Aktive Vaterschaft - von Anfang an
Wie ist das Väterprojekt entstanden?
Betrachten wir das überwiegende Modell der
Familie, so kann festgestellt werden, daß Väter keine sehr
aktive Rolle in der Erziehung und Betreuung ihrer kleinen
Kinder spielen. Familienfreundliche berufliche Maßnahmen,
wie Teilzeitarbeit, werden von Vätern kaum genutzt. Frauen
sind durch die Mehrfachbelastung oft überfordert und vielen
Paaren gelingt der Übergang vom Paar zur Elternschaft nicht
gut, was die hohen Scheidungsraten nach der Geburt des ersten
oder zweiten Kindes deutlich machen. Da sich aber in der Schwangerschaft
viele Männer interessiert zeigen und ihre Partnerin zum Gynäkologen
und zu Geburtsvorbereitungskursen begleiten, hatten die Mitarbeiterinnen
der Initiativ Liewensufank die Idee, ab diesem Zeitpunkt die
Väter intensiver einzubeziehen. Oft erscheinen werdende Väter
nur auf besonderen Wunsch ihrer Frauen in Geburtsvorbereitungskursen
und erleben erst in der Kurssituation, wie spannend es ist,
sich mit anderen Menschen in ähnlicher Situation auszutauschen
und wie wichtig ihre Position vor, während und nach der Geburt
für die werdende Mutter und das Baby ist. Es sollte nicht
ausschließlich die Frau im Mittelpunkt des Geschehens stehen,
sondern der zukünftige Vater sollte in speziellen Kursen besondere
Beachtung finden. Da ungefähr zeitgleich der Elternurlaub
für Mütter und Väter eingeführt wurde, ergab sich ein günstiger
Zeitpunkt, die gemachten Erfahrungen in eine neue Kursform
umzusetzen und verstärkt auf das Vaterwerden und Vatersein
einzugehen.
Ziele des Projektes "Aktive Vaterschaft
– von Anfang an" sind die folgenden:
- die Väter dabei zu unterstützen, ihr Recht auf Familienleben
stärker zu verwirklichen und sich in ihrer Vaterrolle
zu engagieren, indem sie mehr Verantwortung im Familienleben
übernehmen, d.h. eine Veränderung und Aufwertung der
Vaterrolle herbeizuführen
- die Frauen durch eine gerechtere Aufteilung der elterlichen
Verantwortung entlasten, was auch Chancengleichheit
zwischen Männern und Frauen in anderen Bereichen begünstigt
- Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen innerhalb
der Familie fördern, damit auch ein Modell für zukünftige
Generationen entsteht
- ein Klima des Austausches schaffen, welches den Dialog
über die Veränderungen des Paares zu Eltern, zu Mutter
und Vater innerhalb des Paares und in der Gruppe fördert
- den Vätern alle Informationen über Neugeborene
geben, um sie auf einen gleichen Wissensstand über
Geburt und Elternschaft zu bringen wie die Frauen
- den Vätern zu den Kompetenzen verhelfen,
die es ihnen erleichtern, ihre Vaterrolle zu leben.
Finanzierung
In einem ersten Anlauf war das Projekt "Aktive
Vaterschaft – von Anfang an" als transnationales Projekt
dem 4. Aktionsprogramm für Chancengleichheit unterbreitet
worden. Es wurde leider abgelehnt. Das luxemburgische Frauenministerium
aber fand das Projekt nach unserer Konzeptvorstellung sehr
unterstützenswert und übernahm die gesamte Finanzierung des
nationalen Projektes über 2 Jahre. Eine weitere Unterstützung
wurde in Aussicht gestellt.
Der "neue" Geburtsvorbereitungskurs
Der Geburtsvorbereitungskurs des sogenannten
"Väterprojekts" unterscheidet sich in einigen Dingen
von den herkömmlichen Geburtsvorbereitungskursen.
Wie immer wurde auch in diesem Kurs Wert darauf
gelegt, dass die Kurse als Paarkurse angelegt sind und jeder
Abend bzw. Wochenende so gestaltet wird, dass beide Partner
sich angesprochen fühlen. Um in diesen Kursen eine besondere
Ansprache der Männer zu erreichen, haben wir uns entschlossen
neben der weiblichen Geburtsvorbereiterin/Hebamme, einen männlichen
Fachmann (aus einem psychosozialen Berufsbereich) einzustellen.
