EU-Studie zum familiären Engagement von Vätern
Die Europäische Union hat im Rahmen des Programms
zu mehr Gleichheit zwischen Frauen und Männern 2001-2005 das
Projekt "The role of men in the promotion of gender equality"
an das luxemburgische Ministerium für Chancengleichheit vergeben.
Auf internationaler Ebene wurde dieses Projekt mit Partnern
aus Irland und der Slowakei umgesetzt. Auf nationaler Ebene
sind die Universität Luxemburg und die Initiativ Liewensufank
mit Teilprojekten beauftragt worden. Die IL hat in diesem
Kontext die Studie: "Verhalten von Vätern bezüglich des Elternurlaubs
und der Partizipation an Haushalts- und Kinderbetreuungsaufgaben
in Korrelation zum Kontakt zur Initiativ Liewensufank" 2006
realisiert.
Kernstück dieser Untersuchung ist eine Befragung
unter Mitgliedern und Kursteilnehmern der Initiativ Liewensufank.
Die Personen entstammen der Mitgliederdatei, wobei die Mitgliedschaft
nicht länger als 3 Jahre zurückliegen durfte. Fragebögen von
170 Vätern wurden ausgewertet.
Ziel der Studie ist es zu untersuchen, ob
der Kontakt zur Initiativ Liewensufank einen Effekt auf das
Verhalten der Väter bezüglich des Elternurlaubs hat und ob
der Kontakt zu höherer Beteiligung an Haushaltsaufgaben und
Kinderbetreuung geführt hat.
In Bezug auf den Elternurlaub lässt sich ein
Effekt am besten belegen. So haben 29,5% der Väter, die am
Beratungs- und Kursangebot der Initiativ Liewensufank partizipierten
(im Weiteren "Teilnehmer") schon Elternurlaub genommen, bzw.
sind aktuell in Elternurlaub, die nicht am Beratungs- und
Kursangebot teilnahmen (im weiteren Text "Nicht-Teilnehmer")
nur zu 10,2%. Darüber hinaus planen 20,5% der Teilnehmer Elternurlaub
zu nehmen, bei den Nicht-Teilnehmern nur 12,2%. Es lässt sich
also eindeutig konstatieren: Väter, die das Beratungs- und
Kursangebot der Initiativ Liewensufank in Anspruch nehmen,
machen danach mehr von ihrem Recht auf Elternurlaub Gebrauch.
In Bezug auf die Kinderbetreuung und die Haushaltsarbeiten
ist nur ein geringer Unterschied im Verhalten feststellbar.
Auffallend ist aber, dass bei allen abgefragten Items die
Teilnehmer bessere Werte als die Nicht-Teilnehmer hatten.
Der eher geringe Unterschied in den Ergebnissen ist auf strukturelle
Rahmenbedingungen zurückzuführen, die es den Vätern, auch
bei hoher Motivation, erschweren mehr Zeit in Kinderbetreuung
und Haushalt zu investieren. Insgesamt ist die Beteiligung
der Befragten als hoch einzuschätzen, was der Vergleich zu
anderen Studien belegt. Umso höher ist die Steigerung des
Engagements der Teilnehmer zu bewerten. Trotz negativer struktureller
Rahmenbedingungen konnte der Kontakt zur IL dazu beitragen,
dass die Väter mehr im familiären Bereich tun.
Berthold Heltemes
Gesamttext der Studie:
(pdf)
Männer zwischen Familie und Beruf
Ein europäischer Vergleich
In der Vergangenheit waren es üblicherweise
Frauen, die mit der Entscheidung zwischen Familie und Beruf
konfrontiert wurden. Zwischenzeitlich hat sich allerdings
überwiegend in den westlichen Industriegesellschaften ein
Wandel vollzogen.
