Die Rolle des Vaters
Die Rolle des Vaters in der Schwangerschaft
Werdende Väter machen ähnlich verwirrende Zeiten
durch wie Mütter. Die Schwangerschaft ist für sie eine Zeit,
in der sie ihre Rolle und ihre Verantwortungen neu überdenken.
Werden sie die Familie versorgen können, werden sie dem Kind
ein gutes Vorbild sein, werden sie ihre Frau ausreichend unterstützen
können, die sich selbst an die ungeheuren Veränderungen durch
ihren neuen Zustand gewöhnen muß? Der Mann denkt zurück an
die Erfahrungen, die er mit seinem eigenen Vater gemacht hat,
was nicht immer unbedingt nur hilfreich ist. Kompliziert wird
das Ganze noch dadurch, daß in der modernen Kleinfamilie der
junge Vater häufig die einzige echte Unterstützung für seine
Frau darstellt, da die Verwandten entweder zu weit entfernt
wohnen oder die nötige seelische Nähe nicht vorhanden ist.
Der werdende Vater hat natürlich zusätzlich auch seine eigenen
Sorgen und Bedürfnisse, die ebenfalls sein Verhalten während
der Schwangerschaft beeinflussen.
Väter finden nur wenig Unterstützung und Anleitung,
wie sie eine aktivere Rolle bei Frau und Baby einnehmen können.
Das ist besonders bedauerlich, denn die meisten jungen Väter
heutzutage würden gern ihr Teil tun, und diese wichtige Energie
sollte für das Bonding genutzt werden. Schon vor Jahren erkannte
die Anthropologin Margaret Mead die potentielle Stärke der
Vater-Kind-Bindung: "In keiner Gesellschaft, deren Funktionieren
davon abhängt, daß Männer ihr Heim verlassen und in die Welt
hinausgehen, um ihre Pflicht für die Allgemeinheit zu tun,
ist es erlaubt, daß junge Väter ihre neugeborenen Kinder berühren
oder im Arm halten dürfen. Das ist ein Tabu. Denn irgendwie
weiß man, daß sonst der junge Vater sich mit seinem Kind so
sehr "verhakeln" würde, daß er es nicht mehr verlassen
und in der Welt seine Aufgaben für die Allgemeinheit nicht
erledigen könnte." Aber in unserer auf sich gestellten
Kleinfamilie gibt es nichts Wichtigeres für den Vater, als
die emotionale Bindung zu Frau und Kind zu festigen. Wenn
der Geburtshelfer, die Hebamme oder der Kinderarzt bei einem
Untersuchungstermin vor der Geburt auch ein paar Fragen an
den werdenden Vater richtet, wird der sich in seiner zukünftigen
Rolle bestätigt fühlen. Er gewinnt an Selbstbewußtsein, was
wiederum einen Einfluß darauf hat, wie bereitwillig er seine
wichtige Aufgabe während der Entbindung und nach der Geburt
übernimmt.
Schwangerschaft war früher im Leben einer Familie
eine Übergangszeit, in der die aufmerksame Unterstützung der
Schwangeren Teil der überlieferten Sitten und Gebräuche war.
Heute stellt eine Schwangerschaft häufig eine Krisensituation
dar, weil die Gesellschaft keinerlei Strukturen bereithält,
die den werdenden Eltern bei den umfassenden Veränderungen
und Schwierigkeiten während der Schwangerschaft beistehen.
Die Väter nach der Geburt
Väter werden auf ihre spezifische Weise mit
ihren Neugeborenen verbunden (attached). Gesellschaftliche
Veränderungen und neue Erwartungen junger Eltern haben vielleicht
vermuten lassen, daß die Rollen von Vater und Mutter heute
nahezu austauschbar seien. Wir sind aber mit Winnicott der
Meinung, daß bei vielen Aufgaben Vater und Mutter eine eigene,
separate Rolle übernehmen sollten. Ein Vater ist kein Ersatz
für die Mutter, ist jedoch im Leben seines Neugeborenen aus
vielen anderen Gründen überaus wichtig.
