Sie Ihnen selbst vielleicht nicht gefällt!) oder leise Musik können einem Baby helfen, in den Schlaf zu finden.
Manche Kinder entschlummern ganz von allein, sie lallen vielleicht noch einige Minuten ganz monoton vor sich hin, und wenn sie müde sind, fallen ihnen einfach die Augen zu.
Sie werden sehr bald selbst herausfinden, welche Bedürfnisse Ihr Baby hat und wie Sie ihm zu einem gesunden, friedlichen Schlaf verhelfen können.
Emanzipation
Selbstbild und Rolle der Frau in der Gesellschaft haben sich während der letzten Jahrzehnte stark verändert. Traditionelle Festlegungen wurden aufgebrochen und neues Selbstverständnis entwickelte sich. Das Recht auf Selbstbestimmung der Frau auf ihren Körper und ihre berufliche und soziale Situation wurde zum zentralen Thema der Frauenbewegung. Doch, wie so oft, drohen neue Klischees die alten zu ersetzen. War es gestern das Hausmütterchen am Herd, umgeben von einer Kinderschar, stets zu Dienstes ihres Mannes, fügsam, opferbereit und still, so ist es heute die Karrierefrau, selbstbewusst und strebsam, von ihrer Mutterrolle so weit wie möglich durch die Gesellschaft befreit, so dass sie ihren "Mann im Beruf stehen" kann.
Inzwischen wird mancher Frau klar, dass Selbstverwirklichung oder Emanzipation auch heißen kann, den eigenen Weg zu suchen, das zu tun, was einem im Moment wirklich wichtig ist. Eine Frau, die ihr biologisches Potential ausschöpft, sich in einer von Männern dominierten Sphäre um eine selbstbestimmte Geburt bemüht und dann ihr Baby stillt, wird ihre eigene Kraft und Stärke erleben und ganz neue Körpererfahrungen machen. Das Gefühl, ein Kind neun Monate in sich wachsen zu lassen, es aus eigener Kraft zu gebären und es dann gedeihen zu sehen mit der Muttermilch, kann sehr viel zum Selbstvertrauen einer Frau beitragen. Ob sie kurz- oder längerfristig auf ihre Berufstätigkeit und Karriere verzichtet, sollte sie frei entscheiden können (Berufstätigkeit). Aber auch eine stillende "Nur"-Mutter und Hausfrau muss kein zurückgezogenes Leben führen und "still" sein (Stillen unterwegs). Viele Frauen engagieren sich gerade in dieser Lebensphase im politischen und gesellschaftlichen Bereich und arbeiten mit an dem Modell einer Welt, die für alle lebenswert ist, für Frauen, Kinder und Männer.
Empfängnisverhütung
Viele stillende Frauen sind während der Stillzeit monatelang (manchmal jahrelang) nicht empfänglich für eine neue Schwangerschaft. In den ersten 6 Monaten brauchen Sie keinen zusätzlichen Empfängnisschutz, wenn Ihre Monatsblutung nicht wieder eingesetzt hat, Ihr Baby ausschließlich gestillt wird und die Pausen zwischen den Stillmahlzeiten nicht mehr als vier Stunden tagsüber oder sechs Stunden nachts betragen. Falls eine dieser Bedingungen nicht oder nicht mehr erfüllt ist, und Sie noch kein Geschwisterchen planen, müssen Sie sich für eine andere Verhütungsmethode entscheiden. Mechanische Kontrazeptive (Kondom, Diaphragma) in Kombination mit samenabtötenden Cremes haben keinerlei Nebeneffekte auf das Stillen und für die Mutter. Informieren Sie sich bei Bedarf beim Planning familial oder bei Ihrem Gynäkologen / Ihrer Gynäkologin.
Bei hormonellen Kontrazeptiva ist die Minipille (und andere sehr niedrig dosierte Präparate) die Möglichkeit der Wahl, die kaum Einfluss auf das Stillen hat. Bis jetzt konnten noch keine negativen Langzeiteffekte auf Babies festgestellt werden. Wenn die Babies schon etwas älter sind bei der Einnahme und das Stillen gut klappt, wird eine kleine Reduktion des Milchvolumens nicht ins Gewicht fallen.
Frauen, die vor der Schwangerschaft bereits mit NFP (Natürliche Familienplanung, sogenannte Symptothermale Methode) vertraut waren, kennen ihren Körper meist gut genug, um auch während der Stillzeit damit zurecht zu kommen. Spezielle Einführungskurse während der Stillzeit ermöglichen Ihnen, Ihren Körper besser kennenzulernen und fortan ohne chemische Verhütung auszukommen
Entspannung
Wenn Sie gestresst, nervös, überfordert und unsicher sind, kann es für Sie sehr wohltuend sein, Entspannungsübungen (aus dem Geburtsvorbereitungskurs, Yoga, autogenes Training) zu machen. Sie sollten sich dafür manchmal eine halbe Stunde Zeit nehmen, ganz für sich allein.
Bei anfänglichen Stillschwierigkeiten spielt auch die Entspannung eine bedeutende Rolle (Milchflussreflex): Nehmen Sie zum Stillen eine angenehme, gut gestützte Position ein, atmen Sie einige Male tief durch und versuchen Sie, mit jedem Ausatmen Spannungen loszulassen, den Körper zu entspannen.
Stellen Sie sich vor, wie die Milch aus Ihren Brüsten fließt und Ihr Baby satt und zufrieden wird.
Ernährung
der Stillenden
Während der Stillzeit ist der Kalorien- und Eiweißbedarf erhöht, ebenso wie der Vitamin- und Mineralstoffbedarf. Falls in einer Blutanalyse Mangelversorgung festgestellt wird, müssen Sie Spurenelemente in Tablettenform einnehmen oder Ihre Ernährung umstellen.
Stillende Frauen brauchen ihre Ernährung nicht grundsätzlich wegen dem Stillen umzukrempeln. Das was ihnen bis jetzt alle Lebensbausteine geliefert hat und sie gesund erhalten hat, ist auch während der Stillzeit geeignet.
Das Beste für Sie und Ihr Baby ist eine ausgewogene Ernährung mit naturbelassenen, vollwertigen Lebensmitteln. Wer das bisher noch nicht ausprobiert hat, bekommt vielleicht jetzt Lust auf die Umstellung. Sie werden sehen, dass das gar nicht so schwer ist, und Sie und Ihre Familie werden bald feststellen, dass vollwertiges Essen nicht nur gesünder, sondern auch schmackhafter ist!
Das vollwertige Getreide (z. B. Vollkornreis, Hirse, Vollkornnudeln, Müsli, Vollkornmehl und Vollkornbrot) enthält wichtige Vitamine und Mineralien.
Gemüse und Obst, ob roh oder gekocht, am besten einheimische Sorten, sollten auf dem täglichen Speiseplan nicht fehlen. Bevorzugen Sie die Lebensmittel aus biologischem Landbau. Kaltgepresste Pflanzenöle, in kleinen Mengen Ihrer täglichen Nahrung beigemengt, stellen Ihrem Körper hochwertige, wenig belastende Fettbausteine zur Milchproduktion zur Verfügung.
Einige Speisen können bei empfindlichen Babies Koliken, Hautausschläge, Wundsein oder Allergien hervorrufen: Saure Nahrungsmittel (Zitrusfrüchte, Obstsäfte, Essig, Tomaten usw.), blähendes Gemüse oder Hülsenfrüchte (Kohl, Zwiebeln, Bohnen, Linsen usw.), frisches Vollkornbrot, Milch und Milchprodukte, scharfe Gewürze und Schokolade.
Sie sollten mit diesen Nahrungsmitteln vorsichtig sein und erst einmal eine kleine Menge davon essen, um mögliche Reaktionen beim Baby zu beobachten (Durstgefühl).
Erstes Stillen
Anlegen
F
Flachwarzen
Mamillenform
Frühgeborene
Falls Ihr Baby zu früh zur Welt kam, ist die Muttermilch um so wichtiger für seine Gesundheit und sein Gedeihen.
Wurde Ihr Baby nur einige Wochen zu früh geboren, ist sein Saugreflex meistens schon voll ausgebildet, und es kann nach der Geburt gestillt werden wie jedes um den Termin geborene Baby auch. Ist es untergewichtig, müssen Sie es in der ersten Zeit besonders oft stillen.
Wird das Frühgeborene in ein Kinderkrankenhaus verlegt, weil es medizinisch überwacht werden muss, oder weil es gesundheitliche Schwierigkeiten hat, sollten Sie gleich am ersten Tag nach der Geburt mit Abpumpen beginnen, um die Milchproduktion anzuregen.
Eine Mitaufnahme im Kinderkrankenhaus oder der Besuch dort ermöglicht Ihnen vielleicht, so früh wie möglich Ihr Baby an die Brust anzulegen (Krankenhausaufenthalt des Babys). Wenn Ihr Baby zum Trinken noch zu klein ist, wird es doch jeden Ihrer Besuche genießen. Ihre Stimme, Ihren Körper und seine Geräusche kennt es noch aus seiner Zeit in der Gebärmutter. Sie können Ihr Kind, das im Brutkasten liegt, streicheln und ihm etwas erzählen oder vorsingen. Am schönsten für Sie und das Baby ist es natürlich, wenn es einmal oder mehrmals am Tag (samt allen Schläuchen und Kabeln) Urlaub vom Brutkasten nehmen und sich warm zugedeckt an Ihren Körper kuscheln kann oder wenn es gut eingewickelt in Ihren Armen oder denen seines Vaters gehalten wird. Dies ist in einigen Kliniken heute schon üblich. Diese Kliniken haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Babies gediehen schneller, holten besser auf und erkrankten keinesfalls häufiger. Scheuen Sie sich also nicht, dieses Recht auch für Ihr Baby zu fordern (Körperkontakt).
Besprechen Sie mit dem behandelnden Kinderarzt die Möglichkeit, Ihre Muttermilch im Krankenhaus abzugeben (Aufbewahren), damit Sie Ihrem Baby zugute kommt. Sehr frühgeborene Babies, welche noch keinen Saug- und Schluckreflex besitzen, können dann mit abgepumpter Muttermilch per Magensonde ernährt werden. Ab der 34. Woche kann das Baby an der Brust trinken. Es an der Flasche üben zu lassen kann eine Saugverwirrung auslösen.
Bedenken Sie immer, Ihre Muttermilch ist speziell der Situation Ihres Babys angepasst. Die Milch der Mütter, welche ein frühgeborenes Baby haben, ist anders zusammengesetzt als solche, die für ein ausgetragenes Baby gedacht ist. Außerdem ist sie leicht verdaulich und schützt das Baby vor Infektionen.
Beim Anlegen eines frühgeborenen Babys ist es besonders wichtig, dass Sie den Arm, der das kleine Baby hält, besonders gut abstützen, z.B. durch ein Kissen auf dem Schoß
Mit Muttermilch ernährte Frühgeborene erkranken 6 bis 10 mal weniger oft an nekrotisierender Enterokolitis. Dies ist eine gefährliche Darmentzündung bei Frühgeborenen, die tödlich sein kann: Muttermilch ist der ideale Schutz davor.
Die ersten Wochen, wenn Ihr extrem frühgeborenes Baby noch auf der Intensivstation liegt, nicht selbst trinken kann und vielleicht noch zwischen Leben und Tod schwebt, werden schwer für Sie sein. In dieser angespannten Situation haben Sie wahrscheinlich Schwierigkeiten, den Milchflussreflex auszulösen, damit die Milch fließt und Sie abpumpen können.
Lassen Sie sich nicht entmutigen, versuchen Sie sich bei schöner Musik zu entspannen, stellen Sie sich vor, wie die Milch reichlich aus Ihren Brüsten fließen wird und denken Sie voller Zuversicht an die Zeit, wenn Sie Ihr Baby im Arm halten und es endlich selbst stillen können.
Eine Stillgruppe oder eine Stillberaterin können jetzt sehr hilfreich sein
G
Geburtsvorbereitung
Sie sollten während der Schwangerschaft möglichst einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen, am besten gemeinsam mit Ihrem Partner. Der Kurs soll Ihnen nicht nur rein sachliche Informationen vermitteln oder nur aus Körperübungen bestehen, sondern die Themen Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Elternschaft auf der geistigen, emotionalen, körperlichen und auch praktischen Ebene behandeln.
Ein guter Geburtsvorbereitungskurs kann viel zu einem erfolgreichen Stillen beitragen. Auch wird er Ihnen zu mehr Selbstsicherheit und einem verstärkten Vertrauen in den eigenen Körper verhelfen und Sie befähigen, herauszufinden, was Ihnen rund um die Geburt am Herzen liegt, um dann den Ort der Geburt Ihres Kindes entsprechend Ihren Kriterien auswählen zu können. Adressen von Geburtsvorbereitungskursen können Sie bei der Initiativ Liewensufank in Erfahrung bringen.
Gelbsucht (Physiologische)
Viele Babies bekommen einige Tage nach der Geburt eine Gelbsucht. Dies ist völlig normal und wird durch den Abbau der überschüssigen roten Blutkörperchen in der Leber verursacht.
Sie können das Baby ruhig weiterstillen. Manche Babies mit Gelbsucht schlafen beim Füttern leicht ein. Stillen Sie dann besonders häufig und wecken Sie es mindestens alle drei Stunden zum Trinken, weil eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme wichtig ist für die Ausscheidung des Bilirubins (Stoff, welcher die Gelbsucht verursacht).
Auch bei einer Gelbsucht braucht ein Baby keine andere Flüssigkeit als Muttermilch, denn nur Muttermilch enthält diese speziellen Wirkstoffe, die das Bilirubin binden können und für eine schnelle Ausscheidung sorgen.
Wenn eine Phototherapie notwendig ist, wird das Baby in einem Brutkasten unter eine spezielle Lichtquelle gelegt, um den Abbau des Bilirubins zu beschleunigen. Zum Stillen kann die Phototherapie unterbrochen werden und die Augenbinde abgenommen werden.
Problematisch ist die eventuelle Verlegung des Kindes in ein Kinderkrankenhaus, um die Phototherapie durchzuführen. Bestehen Sie auf einer Mitaufnahme, um weiterstillen zu können (Krankenhausaufenthalt des KindesAbpumpen).
Ist die Gelbsucht durch eine Blutunverträglichkeit bedingt, so können Sie nach dem Blutaustausch weiterstillen.
Eine sehr seltene Form der Gelbsucht ist die Muttermilchgelbsucht. Auch diese Gelbsucht macht ein Abstillen nicht erforderlich.
Geschwister
Es ist anstrengend zu stillen, wenn ein "eifersüchtiges" Kleinkind diesen Moment nutzt, um Unfug anzustellen oder nur zu stören.