Frauen sind heutzutage qualifizierter ausgebildet
und die Ausübung eines Berufs hat einen anderen Stellenwert
als vor dreißig Jahren. Auch das berufliche Bild der Männer
hat sich gewandelt. In einer überwiegend dienstleistungsorientierten
Gesellschaft haben sich die Arbeitszeiten und die Arbeitsart
zugunsten der Arbeitnehmer verändert. Nach Umfrageergebnissen
möchten viele Männer diese zusätzlich gewonnene Zeit als zusätzliche
Familienzeiten nutzen. Allerdings ist die Umsetzung in die
Realität noch äußerst schwierig, denn im europäischen Vergleich
haben in der EU 1995 nur 5% der Männer Erziehungsurlaub genommen
und 5% der männlichen Arbeitnehmer eine Teilzeitbeschäftigung
(Eurostat 1996).
Hierzu muß noch besonders erwähnt sein, daß
der Erziehungsurlaub auch für Väter in Luxemburg überhaupt
erst seit Januar 1999 gesetzlich verankert ist und somit eigentlich
erst seitdem existiert.
Die Kluft zwischen der Bereitschaft der Männer,
die Wichtigkeit familiärer Verantwortung anzuerkennen und
der Umsetzung in die Praxis, ist zum großen Teil auf Barrieren
am Arbeitsplatz sowie auf die immer noch bessere Entlohnung
männlicher Arbeitnehmer zurückzuführen. Männer, die Teilzeitarbeit
oder Erziehungsurlaub beantragen, werden immer noch seitens
der Arbeitgeber und der Kollegen mit Unmut und Vorurteilen
konfrontiert.
Es ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe,
hier weiterhin innovative Ideen in den verschiedenen Berufsbereichen
zu entwickeln, um beiden Elternteilen die Möglichkeit zu geben,
sich um die Kinder kümmern zu können und Familie und Beruf
zu teilen.
Luxemburg
Der Erziehungsurlaub ist seit Januar 1999 eingeführt
und kann von Müttern und Vätern in Anspruch genommen werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Luxemburg keine gesetzliche
Grundlage für Erziehungsurlaub des männlichen Elternteils.
Jeder Elternteil kann sechs Monate Erziehungsurlaub
in Anspruch nehmen. Somit kann der Erziehungsurlaub insgesamt
ein Jahr betragen. Im Einverständnis mit dem Arbeitgeber kann
auch ein Teilzeit-Elternurlaub über 12 Monate genommen werden.
Besteht nur ein 20-Stunden-Arbeitskontrakt, ist entweder ein
Halbtags-Elternurlaub über zwölf Monate möglich oder ein Elternurlaub
mit voller Entschädigung über 6 Monate.
Ein Elternteil muss seinen Elternurlaub anschließend
an den Mutterschafts- oder Empfangsurlaub (bei Adoption) nehmen,
sonst verfällt dieser Elternurlaub. Das Recht auf Elternurlaub
des zweiten Elternteils bleibt aber erhalten. Dieser kann
seinen Elternurlaub irgendwann in der Zeit bis zum vollendeten
5. Lebensjahr des Kindes nehmen. Es wird vom Staat eine monatliche
Zulage von 60.000,- LUF für den Elternteil, der sich im Erziehungsurlaub
befindet ausgezahlt.
Weiter existieren eine Reihe von finanziellen
Zulagen.
Teilzeitarbeit übten 1998 ca. 18% der Bevölkerung
aus, 70% davon Frauen, 30% Männer, das sind ca. 11.000 Männer.
Man kann davon ausgehen, daß es zur Zeit sehr wenige Väter
gibt, die sich vermehrt dem Familienleben (Hausmänner) und/oder
der Erziehung der Kinder widmen.
Es gibt keine Zahlen darüber, wieviel Zeit
sich Väter außerhalb der Berufstätigkeit für die Familie bzw.
die Kinder nehmen.
Schweden
Die schwedische Gesetzgebung bezüglich des
Erziehungsurlaubs ist geschlechterunabhängig. Den Vätern stehen
10 Tage Vaterschaftsurlaub direkt nach der Geburt zu. Zusätzlich
hat ein Elternteil -in der Regel meistens der Vater- das Recht
auf 30 der insgesamt 450 Tage Erziehungsurlaub. Werden diese
30 Tage nicht wahrgenommen, verfallen sie. (Im Volksmund heißt
diese Regelung "der Vatermonat").
