Editorial
Eine neue Rolle für die Männer
Dies ist der Titel einer Broschüre des "Fonds
des Nations Unies pour la Population", die mich zu meinen
Überlegungen über die Rolle der Männer inspiriert hat.
Waren in der Vergangenheit vor allem die Frauen
mit der Frage der Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben
befaßt, so betrifft diese Frage heute mehr und mehr die Männer.
Die jungen Männer haben den Wunsch, eine viel wichtigere Rolle
im Familienleben und der Erziehung ihrer Kinder zu übernehmen.
Sie integrieren zunehmend nicht nur ihre berufliche Laufbahn
sondern auch ein erfülltes Privatleben in ihre Lebensplanung.
Dazu werden sie gewiß auch angeregt durch die Veränderung
der Rolle der Frauen, die ihre Berufstätigkeit als ein Grundrecht
ansehen und eine gerechte Verteilung der Verantwortlichkeit
und der familiären Pflichten erwarten.
Die repräsentative Umfrage des Frauenministeriums
von 1999 über die Hausfrauen hat ergeben, daß nur 25% der
Männer regelmäßig und tatkräftig im Haushalt mithelfen. Weniger
als ein Viertel von ihnen übernehmen regelmäßig zu festen
Stunden die Kinderversorgung. Zahlreiche Männer sehen ein,
daß sie sich mehr für die familiären Aufgaben und für die
Erziehung einsetzen müßten, doch nach wie vor setzen nur wenige
diesen Gedanken in die Praxis um.
Im Rahmen der Umsetzung des nationalen Beschäftigungsplanes
hat die Regierung der neuen Männerrolle vorgegriffen. Ein
Elternurlaub wurde eingeführt. Da die Dauer des Elternurlaubes
von jeweils 6 Monaten für Mütter und Väter vorgesehen ist
und nicht übertragbar ist, stellt er sowohl eine Maßnahme
zugunsten der partnerschaftlichen Teilung der Familienverantwortung
als auch eine beschäftigungsfördernde Maßnahme dar. Das Zusammentreffen
von Mutterschaftsurlaub und Elternurlaub gibt dem Arbeitgeber
die Möglichkeit, jemanden für 11-12 Monate oder für 6 Monate
einzustellen. Fünf Jahre nach in Kraft treten des Elternurlaubes
werden seine Auswirkungen sowohl auf den Arbeitsmarkt als
auch auf die Politik der Chancengleichheit zwischen Männern
und Frauen ausgewertet. Sollten diese Ergebnisse negativ ausfallen,
wird die Dauer des Elternurlaubes auf 3 Monate gekürzt werden.
"Die bestehende Diskrepanz zwischen den
guten Absichten der Männer, die Wichtigkeit der Familienverantwortung
anzuerkennen und der praktischen Umsetzung dieser guten Absichten,
ist größtenteils verursacht durch die Hindernisse, die sie
an ihrem Arbeitsplatz begegnen und dem Einkommensverlust.
Diejenigen Männer, die eine Teilzeitarbeit
wünschen, weil sie kleine Kinder haben oder Elternurlaub beanspruchen
wollen, stoßen oft auf Vorurteile seitens der Arbeitgeber
und der Kollegen. Wenn ein Paar sich dazu entschliesst dass
einer der Partner seine Arbeit einstellt um sich der Familie
zu widmen, ist es häufig die Frau welche auf eine berufliche
Aktivität verzichtet da sie in der Regel weniger verdient
als der Mann." (Bulletin Famille et Travail 2/98 de la
Commission Européenne).
Die Erziehung kann die Jungen darauf vorbereiten,
ein anderes Modell von Männlichkeit umzusetzen, welches das
vom Familienoberhaupt und alleinigen "Geldbeschaffer"
ablöst durch das eines Mannes, der die beruflichen und privaten
Pflichten gerecht mit der Frau teilt.
Eine gute Familienpolitik informiert Mädchen
und Jungen über diese neue Verantwortung in der Beziehung
zwischen Erwachsenen. Diese neue Rolle der Männer muß gefördert
werden, um verständlich zu machen, daß sie einen unschätzbaren
Gewinn für menschliche Beziehungen bringt.
Das Projekt der Initiativ Liewensufank, welches
werdende Väter dabei unterstützt, von Anfang an eine aktive
Vaterschaft zu verwirklichen, genießt die besondere Aufmerksamkeit
meines Ministeriums. Es stellt ein gutes praktisches Beispiel
dar, welches eine Veränderung der Rollen von Mann und Frau
anregt und dazu beiträgt, die Gleichheit zwischen Mann und
Frau zu verwirklichen.
Marie-Josée Jacobs
Ministerin für Chancengleichheit
Ministerin für Familie, soziale Solidarität und Jugend
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