Michael Yogman, Kinderarzt und Forscher, ist
der Meinung, daß beide Eltern sich während der Schwangerschaft
psychisch auf das Kind und auf ihre neue Elternrolle einstellen
müssen. Der werdende Vater allerdings kann im Gegensatz zur
Mutter das Vorhandensein und Wachsen des Babys nicht körperlich
fühlen. Das führt dazu, daß manche Väter in dieser Zeit einen
besonderen Beweis für ihre Produktivität und Kreativität suchen,
daß sie mehr als sonst arbeiten und für sie die finanzielle
Sicherheit ihrer Familie zur Priorität wird. Es ist für den
Mann in einer solchen Situation nicht immer leicht, gleichzeitig
seiner Frau die emotionale Unterstützung zu geben, die sie
während der Schwangerschaft braucht. Immer wieder konnte man
beobachten, daß die Frau dann besonders gut mir ihrer Schwangerschaft
leben kann, wenn ihr Mann auf sie eingeht und für sie da ist.
Für die starke Gefühlsreaktion des Vaters auf
sein neugeborenes Kind hat sich im Englischen der Begriff
engrossment eingebürgert. Engrossment ("Verzückung")
umfaßt völliges Absorbiertsein, umhegende Fürsorglichkeit
und tiefes Interesse. Die Verzückung des Vaters hat mehrere
für die entstehende innere Bindung (bond) an sein Kind
ganz typische Aspekte: er fühlt sich hingezogen zu dem Kleinen,
er betrachtet das Neugeborene als "perfekt", er
wird von einem Hochgefühl ergriffen, und seine Selbstachtung
steigt beträchtlich.
Der Psychologe Ross Parke hat in sorgfältigen
Beobachtungen nachweisen können, daß Väter ebenso stark wie
Mütter auf bestimmte Verhaltensweisen des Neugeborenen, etwa
stimmliche Äußerungen, reagieren. Väter und Mütter unterscheiden
sich allerdings in der Art und Weise, wie sie auf ihr Baby
eingehen: Väter sprechen mit ihrem Kind, während Mütter mehr
dazu neigen, durch Berühren Kontakt mit ihm aufzunehmen. Parke
bemerkt dazu: "Die Daten zeigen, daß sowohl Vater wie
Mutter auf das Neugeborene in angebrachter und funktioneller
Weise reagieren, wenn auch ihre Reaktionsmuster spezifisch
verschieden sind". (Er stellte auch fest, daß Väter und
Mütter nicht nur ähnlich sensibel auf die Bedürfnisse des
Neugeborenen eingehen, sondern auch beim Füttern mit der Flasche
gleichermaßen erfolgreich sind, wenn man die getrunkene Milchmenge
als Maßstab nimmt). Die Babys selbst tragen dazu bei, daß
Väter sich mit ihnen beschäftigen und Zuneigung zu ihnen entwickeln.
Laut Daniel Stern, psychiatrischer Experte für Neugeborene,
kommunizieren Säuglinge mit Vater und Mutter auf eine ganz
spezifische Weise; sie erkennen das Stimmuster des eigenen
Vaters und regieren darauf.
Parke ist der Meinung, daß der Vater im Krankenhaus
frühzeitig und ausführlich mit seinem Baby in Kontakt kommen
sollte, weil dort die Eltern-Kind-Bindung ihren Ursprung hat.
"Mutter und Kind haben in der Klinik Gelegenheit, viel
übereinander zu lernen, eine Möglichkeit, die der Vater im
allgemeinen nicht hat. Er sollte aber aktiv daran beteiligt
sein, nicht nur, damit er Interesse für sein Kind entwickelt
und das Gefühl bekommt, daß es auch sein Kind ist, sondern
damit auch er lernt, wie mit dem Neugeborenen umzugehen ist".
Parke kam zu der Überzeugung, daß sich Väter sehr viel mehr
für ihre Neugeborenen interessieren und an ihrem Wohlergehen
Anteil nehmen, als man in den USA gemeinhin angenommen hatte.
Aus anderen Untersuchungen geht hervor, daß der Vater sich
in den ersten drei Monaten sehr viel mehr um sein Baby kümmert,
wenn man ihn dazu bewegen konnte, das Baby in den ersten drei
Tagen nach der Geburt mindestens zweimal an- und auszuziehen
und insgesamt mindestens eine Stunde lang direkten Blickkontakt
mit ihm zu haben.