Bis zum 12. Lebensjahr der Kinder haben die
Eltern das Recht, bei Krankheit ihrer Kinder einen "befristeten
Erziehungsurlaub" zu nehmen. Ein immer größer werdende
Zahl der Väter nimmt dies in Anspruch.
Der Erziehungslaub ist ein Teil des schwedischen
Sozialversicherungssystems. Die finanzielle Unterstützung
der Familien beträgt 80% (1998) des Verdienstes.
Die Mehrheit der schwedischen Kinder ist in
städtischen, privaten oder selbstorganisierten Kindergärten
untergebracht. In der Regel arbeiten beide Elternteile. Die
Kinderversorgung wird in Schweden als allgemeines Recht angesehen.
Der Staat ist gesetzlich verpflichtet für jedes Kind einen
Betreuungsplatz anzubieten.
Italien
In Italien ist das Teilen der Familienarbeit
zwischen Männer und Frauen nicht weit verbreitet. Eine 1977
veröffentliche Studie zeigt, daß Frauen mit Kindern siebeneinhalb
Stunden am Tag für Haushalt und Kinder sorgen, während der
Mann nur eineinhalb Stunden damit verbringt. Es wird den Männer
allerdings gesetzlich ermöglicht Erziehungsurlaub nach der
Geburt eines Kindes zu nehmen. Erziehungsurlaub kann genommen
werden, wenn das Kind vier Monate alt ist und der Mutterschutz
der Mutter abgelaufen (bei 30% Zahlung des Gehalts). Unbezahlter
Erziehungsurlaub kann im Falle einer Krankheit des Kindes
bis zum 3. Lebensjahr genommen werden. Es gibt keine statistischen
Erhebungen, aber eine Untersuchung der Region Lombardia zeigt,
daß es sehr schwierig ist, Väter zu finden, die Erziehungsurlaub
in Anspruch genommen haben.
Finnland
In Finnland bietet das Gesetz den Vätern viele
Möglichkeiten, sich in die Kindererziehung einzubringen. Der
Vater kann sechs bis achtzehn Tage Vaterschaftsurlaub nehmen,
sich die 158 Tage Erziehungsurlaub mit der Mutter teilen,
bis zum 3. Jahr Erziehungsurlaub nehmen. Auch kann der Vater
zwei bis vier Tage im Jahr freimachen, um ein krankes Kind
zu betreuen.
Mit Hilfe von Umfragen und Statistiken wurde
allerdings festgestellt, daß jeder zweite Vater den kurzen
Vaterschaftsurlaub nimmt, aber nur 3% aller Väter den langen.
Frankreich
Der französische Staat greift seit langem mit
den beiden folgenden Zielen in die Bereiche des Familien-
und Berufslebens ein:
- Erhöhung der Geburtenrate und Förderung der Vereinbarkeit
von beruflicher und familiärer Verantwortung
- Vermeidung der Diskriminierung von Frauen und Männern
Durch eine existierende umfangreiche Gesetzgebung
zeigen französische Unternehmen durchschnittlich wenig Bereitschaft
Maßnahmen für das Gleichgewicht Familie/Arbeit einzuführen.
Obwohl die existierenden Gesetze sowohl für Männer wie auch
für Frauen sind, werden sie überwiegend von Frauen in Anspruch
genommen, wie Teilzeitarbeit, Betreuung von krankem Kind zu
Hause, Erziehungsurlaub.
Deutschland
Auch hier gilt, daß die Gesetze so anlegt sind,
daß beide Elternteile Erziehungsurlaub nehmen könnten. Allerdings
wird auch in Deutschland, wo der Erziehungsurlaub 36 Monate
beträgt, der Erziehungsurlaub überwiegend nur von Frauen genutzt.
Nur ca. 1-2% der Männer nutzen ihren Anspruch und nehmen Erziehungsurlaub
oder Teilzeitarbeit nach der Geburt eines Kindes. Dies hängt
sicherlich mit dem u.a. geringen finanziellen Ausgleich (ca.
