Zusammengefasste Ergebnisse des Pilotprojektes
Edeltraut Voill, Psychologin aus Wien, war
mit der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes betraut.
Die Kursteilnehmer und Teilnehmerinnen wurden gebeten, einen
umfassenden Fragebogen auszufüllen, vor Beginn und nach Abschluß
des Geburtsvorbereitungskurses und nach der Geburt ihres Baby.
Anhand der Ergebnisse konnte festgestellt werden,
daß die Kursteilnehmer/innen eher uninfomiert in den Kurs
kommen. Nach dem Kurs fühlen sie sich besser informiert, sie
haben durch Gespräche und Übungen Sicherheit gewonnen und
fühlen sich nach dem Kurs viel beruhigter.
Sehr positiv wurde das Geburtserlebnis und
der Geburtsverlauf erlebt, was durchaus als Ergebnis der Geburtsvorbereitung
gesehen werden kann. Die Geburten wurden großteils als leicht
oder normal bezeichnet. Die Geburt selbst wurde von den meisten
als überwältigendes und bewegendes Erlebnis erfahren.
Als Erfolg des Geburtsvorbereitungskurses kann
auch die fast 100%ige Stillrate gesehen werden (1 Kind wird
teilgestillt), indem die Paare offensichtlich gut auf das
Stillen vorbereitet wurden. Die geplante Stilldauer vor der
Geburt liegt bei 7,5 bis 8 Monaten.
Bei den Fragen zum Thema partnerschaftliche
Elternschaft zeigen sich deutliche Trends, die den konventionellen
Rollenaufteilungen entsprechen. Allerdings wird dieser Trend
vor allem in den Antworten der Mütter sichtbar. So finden
eher die Frauen, daß Kinder großzuziehen eine sinnvolle Aufgabe
ist, daß es schlecht ist für die Entwicklung der Kinder, wenn
Mütter berufstätig sind und daß ein Vater sein Baby nicht
so gut versorgen kann.
Mütter sehen sich in einigen Aussagen als die
wichtigeren Bezugspersonen für das Baby, was auch dahingehend
interpretiert werden könnte, daß es den Müttern zum Teil schwer
fällt, Verantwortlichkeiten an die Väter abzugeben.
Bei der Befragung nach der erwarteten Belastung
durch das Baby zeigt sich, daß sich die Mütter bei der ersten
Befragung eine stärkere Belastung erwarten als die Väter.
Beim dritten Meßzeitpunkt, bei dem nach der tatsächlichen
Belastung gefragt wurde, fühlen sich die Väter stärker belastet,
obwohl den Großteil der Babypflege die Mütter übernehmen,
da sie bei den Babys zu Hause sind.
Dies läßt vermuten, daß Väter mit der Betreuung
des Babys zu wenig vertraut sind oder die tatsächliche Intensität
der Kinderbetreuung und die damit verbundenen Veränderungen
falsch einschätzen.
Bei der Skala "Arbeitsaufteilung im Haushalt"
setzt sich die Richtung der ungleichen Verteilung der Rollen
fort. Die Arbeitsaufteilung im Haushalt geht mehr zu Lasten
der Mütter. Die verschiedenen Aufgaben im Haushalt sind eher
nach traditionellem Muster verteilt. Da sowohl Männer wie
Frauen mit dieser Arbeitsaufteilung zufrieden sind, wird es
auch keine Veranlassung geben, etwas zu ändern.
Auf die Frage, ob der Elternurlaub für Mutter
und Vater beansprucht werden wird, ergibt sich folgendes Bild:
- Frauen und Männer befürworten größtenteils den
Elternurlaub für Mütter (78% der Männer und 62% der
Frauen)
- Elternurlaub für Väter wird von 57% der Männer
und 60% der Frauen als Möglichkeit abgelehnt
- Das bevorzugte Modell - vor allem für Mütter -
wäre der geteilte Elternurlaub (64% der Männer -
75% der Frauen)
Auf die Frage, welche Bedeutung für die Paare
Beruf, Freizeit und Familie hat, messen beide Geschlechter
dem Zusammensein mit der Familie die größte Bedeutung zu.
Dies scheint eine große Sehnsucht zu sein, die in der derzeitigen
Gesellschaftsform unerfüllt bleiben muß.
Zusammengefasst von Corinne Lauterbour-Rohla
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