Erfahrungsgemäß ist es für die meisten Menschen leichter,
sich zuerst mit einer gleichgeschlechtlichen Person über den
Bereich Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft zu unterhalten.
Außerdem besteht so die Möglichkeit in Kleingruppen getrennt
(jeweils Männer und Frauen) spezielle Wünsche, Ängste, Probleme
und Freuden besprechen zu können. Wichtig ist, die Gruppen
danach immer wieder zusammenzubringen, um zu gewährleisten,
dass anschließend ein gemeinsames Gespräch über das jeweils
anstehende Thema zustande kommt. In jedem Themenbereich wird
darauf geachtet, dass die werdenden Mütter wie auch die werdende
Väter sich angesprochen fühlen. Es wird versucht, beide Positionen
in ihrer Gewichtigkeit darzustellen. Weiterhin wurde in den
neu gestalteten Kursen, der Teil, der die werdende Familie
betrifft, wesentlich verlängert und erhielt so eine ganz neue
Dimension. Der Kurs des Väterprojekts ist also kein reiner
Kurs mehr, der auf die Geburt hin arbeitet, sondern beinhaltet
auch verstärkt die Thematik des Familie-seins und des Paar-bleibens
(auch mit Baby). Neben des veränderten Kursablaufs, wurde
der Kurs auch um einige Aktivitäten erweitert.
Nach der Geburt
Nach der Geburt des Kindes wurden spezielle
Babymassagekurse für Väter angeboten. Während der Babymassagekurs
lief, gab es dann parallel dazu die Möglichkeit, dass die
Frauen evtl. bestehende Fragen mit einem/er anwesenden Mitarbeiter/in
der Initiativ Liewensufank besprechen. Außerdem wird für die
frisch gewordenen Mütter Rückbildungsgymnastik angeboten.
In dieser Zeit sollen die Babys durch die Väter betreut werden.
Auch hier steht dann ein/e Mitarbeiter/in der Initiativ Liewensufank
als Ansprechpartner/in für evtl. auftretende Fragen zur Verfügung.
Abgeschlossen wird der Kurs mit einem Nachtreffen an dem die
jungen Eltern mit ihrem Baby und die Kursleiter teilnehmen.
Statistische Erhebung
Begleitet wurde das Pilotprojekt durch eine
statistische Erhebung, bei der die teilnehmenden Paare
jeweils zu Beginn und am Ende des Kurses und nach der
Geburt des Babys gebeten wurden, einen umfangreichen
Fragebogen anonym auszufüllen. Ausgewertet wurde dieser
dann von einer unabhängigen Psychologin in Wien. [Ergebnisse]
Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit
Oeko-Foire
Der letztjährige Stand der Oeko-Foire 1999
der Initiativ Liewensufank stand unter dem Motto des Väterprojekts.
Es wurden eine Reihe spezieller Bücher zum Vater-werden und
Vater-sein vorgestellt, ebenso wie Erklärungen zum Kurskonzept
gemacht und diverse Fotos von teilnehmenden Vätern ausgestellt.
Außerdem hatte sich eine Kindergartengruppe mit dem Thema
Väter und Kind beschäftigt, so daß wir schöne Zeichnungen
der Kleinen zeigen konnten.
Bücher/Bibliothek/Zeitschriften
Während der Laufzeit des Kurses entstand eine
umfangreiche Büchersammlung zum Thema Vater-sein und Vater-werden.
Ebenso gibt es eine große Zahl an interessanten Veröffentlichungen
aus Zeitungen und Zeitschriften. Es wurde die Zeitschrift
"PAPS" abonniert, die sich ausschließlich dem Thema
"Väter" widmet. Diverse umfangreiche wissenschaftliche
Untersuchungen zum Thema "Männer/Väter" sind von
uns angefordert und in Kurzform gefasst und ausgewertet worden.
Info
Es erschienen zwei spezielle Infos in
deutscher Sprache (März und Juni) und ein Info in französischer
Sprache (Mai), die sich ausschließlich dem Thema "Väter"
widmen.
Internet
Diese Internetseiten der Initiativ Liewensufank
zum Thema "Väter" sind ein Teil des Projektes.
Organisationen im In- und Ausland
Im Laufe des Projektes ergaben sich gute Kontakte
zu anderen in- und ausländischen Organisationen, die im Väterbereich
aktiv sind.
Das Väterprojekt fand auch internationale Beachtung
und wurde beim ENCA Meeting 1999 und 2000 vorgestellt
und bei der europäischen Konferenz
in Evora vorgestellt.
Gabriele Nuber
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