Was es bedeutete, wenn Väter ihre neugeborenen
Kinder gleich nach der Geburt anfassen durften, konnte man
in zwei Krankenhäusern im schwedischen Göteborg feststellen,
in denen unterschiedliche Regeln nach einem Kaiserschnitt
galten. Väter, die frühen körperlichen Kontakt mit ihren Neugeborenen
hatten, wurden mit anderen verglichen, deren Babys in Brutkästen
lagen und nicht berührt werden durften. Als die Väter drei
Monate später beim Spielen mit ihren Kindern beobachtet wurden,
berührten die Väter mit dem Frühkontakt ihre Kinder mehr und
hielten sie häufiger so, daß ihnen das Gesicht des Kindes
zugewendet war, als es bei den Vätern ohne den frühen Kontakt
der Fall war. Der Brutkasten mag noch eine verstärkende Wirkung
gehabt haben, aber man kann wohl sagen, daß vor allen Dingen
der frühe körperliche Kontakt das Verhalten des Vaters zu
seinem Kind verändert hatte. Zu ähnlichen Ergebnissen ist
man auch in den Vereinigten Staaten gekommen. T. Berry Brazelton
verglich die Erfahrungen von Vätern, die erst bei ihrem zweiten
Kind bei der Geburt dabeigewesen waren: "Die Väter haben
mir immer wieder berichtet, daß nicht nur ihre Bindung an
das zweite Kind so anders war, weil sie die aufregende Zeit
der Wehenphase und Geburt miterlebt hatten, sondern sie fühlten
sich auch ihren Frauen viel näher, weil sie ein so intimes
und wichtiges Ereignis gemeinsam erlebt hatten".
Wenn eine Mutter nach der Geburt nicht gleich
in der Lage ist, ihre Baby bei sich zu haben, kann das Neugeborene
die notwendige körperliche Wärme und Sicherheit auch vom Vater
erhalten. Ein sechsjähriger Junge überraschte seine Mutter
eines Tages mit folgendem Ausspruch: "Mami, als ich geboren
war, lag ich in einem Kasten. Du warst nicht da, aber das
machte nichts, denn Daddy war ja bei mir". Die Mutter
erzählte später davon, und es stimmte! Der Junge war drei
Wochen zu früh gekommen, da seine Mutter überraschend durch
Kaiserschnitt mit Vollnarkose entbunden werden mußte. Sie
hatte sich nur langsam von der Narkose erholt und hatte ihr
Kind erst nach vierundzwanzig Stunden sehen und im Arm halten
können. Sie hatte immer Schuldgefühle deshalb gehabt, hatte
geglaubt, daß ihr Sohn unter ihrer Abwesenheit gelitten hatte,
hatte aber nie darüber gesprochen. Seine Worte beruhigten
sie sehr.
Eine andere Mutter war sehr traurig und enttäuscht,
daß sie ihr Baby wegen der Narkose nicht gleich nach dem Kaiserschnitt
bei sich haben konnte. Als man später mir ihr noch einmal
den Ablauf der Geburt durchging, erfuhr sie, daß ihr Mann
sein Kind sofort nach der Geburt in den Arm genommen und daß
das Baby ihn sehr zufrieden angesehen hatte. Sie erfuhr auch,
daß sie schneller aus der Narkose aufgewacht war, als sie
angenommen hatte. Als sie sich die Geburt ihres Kindes nun
noch einmal vergegenwärtigte, durchdrang sie eine tiefe Liebe
zu diesen Kind und ein Gefühl der Sicherheit, weil ihr klar
wurde, was sie und das Baby ihrem Mann bedeuteten.