Versuchen Sie dies dadurch zu verhindern, dass Sie dem/der "Großen" eine interessante Beschäftigung für diesen Zeitraum bereithalten, ihm Getränke und etwas Essen vorbereiten, eventuell noch vor dem Stillen mit ihm zur Toilette gehen usw.
Falls der Vater oder eine andere Bezugsperson zur Stillzeit im Haus ist, kann diese(r) sich besonders intensiv um das Kleinkind bemühen, und Sie können die Zweisamkeit mit Ihrem Baby genießen. Wenn dies nicht der Fall ist, haben Sie beim Stillen immer noch einen Arm frei um etwa Knöpfe aufzumachen, ein Spielzeug zu reichen. Das ältere Kind kann sich an der Seite ankuscheln, Sie können auch ein Buch halten und eine Geschichte erzählen usw.
Falls bei dem/der "Großen" der Wunsch auftaucht, auch mal an der Brust zu trinken, müssen Sie entscheiden, ob Sie das möchten oder nicht, dem Baby schadet es jedenfalls nicht. Es gibt Kinder, welche nach einem Versuch kein weiteres Interesse mehr haben und die Milch gerne dem Baby überlassen. Andere dagegen möchten öfters wieder selbst Baby sein.
Gewicht
Die Gewichtszunahme ist von einem Baby zum anderen sehr verschieden. Die einen nehmen sehr rasch zu, die anderen sehr langsam.
Wenn Ihr Brustkind viel und schnell zunimmt und bald am ganzen Körper ausgeprägten Babyspeck hat, brauchen Sie sich deshalb keine Sorgen zu machen (Wiegen).
Das Stillen hat den Vorteil, dass der Säugling nur entsprechend seinem Hunger trinkt und nicht überfüttert werden kann. Ein gestilltes Baby, auch wenn es anfangs ein kleines "Dickerchen" ist, wird später ein normalgewichtiges Kind und Erwachsener (es sei denn, seine spätere Ernährung ist völlig ungesund). Diät, Fastenkuren und Reduzieren der Stillmahlzeiten bei einem Baby sind völlig unnötig und können sogar gefährlich sein.
Wenn Sie später Beikost füttern, nehmen Sie eine Ernährungsberatung in Anspruch, damit Sie keine Kalorienbomben füttern.
Es gibt aber auch Babies, die nur sehr zögernd an Gewicht zunehmen. Sie sollten in diesem Fall klären, ob eine mögliche Ursache besteht: häufiges Erbrechen, Krankheit des Babys, zu kurze oder zu seltene Stillmahlzeiten (Häufigkeit, Dauer, Milchproduktion). Bei zu kurzen Stillmahlzeiten trinkt das Baby nur wenig von der fetthaltigen, kalorienreichen Milch, die erst gegen Ende der Stillmahlzeit fließt.
Beanspruchen Sie telefonische Stillberatung bevor Sie dem Baby etwas anderes zufüttern.
Holen Sie sich Rat und Unterstützung in einer Stillgruppe, wo Sie dann selbst sehen werden, wie unterschiedlich groß und dick Babies desselben Alters sein können. Ein Baby nimmt etwa durchschnittlich 120-250g je Woche zu.
Diese Gewichtszunahme verläuft aber nicht gleichmäßig sondern oft in Schüben.
Wenn das Baby jedoch gar nicht zunimmt oder sogar abnimmt, sollten Sie Ihren Kinderarzt aufsuchen.
H
Häufigkeit der Stillmahlzeiten
Der Rhythmus der Mahlzeiten hängt vor allem davon ab, wieviel das Baby auf einmal trinkt (Dauer, Appetit).
In der ersten Zeit kann allerdings von Rhythmus keine Rede sein.
Wenn Sie Ihr Baby nach Bedarf stillen, werden Sie merken, dass manchmal Pausen von zwei bis sechs Stunden zwischen dem Stillen liegen oder das Baby trinkt manchmal auch stündlich.
Haushalt
Nach der Geburt Ihres Babys wird nichts mehr so sein wie früher. Auch in Ihrem Haushalt wird sich manches ändern. Waren während Ihrer Berufstätigkeit die Arbeiten im Haushalt partnerschaftlich verteilt, so ist es absolut ratsam, diese gute Arbeitsteilung aufrechtzuerhalten.
Ihr Baby wird manchmal soviel Zeit beanspruchen, dass Ihnen kaum welche übrigbleibt für die anfallenden Arbeiten im Haushalt.
Hat Ihr Partner sich bis jetzt wenig an der Hausarbeit beteiligt, so überzeugen Sie ihn davon, in Zukunft einen Teil zu übernehmen. Vor allem, wenn Sie ein anspruchsvolles, anstrengendes Baby haben, scheuen Sie sich auch nicht davor, auf angebotene Hilfe aus dem Familien- oder Bekanntenkreis zurückzugreifen.
Ein sehr gutes Mittel gegen Überbeanspruchung und Übermüdung ist auch, dass Sie Prioritäten setzen: Die ganze Wäsche muss nicht unbedingt gebügelt werden, und oft reicht es auch, nur oberflächlich aufzuräumen.
Wenn Sie schnell zubereitete Speisen auf Vorrat haben, können Sie es sich erlauben, nach einer durchwachten Nacht mit dem endlich schlafenden Baby im Arm bis Mittag weiterzuschlafen.
Eine gute Körperhygiene ist selbstverständlich. Seifen Sie beim Duschen die Mamillen nicht mit ein, denn die Seife zerstört den natürlichen Schutz der Haut.
Während Ihres Aufenthalts auf der Entbindungsstation sollten Sie vor dem Stillen die Hände waschen, um die krankenhausinternen Keime von der Brust und dem Baby fernzuhalten.
Besonders während der Zeit des Wochenflusses ist es wichtig, dass Sie Ihre Hände vor dem Stillen waschen. Danach ist dies nicht mehr notwendig und oft auch nicht praktikabel, z. B. bei Spaziergängen.
Desinfizieren der Hände und/oder der Brust vor dem Stillen ist zu keinem Zeitpunkt notwendig und kann sogar für die empfindlichen Mamillen schädlich sein. Außerdem stört der oftmals penetrante Geruch dieser Mittel das geruchsempfindliche Neugeborene und kann es sogar vom Trinken abhalten.
Nach dem Stillen lassen Sie am besten die Milchreste auf Ihrer Brust antrocknen. Ein Abwischen ist nicht nötig, die entzündungshemmenden und heilenden Eigenschaften der Muttermilch pflegen die Haut der Mamille und heilen kleine Risse oder wunde Stellen. schmerzhalfte Mamillen (Crevasse).
I
Individualität
des Babys
Nach der Geburt, wenn Sie Ihr Kind das erste Mal in den Armen halten, kann es sein, dass das Gefühl "Dies ist mein Kind, ich bin seine Mutter" sich nicht sofort einstellt, sondern erst in Ihnen wachsen muss.
Wenn Sie nicht voneinander getrennt werden, wird Ihnen bald manches an Ihrem Baby vertraut sein: seine Gesichtszüge, seine Stimme, seine Atemzüge, seine Art, an der Brust zu trinken.
Sie haben es von Anfang an mit einem Individuum zu tun, es gibt nicht das typische Neugeborene, das typische Baby, alle sind unterschiedlich.
Seine Eigenarten, sein Wesen kennenzulernen und zu akzeptieren ist ein wichtiger Prozess, denn vielleicht entspricht Ihr Baby gar nicht Ihren Vorstellungen, Ihren Phantasien, die Sie vor der Geburt hatten.
Wenn Sie es lernen, diesen kleinen Gefährten, diese kleine Gefährtin für viele Jahre so anzunehmen, wie er/sie ist, werden Sie sich viele Probleme sparen.
"Innocenti Declaration"
über den Schutz, die Förderung und die Unterstützung des Stillens
Diese Deklaration wurde beschlossen und herausgegeben von Teilnehmern der WHO- / UNICEF-Konferenz zum Thema "Stillen in den 90er Jahren: eine weltweite Initiative" am 30.7/1.8. 1990 in Florenz. Hier wollen wir einige Textauszüge in einer deutschen Übersetzung zitieren:
Für eine optimale mütterliche und kindliche Ernährung und Gesundheit müssen weltweit alle Frauen in die Lage versetzt werden, voll stillen zu können.
Alle Säuglinge sollten von Geburt an bis zum vierten bzw. sechsten Lebensmonat ausschließlich mit Muttermilch gefüttert werden. Danach sollten die Kinder bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus weitergestillt werden und eine geeignete Beikost erhalten. Diese Form der Kinderernährung ist ideal. Sie kann sich durchsetzen bei einer optimalen Unterstützung der Frauen.
Um dieses Ziel zu erreichen, müßte in vielen Ländern eine "Stillkultur" wiederbelebt und vehement verteidigt werden gegen das Vordringen einer "Flaschennahrungskultur". Dafür müßte mit dem Prestige und der Autorität anerkannter Persönlichkeiten aus allen Bereichen eine starke gesellschaftliche Mobilisierung erreicht werden...
Jede Regierung sollte eine nationale Stillpolitik entwickeln und angemessene nationale Ziele für die 90er Jahre festsetzen. Sie sollten ein eigenes System entwickeln, das die Erreichung dieser Ziele überwacht, und sie sollten Indikatoren aufstellen z. B. wie häufig Kinder voll gestillt werden beim Verlassen der Entbindungsklinik und im Alter von vier Monaten.
Nationale Entscheidungsträger sind dazu aufgerufen, ihre Stillpolitik in ihre gesamte Gesundheits- und Entwicklungspolitik zu integrieren. Damit sollten sie alle Aktivitäten verstärken, die das Stillen auch in Ergänzungsprogrammen unterstützen und vorantreiben wie z. B. Geburtsvorbeitung und -nachsorge, Ernährungsberatung, Familienplanung, Aufklärung über Verhütung und Behandlung von häufigen Krankheiten bei Mutter und Kind. Das gesamte Gesundheitspersonal sollte zur Umsetzung dieser Stillpolitik befähigt werden.
Verfahrensziele:
"Alle Regierungen sollten bis 1995:
o eine geachtete und anerkannte Persönlichkeit als nationalen Stillkoordinator ernennen und ein fachübergreifendes nationales Stillkommittee aus Repräsentanten der wichtigen Ministerien, aus freien Organisationen und Berufsverbänden aus dem Gesundheitsbereich;
o sicherstellen, dass jede Einrichtung, die Mütterberatung anbietet, alle Zehn Schritte zu erfolgreichem Stillen praktiziert, die in der gemeinsamen WHO-UNICEF-Erklärung "Schutz, Förderung und Unterstützung des Stillens: Die spezielle Rolle der Mütterberatung" veröffentlicht wurden;
o Schritte unternehmen, um die Prinzipien und die Ziele aller Artikel des Internationalen Kodex über die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten und aller späteren einschlägigen Resolutionen der WHO in ihrer Gesamtheit zu verwirklichen; und
o sich für die Gesetzgebung etwas einfallen lassen, das die Stillrechte berufstätiger Frauen schützt und Mittel und Wege finden, um sie durchzusetzen.
Außerdem rufen wir internationale Organisationen auf,
o Handlungsstrategien zu entwickeln für den Schutz, die Förderung und die Unterstützung des Stillens einschließlich weltweiter Überprüfung und Evaluation dieser Strategien;
o nationale Situationsanalysen und Gutachten sowie die Entwicklung nationaler Leistungen und Ziele für Aktionen; und
o nationale Behörden zu motivieren und zu fördern bei der Planung, Ausführung, Einschätzung und Auswertung ihrer Stillpolitik." (WHO 5 / 91)
K
Kaiserschnitt
Auch nach einem Kaiserschnitt können Sie Ihr Baby stillen.
Auf jeden Fall sollte das Baby so früh wie möglich an Ihrer Brust trinken (erstes Stillen). Wenn der Kaiserschnitt unter Periduralanästhesie vorgenommen wird, können Sie Ihr Baby früher bewusst erleben und es zum Stillen anlegen. Nach einer Vollnarkose kann es etwas länger dauern, bis Sie wach genug sind und das Baby anlegen können. Sollte Ihr Baby aus medizinischen Gründen in die Kinderklinik verlegt werden, könnte Ihr Mann oder eine andere Person vielleicht noch schnell ein Foto machen. Das Bild Ihres Babys kann Ihnen helfen, die ersten Stunden und vielleicht Tage, an denen Sie das Baby noch nicht in die Arme schließen können, besser zu überstehen und Ihnen eine kleine Stütze beim Abpumpen der Milch sein (Trennung).
Für die Lagerung beim Stillen werden Sie in den ersten Tagen Hilfe brauchen, denn die Wundschmerzen werden Ihnen anfangs Schwierigkeiten bereiten. Günstiger ist eine Position, in der die Wundnaht nicht belastet wird (FußballhaltungSeitenlage). Hilfreich ist es auch, wenn Sie im Bett sitzend stillen, eine Rolle unter den Knien zu haben, damit die Bauchmuskulatur sich entspannt. Wenn Sie in Seitenlage stillen, kann ein kleines Kissen, das Sie zwischen die Wunde und den Körper des Babys legen, verhindern, dass das Baby Ihnen beim Strampeln weh tut.
Vielleicht lässt es sich in der Klinik einrichten, dass Ihr Mann während der ersten Tage und Nächte bei Ihnen und dem Baby bleibt. Wenn der Vater sich an der Pflege des Babys beteiligen kann, ist auch das Rooming-In von Anfang an problemlos, und Sie brauchen nicht voneinander getrennt zu werden.
Klinikroutine
Viele Kliniken bieten Rooming-In an, so dass die Mutter und ihr Baby nach der Geburt gar nicht getrennt werden. Auf diese Weise entsteht am ehesten eine befriedigende Mutter-Kind-Bindung und auch der frühe Kontakt des Babys zum Vater ist möglich.
Das Zusammensein von Mutter und Kind erleichtert das Stillen ungemein. Ist zudem das Personal sehr stillfreundlich und bestens über das Stillen informiert, sind die Grundsteine für ein erfolgreiches Stillen gelegt.
Auf jeden Fall sollten Sie sich schon vor der Geburt über die Gepflogenheiten in der Klinik informieren und Ihre Vorstellungen und Wünsche klar aussprechen.
In dem Bewusstsein, dass weltweit die ersten Tage nach der Geburt sehr wichtig für einen guten Stillstart sind, und das Klinikpersonal hierbei eine wichtige Rolle spielt, hat UNICEF die Zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen verfasst. Kliniken welche diese Schritte befolgen werden mit den Qualitätslabel "Stillfreundliche Klinik" ausgezeichnet.