DM 600,- monatlich) und auch der noch zu geringen Akzeptanz
im männlichen Berufsleben zusammen. Bis heute definiert sich
ein Großteil der Männer überwiegend über ihre Funktion im
Berufsleben.
Allerdings erarbeitet man in Deutschland zur
Zeit ein neues Gesetz, nach dem es möglich sein wird, daß
beide Partner den Erziehungsurlaub gleichzeitig in Anspruch
nehmen können - verbunden mit der Möglichkeit, weiterhin bis
zu 30 Stunden pro Woche Teilzeit zu arbeiten. Damit soll dafür
gesorgt werden, daß das Familieneinkommen nicht so drastisch
reduziert wird und der Erziehungsurlaub insbesondere auch
für die Väter attraktiver wird.
Dänemark
In Dänemark haben die Väter das Recht auf zwei
Wochen Urlaub nach der Geburt des Kindes. Mehr als 50% der
Väter machen davon Gebrauch. Im öffentlichen Dienst nehmen
fast alle Väter diesen (zusätzlichen!) Urlaub in Anspruch,
da er vollen Lohnausgleich beinhaltet. Der Erziehungsurlaub
(+ Mutterschutzzeit) beträgt in Dänemark insgesamt 24 Monate.
Hiervon hat der Vater das Recht insgesamt 10 Wochen zu Hause
zu bleiben. Allerdings nehmen auch hier nur ca. 10% der Väter
den Erziehungsurlaub (trotz vollen Lohnausgleichs im öffentlichen
Dienst) in Anspruch genommen. In Dänemark setzt sich bei jungen
Familien mehr das "Puzzle-System" durch, beispielsweise:
die Mutter arbeitet morgens, der Vater bringt die Kinder in
den Kindergarten und arbeitet erst ab dem späten Vormittag.
Dies belegen Zahlen mit einem hohen Anteil an teilzeitarbeitenden
Müttern und Vätern.
Österreich
Nach der Geburt eines Kindes haben die Eltern
Anrecht auf einen Karenzurlaub bis maximal zum 24. Lebensmonat
des Kindes. Ab dem 18. Lebensmonat kann der Karenzurlaub nur
vom zweiten Elternteil beansprucht werden, sonst erlischt
er. Während des Karenzurlaubes wird den Familien ein Zuschuß
von rund ös 5500.- monatlich ausgezahlt. Bei Alleinerziehenden
oder Familien mit sehr niedrigem Einkommen kann der Zuschuß
noch um ös 2500.- erhöht werden. Gemäß verschiedener Bestimmungen
muß dieser Teil aber zurückbezahlt werden.
Dieser Vergleich beinhaltet nur einige unserer
europäischen Mitgliedsstaaten. Die Gesetzgebung in allen Staaten
ist allerdings - trotz vereinigtem Europa - im Bereich Schwangerschaft,
Geburt und Erziehungszeiten nach der Geburt von Kindern sehr
unterschiedlich. Leider kann man zur Zeit bei allen verglichenen
Staaten erkennen, daß die Väter auch ihre rechtlichen Erziehungszeiten
noch wenig nutzen und die traditionelle Familienaufteilung
- trotz Anerkennung der Männer über die Wichtigkeit ihrer
familiären Rolle - Mutter mit Kind(ern) zu Hause/Vater im
Berufsleben die Regel ist.
Wie bereits eingangs berichtet, ist es aber
nicht von der Hand zu weisen, daß wir uns in einer Zeit wichtigen
familiären gesellschaftlichen Wandels befinden und man hoffen
darf, daß auch Wirtschaftsbetriebe, Behörden und andere Arbeitgeber
die Wichtigkeit von geteilten Arbeits- und Erziehungszeiten
erkennen und unterstützen.
Zahlenquellen: European Network, Family
& Work (1998)/Fachtagung "Mehr Leben ins Männerleben"
(Jan. 2000)
Gabriele Nuber
[Info März 2000]
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