Die neue Rolle des Vaters
Trotz der Veränderungen in unserer Gesellschaft
sind wir mit Winicott der Meinung, daß die Rollen von Vater
und Mutter nicht austauschbar sind, wie wir auch schon in
einem früheren Kapitel erwähnt haben. Er sagt:
"Der Vater kann einen schützenden Raum
schaffen, der die Mutter umgibt, damit sie sich in einer Zeit,
in der sie sich am liebsten nur mit ihrem Baby und seinen
Bedürfnissen beschäftigen möchte, nicht mit Problemen ihrer
normalen Umwelt auseinandersetzen muß. Dieser Zustand, in
dem eine Mutter instinktiv nur für das Baby sorgen möchte,
dauert nicht sehr lange. Die Bindung der Mutter an das Kind
ist anfangs sehr stark, und wir müssen alle dazu beitragen,
daß sie in dieser wichtigen Zeit nur für ihr Baby dasein kann,
so wie es von der Natur vorgesehen ist".
Die komplexen Probleme in unserer heutigen
Zeit, in der Beziehungen und Rollenvorstellungen viele Veränderungen
durchmachen, wurden uns in folgendem Fall besonders deutlich.
Ein berufstätiges junges Paar hatte vor der Geburt seines
Kindes einen Plan aufgestellt, da sie sich die Aufgaben teilen
wollten. Der Vater nahm an der Geburt seines Kindes aktiv
teil, aber schon ein paar Tage später beklagte er sich, daß
er nur die unangenehmen Pflichten der Babyversorgung zu erfüllen
hätte, nämlich Windelnwechseln, Baden und Ankleiden des Babys,
während seine Frau lediglich die angenehme Aufgabe hätte,
das Baby zu stillen, etwas, wozu er nicht in der Lage sei.
Die Frau wiederum meinte, daß sie nur zum Stillen gut sei,
während ihr Mann das Vergnügen hätte, das Baby trockenzulegen,
zu waschen und anzukleiden. In einem ausführlichen Gespräch
wurde beiden bewußt, daß alle Aufgaben gleich wichtig und
nicht gegeneinander aufzurechnen sind, und brachten es fertig,
über sich selbst zu lachen.
Ein zweites Kind macht die Arbeitsteilung nicht
einfacher. In einem anderen Fall waren Mutter und Vater zu
etwa gleichen Teilen an der Versorgung ihres ersten Kindes
beteiligt gewesen. Als nun das zweite, geplante Baby geboren
war, erwartete die Mutter, daß der Vater sich wie beim ersten
an der Versorgung beteiligen würde. Gerade zu dieser Zeit
aber stand ihr Mann unter großen Belastungen am Arbeitsplatz.
Er empfand seinen Anteil an der Betreuung des Neugeborenen
als übermäßig groß, vor allem, weil er auch Zeit für sein
älteres Kind haben wollte, das selbst noch im Kleinkindalter
war. Aber er sagte nichts, sondern nahm seiner Frau das Baby
nach dem Stillen ab und beschäftigte sich mit ihm, bis es
wieder Hunger hatte oder einschlief. Häufig aber wußte er
nicht, ob das Baby noch hungrig war, wenn es sich nicht beruhigte,
oder ob es nur herumgetragen werden wollte, und er ärgerte
sich, daß ihm diese Entscheidung überlassen war. Da er eine
so wunderbare Beziehung zu dem ersten Baby gehabt hatte, konnte
seine Frau nicht verstehen, warum es jetzt solche Probleme
gab, und sie kam zu dem Schluß, daß er dieses Kind irgendwie
ablehnte. Als sie endlich über die Situation sprachen, stellte
sich heraus, daß er meinte, er dürfe sich nicht über die Extraarbeit
beklagen, weil sich seine Frau sonst ungeliebt und in ihrer
Mutterrolle nicht respektiert fühlte. Er hielt dieses Thema
also für tabu, traute sich nicht zu erwähnen, daß das zweite
Kind sehr viel anstrengender und zeitraubender war, als er
erwartet hatte. Erst nachdem er jetzt frei über seine Gefühle
gesprochen hatte, konnten er und seine Frau die Situation
auch in den Griff bekommen. Solche Dinge scheinen geringfügig,
aber Mißverständnisse entstehen leicht und können einen Keil
zwischen Mann und Frau treiben, wenn man nicht über die Probleme
spricht und die Mißverständnisse aufklärt.
Ein besonders wichtiger Aspekt der väterlichen
Rolle ist die des Vermittlers zwischen Mutter und Außenwelt.