Koliken
Manche Babies sind in den ersten Lebensmonaten arg von Koliken geplagt; nach etwa drei Monaten hören sie oft schlagartig auf. Die Ursache für die "Drei-Monats-Koliken" liegt in der besonderen Sensibilität der Verdauungsorgane, die bei der Geburt noch nicht voll entwickelt sind.
Eltern können das Schreien bei Koliken von anderem Weinen, z. B. bei Hunger unterscheiden. Babys Schreie sind sehr schrill und durchdringend, es krümmt sich, sein Bauch ist hart, seine Beine abwechselnd angezogen und gestreckt.
Vieles kann bei einem kleinen Säugling zu diesen schmerzhaften Darmkrämpfen führen: Unreife der Verdauungsorgane, Luftschlucken, Reaktionen auf ein bestimmtes Nahrungsmittel, welches die Mutter gegessen hat (Ernährung, Allergie), Reizüberflutung bei sensiblen Babies (z. B. viele Autofahrten, Spaziergänge in Menschenmengen, dauernde TV- und Radioberieselung usw.), Stress, Hektik und Konflikte in der Familie, Übermüdung und Überanstrengung der Mutter.
Die Dreimonatskoliken sind eine schlimme Belastung für junge Eltern, die wohl ihr Bestes tun, um Abhilfe zu schaffen, häufig aber keinen Erfolg damit haben.
Als Erstes sollte die direkte Ursache gesucht und dementsprechend gehandelt werden:
* Falls Ihr Baby ein "Luftschlucker" ist, sollten Sie es beim Stillen unbedingt so halten, dass der Oberkörper höher liegt als die Füße. So kann die Luft besser entweichen (Aufstoßen, Milch im Überfluss).
* Reagiert Ihr Baby empfindlich auf ein bestimmtes Nahrungsmittel, so ist es wichtig, dieses zu identifizieren und für die nächste Zeit zu meiden (Ernährung, Allergie).
* Überprüfen Sie Ihren Lebensrhythmus, und sorgen Sie für Ruhe in der Umgebung Ihres Kindes. Vermeiden Sie unnötigen Stress und Hektik, damit Sie und Ihr Baby Raum und Zeit haben, zueinander zu finden.
* Versuchen Sie herauszufinden, was in Ihrer jetzigen Lebensphase wirklich wichtig ist, wo Ihre Prioritäten liegen, und richten Sie Ihr Leben darauf ein. Ihr Baby braucht eine zufriedene Mutter.
Hier noch einige Tips, die sich bei Dreimonatskoliken bewährt haben:
* Tee: Samen wie Fenchel, Anis, Kümmel, Dill, Kreuzkümmel und Koriander wirken krampflösend und gastreibend.
Sie nehmen einen knappen Teelöffel davon auf eine Tasse kochendes Wasser und lassen den Tee ungefähr 15 Minuten ziehen. Wenn die Mutter ihn trinkt, wirkt er über die Muttermilch.
* Massage: Massieren Sie den Bauch des Babys im Uhrzeigersinn entsprechend der Richtung der Därme. Wenn Sie hierfür Kümmelöl verwenden, hilft das zusätzlich.
* Wärme: Ein warmes Bad kann helfen. Entspannend ist es, mit dem Baby in die große Badewanne zu gehen. Aber auch feuchtwarme Wickel oder eine Wärmeflasche (Vorsicht!) können gut tun.
* Rhythmische Bewegungen: Umhergehen mit dem Baby, schnell und rhythmisch, am besten draußen im Grünen (z. B. im Tragebeutel) wirkt beruhigend und fördert den Abgang der Gase. Schaukeln in einer Wiege oder Hängematte kann auch helfen, ebenso die abgebildete Haltung beim Tragen.
* Ein- oder Loswickeln: Das Baby mag es vielleicht, wenn Sie es fest mit einem Tuch oder einer leichten Decke einhüllen oder umwickeln. Andere Babies beruhigen sich, wenn sie ausgezogen werden und heftig mit Armen und Beinen strampeln können.
* Befriedigung des Saugbedürfnisses durch intensives Saugen (ohne zusätzliche Nahrungsaufnahme) beruhigt manches Baby.
Die Verdauung von vielen Babies verbessert sich, wenn es pro Stillmahlzeit uneingeschränkt an einer Brust trinken kann; erst wenn es von alleine loslässt, können Sie ihm noch die 2. Brust anbieten.
* Tun Sie auch etwas für sich: Befreien Sie sich von den hohen Ansprüchen, die Sie selbst oder Ihre Umwelt an Sie als Mutter stellen. Eine perfekte Mutter, einen perfekten Vater gibt es nicht, und Sie tun bestimmt Ihr Bestes. Aber manchmal finden viele Eltern nicht den richtigen Weg, und es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als das Schreien des Babys zu akzeptieren, es nicht allein zu lassen und ihm einfach beizustehen, bis es wieder besser geht. Probieren sie nicht alle diese Tips an einem Abend aus, dies würde sicher dazu führen, dass Sie und Ihr Baby noch nervöser werden.
Wenn das Baby wirklich täglich weint, ist es wichtig, dass sich zusätzlich eine Person findet, der Vater, die Oma, eine Freundin, eine Doula, die während der Schreistunden zur Verfügung steht, damit die Mutter einfach mal das Haus verlassen und abschalten kann, und dennoch weiß, dass das Baby in guten Händen ist.
Sie sollten auch unbedingt eine Selbsthilfegruppe (Still- oder Babygruppe) aufsuchen. Die Erfahrung, dass Sie nicht allein mit dem Problem da stehen, kann für Sie schon sehr wohltuend sein. Und bestimmt treffen Sie dort eine Mutter, die erzählt, wie aus ihrem zwei Monate alten Schreihals ein sehr zufriedenes, glückliches Krabbelkind geworden ist.
Wenn Sie sich Sorgen machen um die organische Gesundheit Ihres Babys, suchen Sie einen Arzt auf, der abklären kann, ob Ihr Baby körperlich gesund ist oder vielleicht eine Behandlung braucht (Ohrenschmerzen können z.B.eine mögliche Ursache für ununterbrochenes Schreien sein.).
Für ein Baby ist das Bedürfnis nach Hautkontakt genauso stark und wichtig wie sein Hungergefühl.
Wenn Sie stillen, geben Sie Ihrem Kind beides gleichzeitig: Körperliche und seelische Nahrung.
Aber auch außerhalb der Mahlzeit verspürt Ihr Baby das Bedürfnis nach Körperkontakt. Halten Sie es im Arm, tragen Sie es im Tragetuch oder in der Tragehilfe, z.B. beim Einkaufen, bei der Hausarbeit oder immer dann, wenn Sie oder Ihr Baby das Bedürfnis dazu haben. Auch nachts, schlafen viele Babies ruhiger wenn sie sich nah bei ihre Eltern kuscheln können(Nachts stillen). Auch durch Babymassage können Sie Ihrem Baby mehr Körperkontakt geben und ihm angenehme körperliche Erfahrungen verschaffen.
Krankenhausaufenthalt des Babys
Wenn Ihr Baby in ein Krankenhaus muss, versuchen Sie eine Klinik zu finden, die Sie mit aufnimmt (Rooming-In). Versuchen Sie eine Trennung zu vermeiden. Wenn nicht, bestehen Sie darauf, möglichst oft in die Klinik zu gehen, um selbst zu stillen und bei Ihrem Kind zu sein.
In der Zwischenzeit können Sie Ihre Milch Abpumpen und Aufbewahren. Sprechen Sie mit dem Arzt und dem Krankenhauspersonal ab, dass das Baby während Ihrer Abwesenheit mit der abgepumpten Milch gefüttert wird.
Eine Stillberaterin kann Ihnen gute Tips geben und Ihnen andere Mütter zum Erfahrungsaustausch nennen, welche im gleichen Fall weitergestillt haben, z. B. bei Säuglingen im Streckverband, bei Hüftluxationen, nach Bruchoperationen, usw.
Krankenhausaufenthalt der Mutter
Versuchen Sie Eingriffe, die nicht unbedingt notwendig sind, aufzuschieben, bis Ihr Kind älter ist.
Wenn der Krankenhausaufenthalt unumgänglich ist und Sie weiter stillen wollen, suchen Sie sich möglichst eine Klinik aus, die das Kind mit aufnimmt, um eine Trennung zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, können Sie die Milch Abpumpen und Aufbewahren, und Ihr Kind kann damit gefüttert werden, falls Sie keine für das Baby schädlichen Medikamente einnehmen (Medikamente, Krankheit der Mutter).
Manche Eingriffe können auch ambulant durchgeführt werden.
Sie sollten in jedem Fall abwägen, wie wichtig Ihnen das Stillen ist. Wenn Sie sich zum Weiterstillen entschließen, bedenken Sie, dass diese Krisenzeit vorübergeht, und Sie werden sich später sehr darüber freuen, dass Sie Ihr Baby wieder an die Brust legen können.
Krankheit des Babys
Gestillte Babies sind gesünder und erkranken seltener und weniger schlimm als Flaschenkinder. Es ist ganz normal, dass das kranke Kind häufiger gestillt werden will. Wenn es schon Beikost isst, kann es sein, dass es diese jetzt verweigert. Ihre Milchproduktion passt sich innerhalb kurzer Zeit an den gesteigerten Bedarf an, wenn Sie sich nach dem Kind richten.
Wenn Sie eine Erkältung oder eine andere Krankheit bekommen, brauchen Sie nicht mit dem Stillen aufzuhören. Bis die Erkältung bei Ihnen ausgebrochen ist, hat Ihr Kind schon längst Bekanntschaft mit den Keimen gemacht.
Über die Muttermilch nimmt Ihr Baby auch die Abwehrstoffe auf. Legen Sie sich mit Ihrem Baby ins Bett, und versuchen Sie Hilfe im Haushalt zu bekommen.
Wenn Sie Medikamente einnehmen müssen, so bitten Sie Ihren Arzt, eine Arznei zu verschreiben, die für das Baby nicht schädlich ist (Medikamente).
Eine Stillberaterin oder Stillgruppen können Ihnen zusätzlich Auskunft geben.
Vor der Geburt haben viele Eltern sehr "rosarote" Vorstellungen von dem Zusammenleben mit dem Baby.
Ist das Neugeborene erst da, kann die Realität sehr ernüchternd sein, vor allem wenn Sie merken, dass Ihre bisherige Lebensweise tagtäglich in Frage gestellt wird.
Vielleicht fällt es Ihnen leicht, Ihr Leben umzuorganisieren und neue Prioritäten zu setzen. Manche Eltern reagieren aber auch ratlos, ja sogar verärgert, auf diese Umstellung und haben Schwierigkeiten, sich damit abzufinden.
Wie dem auch sei, denken Sie daran, dass diese erste Zeit mit Ihrem neugeborenen Kind nicht wiederkehrt, und nehmen Sie sich Zeit, die vielen schönen Momente zu genießen. Trösten Sie sich damit, dass die anstrengenden Situationen vorübergehen werden.
Versuchen Sie herauszufinden, was Ihnen wirklich wichtig ist, und richten Sie sich danach. So langsam werden Sie einen gemeinsamen Rhythmus mit dem Baby finden und merken, dass vieles, was Sie vorher taten, auch jetzt noch möglich ist, mit oder ohne Ihr Baby (z. B. Schwimmen oder andere Sportarten, Besuche, Versammlungen, Kurse, usw.).
Lösen von der Brust
Ziehen Sie das trinkende Baby niemals von der Brust weg. Es entstehen sonst Risse in der Mamille, die sehr schmerzhaft sind. Unterbrechen Sie das Saugen des Babys, indem Sie Ihren Finger in seinen Mundwinkel schieben. Wenn Luft in den Mund des Babys kommt, lässt es los, und Sie können es leicht abnehmen.
Lustgefühl beim Stillen
Manche Frauen berichten von lustvollen Gefühlen beim Stillen. Wie Sie das fühlen oder genießen, ist sicherlich Ihr ganz intimes Erleben und von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Darum kann daraus keine Norm aufgestellt werden, sonst würden womöglich noch falsche Erwartungen an ein vielleicht gar nicht einsetzendes Lustgefühl erzeugt.
Sicherlich vermittelt das Stillen und das Wissen um die eigene körperliche Leistungsfähigkeit, ein Kind wachsen zu lassen, ein Gefühl tiefster Befriedigung. Das Eintauchen in die Welt des Babys, die Last und die Befriedigung einer solchen Beziehung können auch bewirken, dass die Frau sich zeitweilig weniger sexuell zu ihrem Partner hingezogen fühlt (Partnerschaft). Eifersüchtige Männer überbewerten dann oft die Lust der Frau beim Stillen.
M
Mamillenform
Im allgemeinem kann die Größe oder die Form der Mamillen das Stillen nicht wirklich behindern. Wenn Ihre Mamillen etwas kleiner oder größer sind, brauchen Sie sich deshalb keine Gedanken zu machen. Das Baby wird sich schon den Mamillen seiner Mutter anpassen.
Abgeflachte oder nach innen gezogene Mamillen (sogenannte Flach- oder Hohlwarzen) hingegen können den Stillstart erschweren, weil das Baby die Mamille nicht gut mit seinem Mund erfassen kann. Wenn Sie mit Daumen und Zeigefinger oben und unten auf den Rand des Vorhofs drücken, ziehen sich die abgeflachtenMamillen nach innen zurück.
Die nach innen gezogenen Mamillen sind unverkennbar: Sie liegen wie kleine Grübchen nach innen.
Das Anlegen erfordert bei nach innen gezogenen oder abgeflachten Mamillen besonders am Anfang viel Geduld und Ausdauer seitens des Babys und seiner Mutter. Deshalb sollten Sie die Brust vor dem Anlegen durch warme Kompressen, Massagen und Ausdrücken zum Fließen bringen. Legen Sie Ihr Baby sofort an, wenn es erwacht und Hunger hat, sonst wird es zu aufgeregt und unruhig, um die Mamille zu finden.
Beachten Sie immer beim Anlegen (richtiges), dass das Baby mit seinem Mund auch Teile des Vorhofs miterfasst. Hier ist es besonders wichtig, keine Verwirrung beim Baby durch Schnuller, Flasche oder Saughütchen auszulösen. Mit Geduld und Unterstützung werden Mutter und Baby sich aneinander gewöhnen.
Massage der Brust
Allein schon die Bewegung und der Hautkontakt beim Massieren können sich positiv auf die Milchbildung auswirken. Dies ist wichtig, wenn über längere Zeit das Baby nicht angelegt werden kann, und die Milch ausgestrichen oder abgepumpt wird.
Auch bei Milchstau oder verstopften Milchgängen kann eine Massage entspannend wirken und die Milch besser fließen lassen. Eine Hebamme oder eine Stillberaterin können Ihnen eine Massage der Areola zeigen oder eine Massage der ganzen Brust, je nach Wirkung, die erwünscht ist.
Wenn Sie eine harte Stelle in der Brust spüren, können Sie vor dem Stillen diese sanft massieren und während dem Stillen ein sanftes massierendes Ausstreichen in Richtung Mamille vornehmen. Gehen Sie dabei vorsichtig mit der Brust um, zuviel Druck auf die überfüllten Milchbläschen schmerzt und könnte diese verletzen.
Medikamente
Weil ein kleiner Teil der Wirkstoffe in den Medikamenten mit der Muttermilch auf das Baby übergeht, sollten Sie einen Arzt bei jeder Medikamenteneinnahme während der Stillzeit befragen und den Medikamenten-Beipackzettel gründlich lesen. Im Prinzip sind alle Medikamente bei der Mutter einsetzbar mit denen auch Babies und Kleinkinder in der Kinderheilkunde behandelt werden können. Nicht mit dem Stillen vereinbar sind diagnostische radioaktive Medikamente und Medikamente, die zur Krebstherapie eingesetzt werden.
Es gibt bei fast jeder Krankheit Mittel, die für ein gestilltes Baby harmlos sind. Betonen Sie dem Arzt gegenüber, dass Sie weiterstillen wollen, denn plötzliches Abstillen macht für Sie beide alles noch schwieriger. Beim Abwägen, ob das Baby vorübergehend keine Muttermilch erhalten soll, und diese während der Zeit der Medikamenteneinnahme abgepumpt und weggeschüttet wird, muss überlegt werden, welche negativen Folgen diese Praxis auf die Stillbeziehung hat. Für die Aufrechterhaltung der Stillbeziehung, und um einer kranken Mutter das Leben mit dem Baby nicht noch schwieriger zu machen, bleibt das Stillen meistens die beste Ernährung auch während einer Erkrankung der Mutter.
Aktuelle Hinweise oder Listen über Medikamente, die das Weiterstillen erlauben, erhalten Sie bei erfahrenen Stillberaterinnen oder in Stillgruppen (Krankheit der Mutter, Empfängnisverhütung).
Menstruation
Das Wiedereinsetzen Ihrer Monatsblutung ist kein Grund, mit dem Stillen aufzuhören. Ihre Milch wird weder unrein, noch ist sie schädlich für das Baby, sie verändert auch ihren Geschmack nicht.
Stillen Sie ruhig weiter, machen Sie sich aber Gedanken über eine adäquate Empfängnisverhütung, falls Sie noch kein Geschwisterchen für Ihr Nuckelbaby wünschen.
Milchauffangschalen
Im Handel gibt es Behälter aus Plastik, die in den BH vor die Mamille gesetzt werden um austretende Milch aufzufangen,
Durch einen konstanten Druck auf die Areola lösen sie oft ein ständiges Tröpfeln der Mich aus. Dieser Effekt ist manchmal gewünscht, damit das Baby die Mamille beim Anlegen besser fassen kann. Vielen Frauen ist der Druck aber unangenehm. Oft nimmt die Milchauffangsschale auch viel Platz im BH ein und engt dadurch die Brust ein, was wiederum zu einem Milchstau führen kann. Unter anliegenden Kleidern ist sie auch sichtbar.
Zwischen dem 2. und dem 4. Tag werden Sie spüren, wie Ihre Brüste sich mit Milch füllen und ganz warm, schwer, prall, voll und eventuell hart und schmerzhaft werden.
Legen Sie Ihr Baby bei den ersten Anzeichen an, so können Sie weitere Komplikationen vermeiden.
Es kann auch sein, dass Sie am Tag des Milcheinschusses erhöhte Temperatur haben. Dies zeigt, dass Ihr Körper sich auf das Stillen einstellt und dass die Milch bald reichlich fließen wird.
Wenn Sie nach Bedarf stillen, wird der Milcheinschuss wahrscheinlich problemlos verlaufen.
Milchflußreflex
Der "Let-down"-Reflex (heißt wörtlich "loslassen") bewirkt, dass die Milch aus der Brust herausfließen kann.
Am Anfang der Stillbeziehung kann es manchmal Minuten dauern, bis die Milch richtig fließt. Später reicht schon Babygeschrei, um das warme, prickelnde Gefühl in den Brüsten zu spüren, das den Milchfluss ankündigt.
Der Milchflussreflex kann durch Aufregung, Angst oder Unsicherheit gehemmt werden. Entspannen Sie sich, setzen Sie sich gemütlich in eine ruhige Ecke und schauen Sie Ihr Baby an.
Warme Kompressen, eine Tasse warmen Tee, sanfte Musik können den Milchfluss am Anfang erleichtern.
Vielleicht muss Ihr Baby am Anfang lange saugen, bis der Milchflussreflex eintritt. Lassen Sie sich und Ihrem Baby deshalb viel Zeit für die Stillmahlzeit.
Da der Milchflussreflex immer gleichzeitig an beiden Brüsten eintritt, kann es vorkommen, dass aus der zweiten Brust die Milch tropft - halten Sie hierfür ein Tuch bereit.
Wenn Sie später, ohne dass Ihr Baby trinken möchte, das warme prickelnde Gefühl in Ihrer Brust spüren, pressen Sie die Handflächen auf die Mamillen, so wird der Milchfluss gestoppt.
Milch im Überfluß
Wenn Ihre Milch sehr reichlich und schnell fließt, lässt Ihr Baby vielleicht öfters die Brust los und schreit (Stillstreik) oder hat Probleme mit Koliken. Es schluckt beim Trinken vielleicht viel Luft, die ihm später zu schaffen macht.
Um einen 'Stillstreik' zu vermeiden, können Sie z.B. auf dem Rücken liegend stillen. Halten Sie die Stirn des Babys mit der Hand, indem Sie das Gewicht mit dem Ellbogen abstützen
Sie sollten darauf achten, dass es während und nach jeder Mahlzeit mehrmals aufstößt.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit dieser Situation zurechtzukommen:
* Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Brust weniger prall gefüllt ist, (= die Seite an der das Kind bei der vorigen Mahlzeit zuletzt getrunken hat), können Sie ihm diese Seite zuerst reichen. Seinen großen Hunger kann es dann an der weniger schnell fließenden Seite stillen. Nach einem "Bäuerchen", wenn es nicht mehr so gierig trinkt, kann es an der stark gefüllten Seite angelegt werden.
* Vielleicht ist es aber für Sie hilfreicher, jedes Mal nur an einer Seite anzulegen, dann wird die Milchproduktion zurückgehen, und die Probleme lösen sich. Manchen Frauen gelingt es, am Anfang der Mahlzeiten die Brust von oben mit der flachen Hand so zu halten, daß der Milchfluss gebremst wird.
* Andere Frauen haben gute Erfahrungen gemacht, wenn sie auf dem Rücken liegend mit dem Baby auf ihrem Bauch gestillt haben.
Wenn Sie wirklich den Eindruck haben, dass Sie viel zu viel Milch haben, können Sie Salbeitee trinken (ein bis zwei Tassen auf 24 Stunden verteilt) (Milchstau).
Milchproduktion
Die Milchproduktion regelt sich durch Angebot und Nachfrage, d. h. je mehr Ihr Baby saugt, um so mehr Milch wird gebildet. Trinkt Ihr Baby zwischendurch Flaschennahrung (Zufüttern), wird die Produktion nicht ausreichend angeregt. Deshalb ist es sehr wichtig, das Baby, sobald es Hunger hat, anzulegen. So kann sich die Milchmenge immer dem Appetit Ihres Babys anpassen, und Sie werden immer ausreichend Milch haben (Dauer einer Stillmahlzeit).
Wenn die Milchproduktion sich nach einigen Wochen eingependelt hat, werden Ihre Brüste wieder weniger schwer sein, dies bedeutet aber nicht, dass Sie weniger Milch haben.
Handbetriebene Milchpumpen und Stillhilfen können Sie in einigen, größeren Kinderfachgeschäften, in Apotheken, in Sanitätsfachgeschäften sowie bei Stillgruppen kaufen.
Elektrisch betriebene Milchpumpen können Sie ausleihen oder kaufen. Informieren Sie sich vorher gründlich bei mehreren Anbietern über Mietpreis, Kaution und Kaufpreis. Es gibt sehr große Qualitäts- und Preisunterschiede!
Oft ist es günstiger, eine Milchpumpe zu kaufen, wenn Sie sie über mehrere Monate benötigen.
Die örtlichen Stillgruppen wissen Bescheid, wo es Milchpumpen gibt, und beraten gern über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle.
Übrigens: Für einmaliges Abpumpen in akuten Situationen können Sie sich auch an Ihre Entbindungsklinik wenden oder an die diensthabende geburtshilfliche Entbindungsklinik. Lesen Sie unter Abpumpen nach, wie Sie die Milchpumpe anwenden können.
Milchstau
In den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt, bis Ihr Baby und die Milchproduktion in Ihrem Körper einen gemeinsamen Rhythmus (Häufigkeit der Stillmahlzeiten) gefunden haben, kann es manchmal zu einem Milchstau kommen.
Die Frauen bemerken dann knoten- oder strangförmige Verhärtungen der Brust, die allmählich oder auch plötzlich auftreten können. Die Brust ist heiß, schwer, gespannt, hart, gerötet und schmerzhaft. Die Mamille tritt zurück und das Baby hat Schwierigkeiten, sie mit seinem Mund zu erfassen. Es kann auch allgemeines Unwohlsein, Kopf- und Gliederschmerzen und Fieber (bis zu 38,5 Grad Celsius) auftreten. Wird in diesem Stadium nicht sofort reagiert, kann sich eine Brustentzündung daraus entwickeln.
Ursache eines Milchstaus kann sein, dass mehr Milch produziert wird als das Baby trinkt, z. B. beim Milcheinschuss oder wenn das Baby beginnt, nachts durchzuschlafen oder wenn es größere Abstände zwischen dem Trinken macht, wenn es Schnupfen hat oder aber seine erste Beikost erhält.
Es kann aber auch sein, dass verschiedene Milchgänge abgeklemmt wurden, z. B. durch einen engen BH, durch einschneidende Tragegurte usw.
Eine weitere Ursache können Situationen sein, die es der Mutter nicht erlauben, sich zu entspannen z. B. Angst, die Milch würde nicht reichen, starke Schmerzen durch Nachwehen oder Dammnaht, Stress durch viele Besuche, Überforderung, Familienfeiern, Partnerschaftskonflikte usw. (Milchflussreflex).
In allen Fällen ist es wichtig, sich über die genaue Ursache klarzuwerden und sie möglichst zu beheben.
Des weiteren können folgende Maßnahmen hilfreich sein:
* Legen Sie sich sofort mit Ihrem Baby ins Bett und gönnen Sie sich Ruhe. Holen Sie sich außerdem Unterstützung bei einer Stillberaterin oder einer erfahrenen Hebamme.
* Vor dem Stillen (aber nicht erst, wenn das Baby vor Hunger schreit) können Sie den Milchfluss anregen durch Anwendung von feuchter Wärme (heiße Dusche, feuchtwarme Umschläge, Eintauchen der Brüste in warmes Wasser im Handbecken).
Sie können ein bisschen Milch mit der Hand abdrücken oder eventuell kurz pumpen, um die Milchseen, die prall gefüllt unter der Areola das Ergreifen der Mamille erschweren, zu leeren und so dem Baby das richtige Anlegen zu erleichtern.
* Wichtig ist, dass die Milch fließt:
o Häufiges Anlegen, aber nicht mehr als alle zwei Stunden, sonst wird die Milchproduktion zu sehr angeregt.
Während Ihr Baby trinkt, können Sie die verhärteten Stellen leicht in Richtung Mamille massieren. Versuchen Sie beim Stillen ungewöhnliche Positionen. Der Unterkiefer des Babies massiert die Brust am stärksten, legen Sie das Baby so an die Brust, dass sein Unterkiefer an der Stelle ist, wo Sie die Verhärtung spüren. Im Liegen können Sie das Baby so hinlegen, dass seine Füßchen in Richtung Kopfteil des Bettes schauen, so erreichen Sie ein gutes "Leertrinken" der oberen Brustpartien.
o Falls sich nach dem Stillen die Brust noch immer prall anfühlt, sollten Sie sofort nach dem Stillen die restliche Milch mit der Hand abdrücken und soweit leeren, bis die Spannung deutlich nachlässt. Nur wenn dies gar nicht klappt, kann die Milch mit einer Milchpumpe abgepumpt werden. Dies sollte nur wenige Minuten dauern, bis die Spannung in der Brust nachlässt, denn langes Abpumpen regt die Milchproduktion zu sehr an.
o Nach der Stillmahlzeit (oder nach dem Entleeren der Brust) haben sich kalte Kompressen mit Quark, Heilerde, Retterspitz-Lotion oder einfach nur das Auflegen von Eisbeuteln oder einer Tüte mit gefrorenen Erbsen bewährt. Diese Maßnahmen sind schmerzlindernd, drosseln die Milchproduktion und wirken entzündungshemmend.
Normalerweise müsste, wenn Sie diese Ratschläge befolgen, innerhalb von 24 Stunden eine deutliche Besserung (noch keine Heilung - dazu müssen Sie noch ein bis zwei Tage alle Maßnahmen durchführen) eintreten. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie einen stillkundigen Arzt anrufen oder sich Hilfe bei einer freiberuflichen Hebamme oder Stillberatin erbitten, oder eine Doula anfragen. Sie sollten wissen, dass nach einem Milchstau die betroffene Stelle noch während einigen Tagen schmerzt und gerötet sein kann.
Müdigkeit
Wenn Ihr Baby Sie tagsüber auf Trab hält und nachts unruhig schläft (Schlafverhalten, nachts stillen), wird es Momente geben, wo Sie vor Müdigkeit fast umfallen.
Wenn Sie nachts nicht ausreichend Schlaf bekommen, sollten Sie sich tagsüber ein Schläfchen gönnen, z. B. morgens länger im Bett bleiben oder sich am Nachmittag hinlegen. Ruhen Sie dann, wenn Ihr Baby schläft oder von einer anderen Person (z.B. Vater oder Doula) betreut wird.
Wahrscheinlich wird es Tage geben, an denen der Haushalt (Hausarbeit) ein riesiges Durcheinander ist und Sie nicht einmal zum Kochen kommen. Dann essen Sie wenigstens rohes Gemüse (z. B. Mohrrüben), Nüsse und Trockenobst, Milchmixgetränke (mit Obst), Müsli, Vollkornbrot mit Käse und Kräutern oder Getreidesprossen.
Wenn Sie sehr niedergeschlagen, depressiv, leicht erregbar sind und zusätzlich dauernd abnehmen, fehlt es Ihnen wahrscheinlich an Vitamin B.
Überdenken Sie Ihre Ernährungsweise und suchen Sie einen stillfreundlichen Arzt auf, wenn Sie sich um ihre Gesundheit sorgen.
Mutter-Kind-Bindung
Die Bindung einer Mutter an ihr Kind kann sich bereits während der Schwangerschaft entwickeln und sich positiv oder negativ bei der Geburt des Kindes verändern. Es ist also nicht einerlei, ob das Baby sofort oder bald nach der Geburt von Ihnen getrennt (Trennung) wird, und Sie es erst später, fertig angezogen, im Arm halten dürfen, oder ob Sie sofort Körperkontakt miteinander haben, seinen warmen, feuchten Körper spüren, es ansehen und riechen können, es liebkosen und mit ihm sprechen. Für das Kind hat diese frühe Bindung Auswirkungen auf alle zwischenmenschlichen Beziehungen im Laufe seines Lebens (Urvertrauen).
Wenn Sie sich über die Bedeutung dieser sehr sensiblen Phase nach der Geburt im Klaren sind, werden Sie auch die Kraft finden, Ihre diesbezüglichen Vorstellung in der Klinik durchzusetzen oder den Ort der Geburt auch nach diesen Kriterien auszuwählen, damit die Mutter/Vater-Kind Bindung vom ersten Augenblick der Geburt an ungestört wachsen kann.
Eine intensive emotionale Bindung wird das Stillen von Anfang an erleichtern und dazu führen, dass Sie den enormen Anforderungen, die das Leben mit einem Säugling an Sie stellen wird, gewachsen sind (Anlegen, erstes, Rooming-In).
Ihr neugeborenes Baby wird wahrscheinlich Tag und Nacht noch nicht voneinander unterscheiden. Auch nachts wird es Hunger haben, wird es die Geborgenheit am Körper seiner Eltern suchen. Am besten ist, Sie machen sich das Stillen nachts so praktisch wie möglich, vielleicht, indem Sie das Baby bei Ihnen im Zimmer oder sogar im Bett behalten. Dann können Sie einfach im Liegen stillen und weiterschlafen. Wenn Sie aufstehen müssen und somit hellwach werden, versuchen Sie das nächtliche Wachsein für sich so angenehm wie möglich zu gestalten (warm angezogen, bequemer Sessel, leise Musik, Tee in der Thermosflasche, ein Buch in der Nähe usw.).
Auf jeden Fall sollten Sie vermeiden, dass das Baby regelrecht "geweckt" wird: sanftes Licht, gut warm halten, keine lauten Geräusche, keine intensiven Zwiegespräche mit ihm.
Wenn Ihr Baby nachts keinen Stuhlgang hat, müssen Sie auch keine Windeln wechseln (außer es ist wund oder völlig durchnässt).
Ärgern Sie sich nicht zu sehr über die nächtlichen Ruhestörungen, sonst haben Sie Schwierigkeiten, nachher wieder einzuschlafen.
Gönnen Sie sich ruhig tagsüber ein kleines Schläfchen, wenn es sich irgendwie einrichten lässt (Haushalt).
Nachwehen
Nach der Geburt muss sich die Gebärmutter wieder zurückbilden, zu ihrer ursprünglichen Form und Größe. Die Muskelfasern der Gebärmutter ziehen sich kräftig zusammen, die Gebärmutter verkleinert sich, und der Wochenfluss geht nach und nach zurück. Dies geschieht in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt.
In den ersten Tagen spüren Sie die Nachwehen besonders während des Stillens, da die Saugstimulation an der Brust auf hormonalem Weg die Gebärmutter anregt.
Nach einer ersten Geburt sind die Nachwehen gar nicht oder nur sehr wenig schmerzhaft.
Beim zweiten, dritten oder vierten Kind spüren Sie in den ersten Tagen nach der Geburt sehr deutlich, wie die Gebärmutter sich zusammenzieht. Da dies vor allem während des Stillens geschieht, kann das Ihre Freude am Stillen stören und den Milchflussreflex beeinträchtigen.
Wenden Sie die Atemübungen an, die Sie in der Geburtsvorbereitung gelernt haben, um mit den Geburtswehen umzugehen. Entspannungsübungen sind auch hilfreich.
Wenn es ganz schlimm ist, können Sie Ihren Arzt nach einem leichten Schmerzmittel fragen (Medikamente).
Nicht stillen
Die intensive Werbung der Babynahrungsindustrie in den letzten Jahrzehnten hat den Eindruck vermittelt, als gäbe es die freie Wahl zwischen zwei gleichwertigen Ernährungssystemen: Stillen oder Flaschenfüttern. Dass diese beiden Ernährungsformen nicht gleichwertig sind, können Sie nachlesen unter den Stichwörtern Vorteile des StillensZusammensetzung der Muttermilch.
Die Angst der Frauen vor Abhängigkeit oder dem Verlust ihrer Emanzipation beeinflusst ebenfalls ihre Entscheidung.
Nicht zu stillen ist eine Entscheidung, die eine Frau nur allein treffen soll. Sie sollte sich aber bewusst sein, dass ihr Körper nach der Geburt auf das Stillen eingestellt ist, und dass sie zum Abstillen und Unterdrücken des Milcheinschusses Medikamente einnehmen muss, welche nicht immer ohne Nebenwirkungen sind.
P
Partnerschaft
Der Prozess, der ein Paar zu Eltern werden lässt, ist besonders beim ersten Kind nicht so einfach. Sie haben da einen Gast zu sich eingeladen, den Sie so bald nicht wieder loswerden und der hohe Ansprüche stellt. Dass dabei anfangs Ihre Zweisamkeit zu kurz kommt, ist nicht außergewöhnlich.
Manche Frauen erleben das Stillen und das Zusammensein mit ihrem Baby, dieses gegenseitige Geben und Nehmen, als eine sehr intensive Symbiose, die viele Tages- und Nachtstunden erfüllt. Sie brauchen einfach Zeit, sich erst einmal völlig auf ihre neue Rolle als Mutter einzustellen. Wenn sie erst einmal das Gefühl haben, dass sie damit gut zurechtkommen, wenden sie sich wieder mehr ihrem Partner zu.
Der Vater kann diese erste Phase als sehr frustrierend erleben. Manche Männer entwickeln regelrechte Eifersuchtsgefühle: Auf das Baby, das ihre Frau so total beansprucht, und auf ihre Frau, die eine so innige Beziehung zum Baby hat (Väter).
Vielleicht gibt es auch sexuelle Probleme, einerseits, weil nicht selten die Heilung einer Dammnaht sich hinzieht oder das Narbengewebe Schmerzen beim Verkehr verursacht. Andrerseits kann es auch sein, dass die Frau keine große sexuelle Lust empfindet, abends völlig erschöpft ins Bett fällt und nur noch ein bißchen Zärtlichkeit und Geborgenheit sucht, aber nicht unbedingt mit ihrem Mann schlafen möchte.
Wenn eine Frau die Geburt sehr positiv erlebte, keine Dammnaht hatte und wenn außerdem das Stillen problemlos verläuft, wird ihre Beziehung zum Partner und auch ihre Sexualität wahrscheinlich bald wieder den gleichen Stellenwert erhalten wie vor der Geburt. Bestimmt hängt es auch davon ab, ob sie im Alltag (Haushalt) Unterstützung von ihrem Mann erfährt und dadurch auch körperlich und seelisch weniger überfordert ist.
Wichtig ist vor allem, dass beide Partner sich Zeit nehmen, miteinander zu reden, über ihre Gefühle, Wünsche und darüber, wie sie die gegenwärtige Situation und ihre Zukunft bewältigen und gestalten können.
Nun ist das allerdings sehr schwierig, wenn einer der Partner - oder oft sogar beide - berufstätig sind und sich während der Woche wenig sehen und noch viel weniger Zeit für Gespräche finden. Da ist es gut, wenn Sie in einem Geburtsvorbereitungskurs auf diese Situation vorbereitet wurden und sich bereits während der Schwangerschaft auf mögliche Konflikte vorbereitet haben. Aber auch danach können sich die Partner verabreden, wenn sie es wirklich wollen: Bitten Sie z. B. Verwandte oder Nachbarn, für einige Stunden oder sogar einen halben Tag auf das Baby aufzupassen. Sie können Ihre Milch Abpumpen und in Ruhe mit Ihrem Partner sprechen und dabei vielleicht wieder ein wenig Kraft für die nächsten Tage tanken.
R
Ratschläge
Wahrscheinlich gibt es keinen Lebensabschnitt, in dem Sie so häufig mit "guten" Ratschlägen überhäuft werden wie während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Alle scheinen es besser zu wissen als Sie: die Familie, die Freunde, die "Professionellen", die Nachbarn.
Versuchen Sie etwas Abstand zu halten von den "guten" Ratschlägen und finden Sie vor allem heraus, was Sie selbst und Ihr Partner wollen.
Informieren Sie sich schon während der Schwangerschaft gründlich über das Stillen und suchen Sie Kontakt zu einer Stillgruppe. Dann werden Sie sehr bald herausfinden, welche Ratschläge für Sie tauglich sind.
Unter "Rooming-In" versteht man die Unterbringung des Babys im Zimmer der Mutter während des Klinikaufenthaltes.
Rooming-In wird in den Kliniken unterschiedlich gehandhabt. In einigen Krankenhäusern kann das Baby sofort nach der Geburt bei seiner Mutter bleiben, die beiden werden nicht voneinander getrennt (Trennung).
In anderen Kliniken wird ein Verlegen ins Säuglingszimmer für 24 Stunden empfohlen.
Es kann auch sein, dass Rooming-In nur tagsüber üblich ist. In einigen Kliniken ist Rooming-In nur in Einzelzimmern erlaubt.
Erkundigen Sie sich im voraus über die Klinikroutine und sprechen Sie mit Ihrem Arzt und dem Personal über Ihre Wünsche und Vorstellungen.
Vollständiges Rooming-In ist sehr wichtig für die Mutter-Kind-Bindung, da beide einander kennenlernen und sich aufeinander einstellen können.
Wenn Mutter und Kind nach der Geburt nicht getrennt werden, ist ein optimaler Stillstart möglich, da Sie das Baby sofort anlegen können, wenn es erwacht und Hunger hat (Häufigkeit der Stillmahlzeit). Bei vollständigem Rooming-In (Tag u. Nacht) ist es unwahrscheinlich, dass Ihr Baby etwas anderes als Muttermilch erhält. Somit kann es auch nicht durch Zufüttern von adaptierter Milch oder Tees verwirrt werden.
Der Baby-Blues, welcher kurze Zeit nach der Geburt auftreten kann, wird bei Rooming-In weniger beobachtet als bei Frauen, die von ihrem Kind getrennt werden (Trennung).
Rückbildungsgymnastik
Nach der Geburt bietet Rückbildungsgymnastik die Möglichkeit das gedehnte Gewebe wieder zu straffen und Problemen wie Senkungen, Inkontinenz usw. vorzubeugen.
Bei der Auswahl eines Kursus ziehen Sie Kurse vor, wo Sie Ihr Baby mitnehmen können, falls es in dieser Zeit gestillt werden möchte. Vielleicht kann auch der Vater mitkommen und das Baby vor Ort betreuen in einem Nebenraum. Dann können Sie beruhigt Ihren Kurs genießen und Ihr Baby kann zwischendurch kurz bei Ihnen trinken, falls es hungrig wird.
Rückkehr
der Fruchtbarkeit
Durch das Stillen wird in Ihrem Zyklus die Ruhepause verlängert, und ein Eisprung wird für längere Zeit verhindert.
Wenn Ihr Säugling oft trinkt und auch nachts noch an Ihrer Brust nuckelt, d. h. wenn er ausschließlich mit Muttermilch ernährt wird und sein Saugbedürfnis ebenfalls an der Brust befriedigt, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Regel erst dann wieder eintritt, wenn z. B. das Baby Beikost erhält.
Untersuchungen bei länger stillenden Frauen, die ihr Baby häufig anlegen, haben gezeigt, dass hierdurch die erste Menstruationsblutung erst ein Jahr oder noch später nach der Geburt eintrat. Es besteht also ein natürlicher Empfängnisschutz während der Stillzeit.
Manche Frauen haben erst wieder einen Eisprung, wenn das Baby nur noch ein- bis zweimal täglich trinkt, auch wenn seit der Geburt schon acht, zwölf oder 18 Monate vergangen sind.
Manchmal wird in sensationellen Schlagzeilen über die Schadstoffe in der Muttermilch berichtet (DDT, PCB, Dioxin usw.) Diese Berichte verunsichern stillende Mütter zu Recht. Denn sie wollen doch das Beste für ihr Baby und wollen es keinesfalls mit Umweltgiften belasten. Die in der Muttermilch nachgewiesenen Rückstände stammen aus unserer Nahrung oder aus der Umwelt.
Damit die Muttermilch auch weiterhin das Gesündeste für das Baby bleibt, müssen wir uns alle um eine rückstandsarme, vollwertige Ernährung bemühen und uns aktiv gegen die Verschmutzung der Umwelt einsetzen.
Im Laufe der Stillzeit nimmt erwiesenermaßen die mögliche Belastung der Muttermilch ab, Sie können Ihr Baby also unbesorgt so lange stillen, wie Sie beide es wünschen.
Vermeiden Sie während der Stillzeit jede drastische Abmagerungskur, da die Rückstände hauptsächlich im Fettgewebe gespeichert sind und erst beim Abnehmen vermehrt freigesetzt werden.
Bedenken Sie auch folgendes: Nicht nur die Muttermilch enthält Spuren von Umweltgiften, sondern auch die Flaschen- und Gläschenkost ist nicht frei von Schadstoffen: z.B. wie Rückstände vom Sterilisierbad an der Flasche und am Sauger; Produktionsrückstände und Stoffe, welche beim Älterwerden des Saugers ausgelöst werden; Umweltgifte in der Kuhmilch, die ja die Basis der Muttermilchersatznahrung darstellt; mit Krankheitserregern (z.B. Salmonellen) verseuchtes Milchpulver; belastetes Trinkwasser (Nitrat, Pestizide, Blei, Kupfer usw.); Hormonkalbfleisch in der Gläschenkost usw.
Wenn Ihr Baby alt genug für die Beikost ist, bleiben Sie weiterhin aufmerksam, was seine Ernährung anbelangt.
S
Saugbedürfnis
Die Befriedigung seines Saugbedürfnisses ist wichtig für die seelische Ausgeglichenheit Ihres Babys.
Da das Saugbedürfnis bei jedem Baby verschieden stark ausgeprägt ist (Individualität), befriedigen manche Säuglinge dieses Bedürfnis ausreichend bei der Stillmahlzeit. Andere nuckeln nach dem Stillen noch inbrünstig an ihrem Daumen oder anderen erreichbaren Dingen.
Es gibt aber auch die langsamen Genießer, welche jedes Stillen durch anschließendes Nuckeln an der Brust verlängern (Stilldauer).
Um sicher zu sein, dass das starke Saugbedürfnis nicht doch noch ein Zeichen für Hunger ist, sollten Sie sein Gewicht anfangs wöchentlich, später monatlich kontrollieren.
Saughütchen
Diese Brustspitzenaufsätze aus Silikon werden oft etwas vorschnell bei schmerzhaften Mamillen (Crevasses) als Universallösung eingesetzt. Wenn nicht nach den Ursachen gesucht wird und diese nicht behoben werden, kann kaum Besserung eintreten. Wichtig ist es nachzuprüfen ob das Baby den Mund weit genug geöffnet hat beim Anlegen, damit die Mamille nicht von den Kiefern oder einer falschen Zungenposition des Babys wundgerieben werden kann.
Das Problem der Saughütchen besteht darin, dass sie oft als Notlösung eingesetzt werden und das Baby sich an die härtere vorgeformte Spitze gewöhnt und später die Brust ohne Saughütchen nur mehr schwer fassen kann. Die "Schutzschicht" über der Brust erschwert aber das Trinken, das Kind muss sich mehr anstrengen, um die gleiche Menge Milch zu erhalten. Dadurch ermüdet es schneller und nimmt dann öfters nicht genug Milch auf, was eine schlechte Gewichtszunahme nach sich zieht. Durch die Zwischenschicht wird auch der Saugreiz des Babys schlechter auf die Rezeptoren in der Areola übertragen, was wiederum eine verminderte Milchproduktion zur Folge hat. Auch Keime im und am Mund des Babys können nicht zur Mutter gelangen, wo sie die Produktion von mütterlichen Antikörpern auslösen, die dann über das Stillen wieder zur Keimbekämpfung zum Baby kommen.
Falls sich Ihr Baby schon an Saughütchen gewöhnt hat, können Sie mit der fachlichen Unterstützung einer Hebamme oder einer Stillberaterin wieder einen Entwöhnungsprozess machen, der je nach Baby einfacher oder anstrengender verläuft.
Schlafverhalten
Das Schlafverhalten von Neugeborenen und Babies ist individuell und sehr unterschiedlich. Während die meisten Neugeborenen viel schlafen, gibt es auch andere, die längere Zeit (Stunden) wach bleiben. Ab drei Monaten nimmt die Zeit des Wachseins, der Kontaktaufnahme zur Umwelt, des Lernens, Sehens, Hörens, zu.
Jedes Baby hat seinen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus, auch nachts. Manche Babies schlafen schon ab sechs Wochen nachts fünf bis acht Stunden hintereinander, andere suchen alle paar Stunden nach Mutters Brust, manche noch öfters (nachts stillen).
Nach und nach wird das Durchschlafvermögen des Babys größer, und irgendwann schlafen alle Kinder nachts über einen längeren Zeitraum durch. Es kann jedoch vorkommen, dass es Zeiten gibt (Wachstumsschub, Zahnen, Krankheit), wo Ihr Baby nachts wieder aufwacht.
Alle Babies schlafen ihren Bedürfnissen nach ausreichend. Es kann aber vorkommen, dass die Eltern nicht genug Schlaf finden. Dann ist es ratsam, sich abzuwechseln (Vater) und auch mal am Tag eine Ruhepause einzulegen, wenn das Baby gerade schläft (Haushalt).
Es ist möglich, dass Babys Nase verstopft ist und es beim Trinken keine Luft bekommt. Sie bemerken das daran, dass das Kind gierig ansaugt, dann sogleich wieder loslässt und schreit. Es kann auch vorkommen, dass es dann "beißt", um nicht loslassen zu müssen.
Machen Sie am besten die Atemwege des Babys vor dem Stillen frei, indem Sie physiologische Kochsalzlösung einträufeln. Das Einträufeln von Muttermilch in die Nase hilft auch, die Nase freizumachen und sie ist außerdem noch wirksam gegen die Schnupfenerreger.
Hilfreich ist in dem Fall auch feuchte Luft in dem Zimmer, wo das Baby schläft. Leihen Sie sich einen Luftbefeuchter aus oder hängen Sie alle anfallende Wäsche zum Trocknen in dieses Zimmer.
Schreien
Wenn das Kind weint oder schreit, so ist dies immer ein Zeichen von Unbehagen. Es teilt seinen Mitmenschen mit, dass irgend etwas zu seinem Wohlbefinden fehlt.
Sie werden sehr bald unterscheiden und deuten können, warum Ihr Baby weint oder schreit.
Ist es Hunger (Appetit)? Fühlt es sich einsam? Hat es Bauchschmerzen (Koliken)? Ist ihm zu warm oder zu kalt? Möchte es getragen werden?
Für ein Baby ist die Erfahrung sehr wichtig, dass auf sein Schreien eine Reaktion erfolgt und dass jemand da ist, der seine Bedürfnisse ernst nimmt. So wird es Urvertrauen entwickeln, und das ist wichtig für sein ganzes Leben (Verwöhnen).
Schutz des Stillens
Beobachter der Weltgesundheitsorganisation und Dritte-Welt-Gruppen stellten in den Entwicklungsländern eine erschreckend hohe Anzahl von Erkrankungen und Todesfällen bei flaschengefütterten Babies fest. Durch riesige Werbekampagnen, durch das Verteilen von Gratisproben wurde der Rückgang des Stillens in diesen Ländern beschleunigt. Da die hygienischen Zustände und der Mangel an Wasser und Brennmaterial die saubere, keimfreie Zubereitung von Flaschennahrung oft unmöglich machen, sind schwere infektiöse Durchfälle die Folge. Wegen des hohen Preises wird das Milchpulver (bis zu 60 Prozent des Familieneinkommens) oft zu stark verdünnt, und das führt zur Mangelernährung. Durch den schlechten Allgemeinzustand und den fehlenden Immunschutz erkranken die nichtgestillten Säuglinge häufig und ernsthaft. UNICEF schätzt, dass jährlich 1,5 Millionen Säuglinge an den Folgen der Flaschenernährung sterben!
Um Säuglinge weltweit zu schützen, hat 1981 die Versammlung aller Gesundheitsminister- und behörden einen Kodex über die Vermarktung von Muttermilch-ersatzprodukten verabschiedet. Er gilt überall auf der Welt und ruft die einzelnen Regierungen dazu auf, entsprechende nationale Richtlinien in ihrer Gesetzgebung festzuschreiben.
Durch Großherzogliches Reglement wurden Teile des Kodex in luxemburgisches Recht umgesetzt. Seitdem sind Schutz und Förderung des Stillens gesetzlich verankert.
n Die Zusammensetzung und die Verpackungsbeschriftung der Säuglingsersatznahrung und Säuglingsfolgenahrung wurden geregelt.
n Auch wurden die Vermarktungsstrategien für diese Ersatznahrung festgelegt, denn es hatte sich gezeigt, dass durch die immer aggressiveren Vermarktungsmethoden das Stillen behindert wurde.
v Alle Packungen für Säuglingsnahrung müssen ab diesem Zeitpunkt mit folgendem wichtigen Hinweis beschriftet sein: "Stillen ist das Beste für Ihr Baby".
v Auf der Verpackung dürfen außerdem keine Bilder von Säuglingen oder andere Darstellungen, welche die Verwendung des Produktes idealisieren, abgebildet sein.
v Die Werbung für diese Ersatznahrung in der Öffentlichkeit wurde verboten, genauso wie die Werbung am Verkaufsort.
v Es wurde den Herstellern von Säuglingsersatznahrung und Folgenahrung verboten, Gratisproben oder andere Geschenke an werdende Mütter oder junge Eltern auszugeben; dies gilt sowohl für den direkten Kontakt als auch für den Umweg über das Gesundheitssystem und die Angehörigen von Gesundheitsberufen.
v Fortan müssen alle Informationen über Säuglings- und Kleinkinderernährung unter anderem folgende klare Hinweise enthalten über:
- die Vorteile und die Überlegenheit des Stillens,
- die Ernährung der Mutter und die Vorbereitung auf das Stillen sowie über das Weiterführen des Stillens,
- den negativen Effekt auf das Stillen durch Zufütterung mit der Flasche.
Falls auch Informationen über Flaschenernährung gegeben werden, muss klar auf die sozialen und finanziellen Folgen dieser Verwendung hingewiesen werden, sowie auf die Gesundheitsgefahren, welche durch eine nicht fachgerechte Verwendung von Säuglingsnahrung entstehen können.
Schwangerschaft (erneute)
Wenn Sie während der Stillzeit schwanger werden, stellt sich für Sie sicher die Frage nach Abstillen oder Weiterstillen. Falls Sie nicht weiterstillen möchten, sollten Sie einfühlsam aber konsequent Ihr Kind abstillen.
Manche Frauen stillen während der Schwangerschaft weiter. Sie bemerken vielleicht, dass ihr Baby nach mehr Beikost verlangt. Vielleicht schmerzen ihre Mamillen beim Ansaugen, dies ist auf die Hormonumstellung zurückzuführen. Wenn Sie während einer erneuten Schwangerschaft weiter stillen, dann achten Sie jetzt besonders auf eine ausreichende und ausgewogene Ernährung.
Falls Sie noch stillen, wenn Ihr Neugeborenes zur Welt kommt, werden Sie wahrscheinlich sofort Milch haben. Unterstützung und Beratung erfahren Sie in einer Stillgruppe.
Soor
Soor ist eine bei Babies weit verbreitete Pilzinfektion. Auf der Schleimhaut im Mund entdecken Sie dann kreisförmige, weiße Beläge. Oft hat sich der Pilz im ganzen Verdauungstrakt angesiedelt und ist auch Schuld an dem hartnäckigen Wundsein Ihres Babys.
Übrigens kann eine massive Pilzinfektion des Verdauungstraktes, sowie das damit zusammenhängende Wundsein die Ursache für das Schreien Ihres Babys sein. Wenn Ihre Mamillen schmerzen, aber nicht wund sind, Sie brennende Schmerzen in der Brust spüren, dann hat Ihr Baby Sie vermutlich angesteckt.
Folgende Hausmittel haben schon vielen Müttern und Babies geholfen:
* eine Mischung von Ratanhia- und Myrrhetinktur, die Sie sich in der Apotheke herstellen lassen (es gibt sie auch von der Firma Weleda). Die Tinktur wird so weit verdünnt, dass Sie sie auf der eigenen Schleimhaut als angenehm empfinden und dann mit einem Wattestäbchen auftragen. Auch das Auswaschen, Abpinseln des Mundes mit klarem Wasser nach jedem Stillen entzieht dem Pilz den milchigen Nährboden, den er zum Gedeihen braucht.
* Ihre Mamillen können Sie in einer verdünnten Essiglösung baden, geben Sie hierzu 1 Löffel Essig in 1 Tasse Wasser.
Benutzen Sie eifrig beide Mittel und achten Sie auf Sauberkeit, damit sich nicht noch andere Familienmitglieder anstecken. Denken Sie daran, dass alle Gegenstände die Ihr Baby in den Mund steckt, die Infektion immer wieder neu aufflammen lassen können.
Wenn Sie nicht zurechtkommen, kann eine Stillberaterin Ihnen noch andere Tips geben. Sollte auch nach mehreren Tagen keine Besserung eintreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt, der Ihnen und Ihrem Baby eine pilzabtötende Salbe verordnen kann.
Spucken
Viele Babies spucken nach der Stillmahlzeit noch etwas Milch aus, besonders beim Aufstoßen.
Solange dies sich in Grenzen hält und es nicht regelmäßig zu einem schwallartigen Erbrechen kommt, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ihr Baby braucht vielleicht nach dem Trinken eine vorsichtige Behandlung, kein Windelwechsel, sondern eine Position mit erhöhtem Oberkörper ohne Druck auf dem Magen.
Es kann sein, dass Ihr Baby zu schnell und zu gierig trinkt, oder Ihre Milch fließt schnell und im Überfluss (Milch im Überfluss).
Wenn Sie die Stillpausen verkürzen und Ihr Kind anlegen, bevor es vor Hunger schreit, können Sie dem gierigen Trinken entgegenwirken.
Stillberaterin
Stillberaterinnen haben eine besondere Ausbildung in Stillfragen erhalten, sei es bei der La Leche Liga, der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen oder beim Verband der Laktationsberaterinnen (IBCLC).
Sie beraten und unterstützen stillende Frauen bei auftretenden Stillproblemen und bieten Stillgruppen an.
Stilleinlagen
Am Anfang der Stillzeit werden Sie feststellen, dass auch zwischen den Stillmahlzeiten Milch ausfließt (Ausfließen der Milch). Viele Frauen benutzen dann die handelsüblichen Stilleinlagen. Diese nehmen zwar die Feuchtigkeit auf, haben jedoch den Nachteil, dass sie nicht luftdurchlässig sind. Das bedeutet, dass die Mamillen dauernd in einer feuchtwarmen Umgebung liegen. Dadurch erweicht sich die Haut der Mamillen und wird anfällig für Schrunden (Crevasses).
Das Tragen von Stilleinlagen im BH sollte deshalb die Ausnahme sein für Situationen, in denen Sie sich wirklich keine Milchflecken in Ihrer Kleidung leisten wollen.
In Geschäften für Naturtextilien gibt es Stilleinlagen aus einem weichen Wolle-/Seidegemisch, die den Vorteil haben, dass sie Feuchtigkeit aufnehmen und dennoch luftdurchlässig sind.
Übrigens lässt sich ein zu unpassender Zeit eintretender Milchspendereflex (spürbar am Kribbeln in der Brust) durch Druck mit der Handfläche auf die Brust stoppen. Bei vor der Brust verschränkten Armen lässt sich das auch relativ diskret in der Öffentlichkeit tun.
Stillen unterwegs
Anfangs, wenn Sie selbst noch nicht so sicher sind und das Stillen noch nicht ganz so unproblematisch klappt, ist es Ihnen vielleicht peinlich, bei anderen Menschen zu stillen.
Suchen Sie sich dann eine ruhige Ecke, wo Sie sich zum Stillen zurückziehen können. Etwas später, wenn Sie und Ihr Baby mit dem Stillen problemlos zurechtkommen, werden vielleicht auch Sie den Mut haben, es überall zu stillen.
Wenn Sie mit Ihrem Baby unterwegs sind, ist es nur natürlich, dass es überall Hunger bekommen kann. Tragen Sie deshalb eine bequeme zweiteilige Kleidung, wie Hosen und Pullover, Röcke und Blusen. Wenn Sie nur einfach den Pulli hochzuziehen brauchen und nicht lange am BH "fummeln" müssen, gelingt es Ihnen bestimmt, diskret zu stillen.
Bedenken Sie immer, dass das, was Sie tun, nicht unanständig ist, und freuen Sie sich darüber, wie praktisch es ist, mit einem gestillten Kind unterwegs zu sein und auf Reisen zu gehen: Sie brauchen keine Thermosflaschen mitzunehmen, da die Milch stets vorhanden ist, keimfrei und mit der richtigen Temperatur für Ihr Baby.
Stillfreundliche Kliniken
In Jahr 1991 haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die UNICEF gemeinsam die Initiative Babyfreundliches Krankenhaus gestartet. Ziel dieser weltweiten Maßnahme ist es, das Stillen zu schützen, zu fördern und zu unterstützen und die Bedeutung der Geburtskliniken für einen guten Stillbeginn zu unterstreichen.
Eine Klinik wird als stillfreundlich ausgezeichnet wenn sie die nachfolgenden 10 Punkte anwendet:
1. Schriftliche Richtlinien zur Stillförderung die dem gesamten Pflegepersonal in regelmäßigen Abständen nahegebracht werden.
2. Das gesamte Mitarbeiter-Team in Theorie und Praxis so schulen, dass es diese Richtlinien zur Stillförderung mit Leben erfüllen kann.
3. Alle schwangeren Frauen über die Vorteile und die Praxis des Stillens informieren.
4. Müttern ermöglichen, ihr Kind innerhalb der ersten halben Stunde nach der Geburt anzulegen.
5. Den Müttern das korrekte Anlegen zeigen und ihnen erklären, wie sie ihre Milchproduktion aufrechterhalten können, auch im Falle einer Trennung von ihrem Kind.
6. Neugeborenen Kindern weder Flüssigkeiten noch sonstige Nahrung zusätzlich zur Muttermilch geben, wenn es nicht aus gesundheitlichen Gründen angezeigt ist.
7. Rooming-In praktizieren - Mutter und Kind erlauben zusammen zu bleiben - 24 Stunden am Tag.
8. Zum Stillen nach Bedarf ermuntern.
9. Gestillten Kindern keinen Gummisauger oder Schnuller geben.
10. Die Entstehung von Stillgruppen fördern und Mütter bei der Entlassung aus der Klinik oder Entbindungseinrichtung mit diesen Gruppen in Kontakt bringen.
Ein externes von UNICEF/WHO anerkanntes Gutachter-Team evaluiert die Umsetzung der 10 Punkte anhand von Beobachtungen, durch die Analyse der Stillrichtlinien und der gedruckten Informationen sowie über Interviews mit der Verwaltung, dem Personal und den Müttern. Damit die Qualität gesichert bleibt, erfolgen dann in regelmäßigen Abständen weitere Gutachterbesuche.
In Europa waren Ende 97 ca 314 Kliniken ausgezeichnet. In der Schweiz gab es zu dem Zeitpunkt 20 Kliniken und ein ausgezeichnetes Geburtshaus. In Deutschland haben 10 Kliniken die Auszeichnung erhalten, in Österreich sind es deren 6. In Schweden ist jede Klinik ausgezeichnet.
In Luxemburg arbeiten einige Kliniken an der Umsetzung, ohne den Prozess schon abgeschlossen zu haben.
Stillgruppe - Beratung
In Stillgruppen treffen sich Mütter und manchmal auch Väter mit ihren Babies. Die Frauen können beobachten, wie andere Mütter ihre Babies stillen und sich mit ihnen unterhalten. Sie erfahren, wie andere mit ihren Problemen fertig werden.
Der Erfahrungsaustausch stärkt bei vielen Frauen das Vertrauen in die eigene Stillfähigkeit und hilft, über Hindernisse hinweg zu kommen. Eine erfahrene Stillberaterin oder Hebamme leitet diese Gruppen (Im Anhang finden Sie Adressen).
Sie können sich auch telephonisch beraten lassen; das ist besonders vorteilhaft, wenn Sie wenig Zeit haben oder gerade mit dem Baby intensiv beschäftigt sind, aber dringend einen Rat brauchen.
* Ihr Geruch hat sich durch den Gebrauch eines neuen Deos, Parfüms oder einer anderen Seife geändert. Vielleicht tragen Sie ein geliehenes Kleidungsstück.
* Vielleicht hatten Sie beide gerade eine Auseinandersetzung, weil das Baby vor dem Trinken zugebissen hat. Das Baby braucht jetzt beruhigende Worte, um den Schreck zu vergessen (Beißen).
* Ihr Kind hat an der Flasche getrunken und hat sich schon an das andere Trinken daraus gewöhnt. Sie brauchen jetzt viel Geduld, um ihm das Brusttrinken (wieder) vertraut zu machen. Bringen Sie die Milch schon vor dem Anlegen zum Fließen und warten Sie mit dem Anlegen nicht, bis das Baby vor Hunger schreit. Wenn Sie das Baby im Halbschlaf anlegen oder ein gemeinsames Bad nehmen, geht es wahrscheinlich problemloser.
* Es kann aber auch sein, dass Ihr Baby vielleicht kein Interesse mehr am Stillen hat und das Abstillen einleiten möchte. Eine erste Phase, während der manche Kinder sich von selbst abstillen, liegt bei ungefähr acht Monaten. Meist essen sie bereits viele andere Speisen, und die mütterliche Brust verliert an Bedeutung.
In einigen der oben genannten Situationen brauchen Sie wahrscheinlich die Unterstützung einer Stillberaterin.
Stuhlgang
Der Stuhlgang des gestillten Kindes ist breiig bis dünnflüssig und enthält eventuell helle Klümpchen. Je nach Ernährung der Mutter ist er goldgelb oder grünlich gefärbt. Er hat einen milden, fast süßlichen Geruch.
Es ist möglich, dass Ihr Baby einmal oder mehrmals am Tag volle Windeln und auch noch volle Strampelhosen hat. Es ist aber auch möglich, dass es als guter Futterverwerter nur alle paar Tage oder sogar nur einmal wöchentlich Stuhl hat.
Solange Ihr Baby ausschließlich mit Muttermilch ernährt wird, ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass es an einem gefährlichen, infektiösen Durchfall erkrankt oder an Verstopfung leidet.
Denken Sie daran, dass eine Medikamenteneinnahme beim Baby (z. B.: Vitamine-, Fluor-, oder Eisentabletten) einen Einfluss auf seine Verdauung und seinen Stuhlgang haben können.
T
Trennung
Neugeborene und kleine Kinder brauchen für ihre seelische Entwicklung die körperliche Nähe der Eltern, ihre Zärtlichkeit, ihre Berührung, so wie sie die Milch brauchen für ihr körperliches Gedeihen.
Eine Trennung bedeutet demnach einen schmerzlichen Eingriff in die Eltern-Kind-Bindung.
Bei Rooming-In sofort nach der Geburt wird eine Trennung vermieden, so dass die Mutter-Kind-Bindung gleich nach der Geburt gefördert wird.
Bei einer Trennung, zum Beispiel nach einer traumatischen Geburt, kann es sein, dass Mutter und Vater Schwierigkeiten haben, sich ihrem Baby zuzuwenden, bis sie es dann längere Zeit zu Hause haben (Krankheit des Babys, Krankheit der Mutter).
Nehmen Sie nach Ablauf der Mutterschutzfrist wieder Ihre Arbeit auf, können Sie dennoch weiterstillen. So bleibt der enge Kontakt zu Ihrem Baby weiterbestehen, und das wird Ihnen und Ihrem Baby guttun. Sorgen Sie möglichst dafür, dass die Person, die das Baby betreuen wird, schon eine Zeit vor Ihrem Arbeitsbeginn mit Ihrem Kind vertraut ist - dann wird es die Trennung besser verkraften (Berufstätigkeit).
U
Urvertrauen
Lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie Ihr Kind verwöhnen, wenn Sie stets auf sein Schreien reagieren.
Ein Kind, dem großzügig und gerne Liebe geschenkt wird, erhält dadurch sehr viel Sicherheit und Vertrauen in die Welt. Es wird später auch fähig sein, selbst zu lieben, Rücksicht zu nehmen; es lernt an unserem Beispiel.
Kleine Tyrannen erzieht man durch ein "Zuwenig" an Liebe und Zuwendung. Statt dessen fordern solche Kinder später Süßigkeiten, Spielsachen, Geld als Ersatz und sind dennoch unzufrieden und quengelig.
Allerdings muss auch immer das rechte Maß zwischen Lieben und "Überbemuttern" gefunden werden, damit das Kind sich ungehindert zu einem selbständigen Wesen entwickeln kann.
V
Väter
Es ist gar nicht so einfach Vater zu sein, besonders wenn ein Mann sich völlig auf eine enge Beziehung zu seinem Baby einlässt. Er hat diese Rolle nicht gelernt, und seine Umgebung - vor allem die Arbeitskollegen, die männlichen Verwandte und Freunde - sieht den zärtlichen Vater eines Babys, der sich auch um die Versorgung und den Haushalt kümmert, immer noch als "Exoten" an.
Vater sein ist für einen Mann sehr befriedigend, wenn er eine bedeutende Rolle im Leben seines Kindes spielt. Da kann es ihm manchmal schwer fallen, die intensive Beziehung zwischen Mutter und Kind, die sich besonders im Stillen ausdrückt, zu ertragen. Zudem ist Stillen - wie schon die Schwangerschaft - eine Fähigkeit, die nur Frauen haben: Sie symbolisiert Fruchtbarkeit und durchaus auch eine Form geheimnisvoller Macht, deren Zugang Männern verwehrt bleibt.
Aber ein Neugeborenes wird nicht nur gestillt, es wird auch gehalten, getragen, gebadet, in frische Windeln gepackt und irgendwann mit dem Löffel oder der Tasse gefüttert.
So gibt es also eine Menge Möglichkeiten, dass auch der Vater eines gestillen Babys von Anfang an eine aktive Vaterrolle übernehmen kann.
Auch beim Stillen kann der Vater eine wichtige Funktion übernehmen - bestärken Sie Ihre Frau in dem Gefühl, dass sie stillen kann. Sie können Ihre Frau von Unruhe abschirmen oder z. B. sich während des Stillens mit den Geschwistern beschäftigen.
Letztlich sind da auch noch die alltäglichen Arbeiten im Haushalt, die Sie übernehmen können, damit Ihre Frau in Ruhe stillen oder auch einmal etwas für sich selbst machen kann. Auch dies ist eine wichtige Hilfe, die eigentlich zu einer Partnerschaft dazugehört - auch schon, bevor ein Kind auf der Welt ist.
In der Regel wird der Mann, auch nach der Geburt seines Kindes seinen Beruf nicht aufgeben, weil die Arbeit von Männern meistens besser bezahlt wird. Er muss dann darauf achten, dass er sich nicht ganz aus der häuslichen Arbeit zurückzieht. Gute Erfahrungen haben Männer damit gemacht, dass sie ihren Jahresurlaub (oder zumindest einen Teil davon) in der Zeit des Geburtstermins genommen haben. So konnten sie tatsächlich "Vater von Anfang an" sein und hatten schon eine gewisse Sicherheit im Umgang mit dem Baby und der Erledigung aller möglichen Arbeiten gewonnen, bevor sie wieder täglich zur Arbeit mussten.
Inzwischen gibt es auch einige Männer, die den Erziehungsurlaub mit ihrer Frau teilen oder für einige Zeit eine Teilzeitarbeit annehmen.
Durch die Lektüre dieser Brochüre können Sie Ihrer Frau wichtige Unterstützung geben.
Veränderungen der Milch
Ein paar Tage nach der Geburt wird die Vormilch durch die Übergangsmilch ersetzt. Etwa nach einer Woche (zirka sieben bis vierzehn Tage nach der Geburt) ist diese Milch in die reife Muttermilch übergegangen.
Während des Stillvorgangs und der ganzen Stillperiode verändert sich die Muttermilch immer wieder und wird den Bedürfnissen des Babys angepasst (Aussehen der Milch).
Verwöhnen
Bestimmt bekommen Sie zu hören, dass Sie Ihr Baby verwöhnen, wenn Sie es viel auf dem Arm tragen oder stillen, sobald es sich nur meldet. Auch das Herumtragen im Tragetuch ruft bei manchem Beobachter sofort die Bemerkung: "Das Kind wird ja verwöhnt" hervor.
Bedenken Sie, dass Sie damit nur die Bedürfnisse Ihres Kindes erfüllen und sich selbst den Alltag erleichtern, und richten Sie sich ganz allein nach Ihrem Gefühl.
Vielleicht gibt Ihnen jemand den "guten Rat" Ihr Baby nachts schreien zu lassen, damit es lernt, dass es nachts durchschlafen und allein bleiben soll.
Versetzen Sie sich einfach in die Lage Ihres Babys, das sehr abhängig ist und sich nicht selbständig holen kann, was es braucht. Sein Schreien ist seine Möglichkeit, sich Ihnen mitzuteilen. Und Sie selbst brauchen ja auch mehr als nur Essen und saubere Kleidung, um sich wohl zu fühlen.
Vorbereitung auf das Stillen
Als Vorbereitung sind alle Maßnahmen, welche die empfindliche Haut der Mamillen gesund erhält, sinnvoll:
* Luft und Sonne an die Brust lassen, oder zumindest stundenweise keinen BH tragen.
* Die Brust nicht einseifen, denn Seife zerstört den natürlichen Schutzmantel der Haut.
* Wechselduschen sind zu empfehlen, denn sie regen die Durchblutung der Haut an.
Insbesondere wenn Sie Flach- oder Hohlmamillen haben, ist zusätzlich zu empfehlen:
* Mehrmals täglich die Mamillen mit der flachen Hand reiben.
* Herausziehen der Mamille mit zwei Fingern, nach oben, unten und seitlich.
Falls Sie während der Schwangerschaft vorzeitige Wehen haben und/oder Ihre Gebärmutter mit Wehen auf die Massagen reagiert, so sollten Sie mit diesen Übungen aufhören, denn die Stimulierung der Mamillen kann Wehen auslösen (gut zu wissen bei Wehenschwäche!) (Geburtsvorbeitungskurs).
Vormilch
Die Vormilch oder das Kolostrum ist schon vor der Geburt und in den ersten Tagen nach der Geburt in den Brüsten vorrätig.
Sie sieht goldgelb cremig aus und wird in geringen Mengen, aber hoher Konzentration gebildet. Sie enthält reichlich Eiweiß (Protein), Zucker, Vitamine und ist demnach den Bedürfnissen des Neugeborenen optimal angepasst.
Der hohe Anteil an Antikörpern gewährt dem Baby einen Immunschutz gegen viele Infektionskrankheiten und schützt es auch vor Keimen in der häuslichen Umgebung.
Kolostrum hat eine leicht abführende Wirkung und unterstützt die Ausscheidung des Kindspechs (Mekonium), dem ersten Darminhalt des Babys.
Die Zusammensetzung der Vormilch ändert sich im Laufe der ersten Woche und geht dann in reife Muttermilch über (Veränderung der Milch, Aussehen).
W
Wachstumsschub
Um den 10. Tag herum, nach sechs Wochen und nach drei Monaten erleben manche Mütter, dass das Baby ausgiebig trinkt und dennoch nach kurzer Zeit wieder hungrig ist. Sein Bedarf an Muttermilch ist dann gestiegen, es befindet sich in einem Wachstumsschub.
Reagieren Sie auf seine Signale und stillen Sie, so oft Ihr Baby sich meldet. Zusätzlich sollten Sie milchbildende Getränke zu sich nehmen (Milchbildung) und sich ein bis zwei Tage Ruhe gönnen. Sie werden dann merken, dass die Milchproduktion sich den Bedürfnissen des Babys angepasst hat und dass nach zwei Tagen die Milch wieder reichlich fließt. In dieser Situation brauchen Sie vielleicht die Unterstützung einer Stillberaterin.
Auf keinen Fall sollten Sie Ersatzmilch zufüttern, sonst ist der erste Schritt zum Abstillen getan.
Wiegen
Manchmal wird in der Klinik das Baby vor und nach dem Stillen gewogen, um so herauszufinden, wieviel das Kind getrunken hat. Da diese Werte dann mit den Werten der Flaschenernährung verglichen werden, wird dem Baby die "fehlende" Menge noch in Form von Ersatzmilch zugefüttert. Dies bringt die Milchproduktion durcheinander, und es wird weniger Muttermilch gebildet.
In der ersten Lebenswoche reicht es völlig, wenn das Neugeborene einmal täglich gewogen wird. Hierbei wird oft in den ersten Tagen ein Gewichtsverlust festgestellt (bis zu zehn Prozent des Geburtsgewichtes). Das braucht Sie nicht zu beunruhigen, und es ist auch kein Grund dem Baby zusätzlich die Flasche zu geben. Ab dem dritten oder vierten Lebenstag wird die Gewichtskurve dann wieder nach oben steigen.
Später genügt es, wenn Sie ein Kind das gesund aussieht, gut gedeiht, rosiges Aussehen hat und seine Windeln mehrmals am Tag nass hat, einmal in der Woche wiegen oder in noch größeren Abständen.
Das häufigere Wiegen verunsichert viele Mütter, da die Gewichtszunahme (Gewicht) nicht gleich und nicht regelmäßig bei jedem Kind ist.
Z
Zahnen
Der Durchbruch der ersten Zähne (meistens die beiden unteren, mittleren Schneidezähne) findet Mitte bis Ende des ersten Lebensjahres statt, in Ausnahmefällen auch früher.
Schon Wochen/Monate vorher können Sie einen vermehrten Speichelfluss und ein ausgeprägtes Beißbedürfnis bei Ihrem Kind feststellen.
Der Durchbruch der ersten Zähne ist häufig begleitet von Durchfall, Husten, Schnupfen oder Ohrenschmerzen, viele Babies haben auch Fieber oder einen entzündeten Po. Dies alles zeigt, wie sehr der Körper mit dem Zähnen beschäftigt ist.
Während der Zeit des Zahnens braucht das Kind unbedingt etwas zum Beißen: Beißringe, Mohrrüben, Brotkrusten, seinen Finger. Auch Massagen des Gaumens tun ihm gut.
Manchmal bereitet in dieser Phase das Saugen an der Brust dem Baby Schmerzen, und es kann zu Schwierigkeiten beim Trinken kommen. Vielleicht lässt es während des Stillens immer wieder los, dreht den Kopf weg und schreit. Es kann sogar zum Stillstreik kommen, oder das Baby beginnt zu Beißen, statt zu saugen.
Ihr Baby braucht in dieser schmerzvollen Phase Ihre besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung, auch nachts. Schaffen Sie während der Stillmahlzeit eine ruhige, entspannte Atmosphäre und reden Sie dem Baby gut zu.
Vielleicht hilft es auch, wenn Sie es zum Stillen nackt ausziehen und mit ihm im Bett kuschelnd stillen. Denken Sie daran, dass diese Schwierigkeiten bald vorbei sind.
Auf jeden Fall besteht kein Grund zum Abstillen wegen des ersten Zahnes.
Zufüttern
Wenn Babies nach Bedarf gestillt werden (Häufigkeit), holen sie sich, was sie brauchen. Haben sie bei einer Mahlzeit wenig getrunken, dann melden sie sich das nächste Mal eben früher. Es kann sein, dass Ihr Baby an heißen Tagen mehr trinken will. Legen Sie es einfach an, dann leidet es keinen Durst. (In den ersten Tagen oder bei Krankheit ist es möglich, dass ausnahmsweise etwas zugefüttert werden muss.) Es ist wichtig, dass das Baby nichts aus der Flasche erhält, weil dies oft zu einer Verwirrung seiner Saugtechnik führen kann. Anschließend kommen Babies oft nicht mehr gut an der Brust zurecht, sie schreien, verweigern die Brust oder trinken falsch und scheuern dabei die Mamillen wund. Das Baby sollte mit dem Becher, der Tasse oder über Fingerfütterung mit einer Spritze gefüttert werden. Eine gut ausgebildete Kinderschwester oder Hebamme kann Ihnen diese einfache Füttermethode zeigen.
Ein gesundes, vollgestilltes Baby braucht bis nach dem fünften/sechsten Monat keine Zusatzernährung.
Bei Allergieanfälligkeit sollte auch und besonders in den ersten Lebenstagen keine künstliche Nahrung zugefüttert werden (Allergien).
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Milch nicht reicht, so nehmen Sie unverzüglich Kontakt auf zu einer Stillberaterin und lesen Sie zu wenig Milch und Milchbildung nach.
Die Werbung für Ersatzmilch empfiehlt die Zwiemilchernährung "für den Fall, dass das Baby nicht satt wird". Dabei wird entweder das Kind vor und nach jeder Mahlzeit gewogen (Wiegen) und die fehlende Menge mit der Flasche zugefüttert. Oder aber eine oder mehrere Brustmahlzeiten werden durch eine Flaschenmahlzeit ersetzt. Dies ist eine Abstillmethode, denn je weniger das Baby an der Brust trinkt, desto weniger Milch wird gebildet (Milchbildung).
Wenn trotz allem in der Klinik zugefüttert wird, brauchen Sie doch nicht zu verzweifeln. Gönnen Sie sich zu Hause einige Tage Ruhe (keine Hausarbeit, kein Besuch), legen Sie sich mit dem Baby ins Bett und stillen Sie es so oft, wie es will (sogar stündlich) und jedes Mal an beiden Seiten.
Alles was milchbildend ist, kann Ihnen helfen (Milchbildung).
Zusammensetzung der Muttermilch
Bei allen Säugetieren entspricht die Zusammenstellung der arteigenen Muttermilch den Anforderungen des jeweiligen Babys. So enthält z.B. Kuhmilch (auch Schafs- und Rentiermilch) sehr viel mehr Eiweiß als Frauenmilch, da bei diesen Jungen die Entwicklung der Muskulatur eine besonders große Rolle spielt: Sie stehen sofort nach der Geburt auf den eigenen Beinen und folgen dem Muttertier.
Unverdünnte Kuhmilch hätte für den menschlichen Säugling verheerende Folgen, da seine Nieren keine so große Ausscheidungskapazität haben und der Harnstoffspiegel im Blut enorm ansteigen würde. Beim menschlichen Säugling stehen die Differenzierung und der Ausbau der Gehirnfunktionen im Vordergrund, das selbständige Laufen wird erst mit einem Jahr erlernt.
Seit Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde versucht, durch Verdünnung, Zugabe von Zucker und Mehl die Kuhmilch annähernd der Muttermilch anzugleichen - nicht immer mit Erfolg, denn die Säuglingssterblichkeit der Flaschenkinder lag um ein Vielfaches höher als bei den Brustkindern. Die Industrie hat es in den letzten Jahrzehnten fertiggebracht, durch chemische und maschinelle Prozesse, durch Zusätze von Ölen, künstlichen Vitaminen und Mineralien, Umwandlung der Struktur der Eiweißbausteine, Erhitzung und Pulverisierung, die Kuhmilch derart zu verändern, dass sie als der Muttermilch "adaptiert" angepriesen werden konnte. Mit dieser Ersatzmilch haben nun schon etliche Menschengenerationen überlebt, jedoch nicht immer in bester Gesundheit.
In den Dritte-Welt-Ländern, in denen die aggressive Werbung der Babynahrungshersteller zu einem drastischen Rückgang der Stillrate geführt hat, sind die Auswirkungen verheerend. Doch auch wir, in den Hochburgen der Zivilisation, sollten uns nicht vorgaukeln lassen, dass unsere Neugeborenen die Wahl haben zwischen zwei gleichwertigen Produkten. Anhand einiger Beispiele möchten wir die Überlegenheit der Muttermilch gegenüber der adaptierten Ersatzmilch belegen:
o Muttermilch enthält bei niedrigem Eiweißgehalt genau das Spektrum an Aminosäuren, das den Bedürfnissen des Kindes entspricht. Als ein Beispiel sei hier das Laktoferrin erwähnt, ein eisenbindendes Eiweiß. Durch seine hohe Kapazität, das Eisen zu binden, hemmt es die Besiedlung des kindlichen Darmes mit krankmachenden Erregern, da diese für ihren Stoffwechsel ungebundenes Eisen benötigen. Dies hat zur Folge, dass gestillte Babies ausreichend mit Eisen versorgt werden und zudem viel seltener an Durchfallerkrankungen leiden als Flaschenbabies.
o Der größte Anteil der Eiweiße aus der Kuhmilch, auch der adaptierten Säuglingsnahrung, sind die Beta-Laktoglobuline, die in Frauenmilch nicht vorkommen. Es handelt sich hierbei um artfremde Makromoleküle, die die Darmschleimhaut des Säuglings durchdringen und hier als potentes Allergen wirksam werden können. Eine Studie hat gezeigt, dass bei allergiekranken Eltern, ihre Flaschenkinder im Alter von sechs Monaten sechsmal häufiger allergische Reaktionen zeigen als gleichaltrige vollgestillte Kinder.
o Der Fettgehalt der Muttermilchersatznahrung und der Frauenmilch, der etwa die Hälfte der Nährwerte liefert, ist zwar annähernd gleich, doch besteht ein Unterschied in der Qualität. Die für die Entwicklung des Nervensystems notwendigen essentiellen Fettsäuren, die in der Muttermilch enthalten sind und optimal resorbiert werden, können durch Zusatz von pflanzlichen und tierischen Fetten zur Kuhmilch nicht vollwertig ersetzt werden.
o In der Muttermilch ist ein hoher Gehalt an Laktose, ein Zucker, der nicht nur der Energieversorgung dient, sondern auch eine wichtige Rolle spielt beim natürlichen Aufbau einer gesunden Bakterienflora im Darm des Babys.
o Die bereits erwähnten antiinfektiösen Schutzfaktoren, sowie weitere Komponenten (Immunoglobuline, Enzyme, Hormone) und die Tatsache, dass Muttermilch keimfrei ist, sind wohl auch für folgende Befunde verantwortlich: Flaschenkinder erkranken viel häufiger an Erbrechen und Durchfall, an Mittelohrenentzündungen, an akuten Erkrankungen der unteren Luftwege und müssen wesentlich häufiger zur Behandlung in eine Klinik eingewiesen werden als Brustkinder.
Zu wenig Milch
Wenn Sie Ihr Baby nach Bedarf stillen, mindestens aber sechs- bis achtmal innerhalb von 24 Stunden, am Anfang kann es auch 10-12 mal sein, ist es unwahrscheinlich, dass Sie zu wenig Milch haben.
Durch öfteres Anlegen kann die Milchproduktion erhöht werden. Um in dieser schwierigen Zeit nicht zu verzweifeln, fragen Sie sich Unterstützung bei einer stillerfahrenen Freundin, einer Hebamme oder einer Stillberaterin. Nach einigen Tagen der Ruhe und einer genauen Ursachensuche werden Sie dieses Problem meistern.
Zwillinge
Es ist möglich, Zwillinge ohne Schwierigkeiten zu stillen, da durch das häufige Saugen an der Brust die Milchproduktion gesteigert wird und sich so auf das Bedürfnis der beiden einstellt (Milchproduktion).
Gönnen Sie sich genügend Ruhe und suchen Sie sich, nach Möglichkeit, eine Haushaltshilfe, so dass Sie sich voll auf Ihre Zwillinge einstellen können.
Sie können beide Kinder gleichzeitig stillen, indem sie Kopf an Kopf beieinander liegen, und die Beine unter Ihren Armen sind, oder dadurch, dass die Köpfe sich in Ihren Armen befinden und die Beine einander zugewendet liegen.
Manche Mütter stillen die Kinder aber auch nacheinander, indem sie jeweils ein Kind etwas vor der Zeit aufwecken, und danach das andere anlegen, wenn es erwacht.
Zwillinge können aber auch von selbst sehr unterschiedliche Stillrhythmen haben, so dass gleichzeitiges Stillen nicht möglich ist.
Sie können die Kinder auch stets an der gleichen Brust trinken lassen, wenn ihr Saugbedürfnis gleich stark ist. Wenn bei einem Kind der Saugreflex schwächer ist, so ist es ratsam, die Kinder abwechselnd an der einen und der anderen Seite anzulegen, um die Milchproduktion beiderseits gleich stark anzuregen.
Wenn Sie anfangs Schwierigkeiten haben mit dem Stillen Ihrer Zwillinge, sollten Sie sich Hilfe bei einer Stillberatung oder Stillgruppe suchen und eine Haushaltshilfe anfordern.