Wir haben immer wieder beobachten können, daß Mutter und Baby
sich in der ersten Zeit nach der Geburt besonders wohl fühlten,
wenn die Probleme der Außenwelt von der Mutter ferngehalten
wurden. Sie genießt es, zur selben Zeit wie ihr Baby zu schlafen,
und ist entsprechend seltener übermüdet und erschöpft. Häufig
kommen kurz nach der Geburt Freunde und Verwandte, um Mutter
und Kind zu besuchen. Die Mutter fühlt sich bemüßigt, ihre
Gäste zu unterhalten und zu bewirten, und hat keine Zeit,
die nötigen Ruheperioden einzuhalten. Dann geht der Besuch
erst spät am Abend, um sich zu Hause schlafen zu legen, während
für die Mutter die anstrengenden Nachtpflichten erst beginnen.
Gastfreundschaft und Höflichkeit sind zwar schön und gut,
aber in der ersten Zeit nach der Geburt muß die Mutter in
erster Linie an sich selbst denken. In solchen Fällen kann
der Vater die Beantwortung des Telefons übernehmen und ungebetene
Gäste an der Haustür "umlenken". Bei telefonischen
Anfragen kann er sagen, seine Frau sei nachts mit dem Baby
aufgewesen, sie schlafe jetzt und werde später zurückrufen.
Unangemeldeten Besuch kann er an der Tür freundlich bitten,
in ein paar Tagen kurz hereinzukommen. Wenn das nicht möglich
ist, sollte er die Besucher hereinbitten, allerdings deutlich
machen, daß seine Frau nur kurz guten Tag sagen kann. Das
klingt vielleicht etwas streng und ist hier auch nur als Vorschlag
gemeint, der je nach Zustand der Mutter und Wertschätzung
der Besucher abgeändert werden kann. Mutter und Vater sollten
über die verschiedenen Möglichkeiten sprechen und ihre Haltung
Besuch gegenüber von dem Befinden der Mutter und dem Schlafrhythmus
des Babys abhängig machen.
Damit das Paar mit der ständigen Müdigkeit,
mit seinen veränderten Rollen als Mutter und Vater, mit neuen
Aufgaben und Unterbrechungen beim Essen, mit Einschränkungen
beim Schlafen, Sex und ihren gewohnten gesellschaftlichen
Aktivitäten einigermaßen zurechtkommen kann, müssen beide
sich ganz besonders darum bemühen, den Partner zu verstehen,
zu unterstützen und ihm gegenüber offen zu bleiben. Es ist
für Außenstehende schwer vorstellbar, wie stark Eltern unter
Müdigkeit leiden können, wenn die Eß- und Schlafgewohnheiten
ihres Babys dem normalen Rhythmus von Tag und Nacht nicht
folgen. Da hilft es, wenn sie sich bei den nächtlichen Pflichten
abwechseln, aber es ist für sie mindestens so wichtig, miteinander
ehrlich über ihre Gefühle zu sprechen. Ein Vater muß wissen,
welchen physischen Belastungen seine Frau auch noch nach der
Geburt ausgesetzt ist. Wenn das Paar auch schon vor der Geburt
des Kindes viel miteinander gesprochen hat, wenn beide ähnliche
Vorstellungen im Hinblick darauf haben, wie sie ihr Kind erziehen
wollen, und wenn der Vater sich selbst das Kind von Herzen
gewünscht hat, werden sie zu einem offenen Verständnis finden.
Sollte es Konflikte geben, kann das Paar sie häufig im Gespräch
mit einer außenstehenden Person, etwa einem Therapeuten oder
Arzt, besser lösen als allein.
Die Probleme des Vaters haben häufig mit seinen
eigenen frühen Erfahrungen zu tun. Ein Vater berichtete, daß
er sich seinem Baby nicht besonders verbunden fühle und sich
nicht für fähig halte, das Kind zu versorgen. Es stellte sich
heraus, daß er seinen eigenen Vater nie gekannt hatte und
erst in einem Waisenhaus und dann in Pflegefamilien groß geworden
war. Er hatte keinen Vater, den er sich zum Vorbild hätte
nehmen können, und man mußte ihm Mut machen und ihm dabei
helfen, zu entdecken, daß auch er durchaus in der Lage war,
sich seinem Kind liebevoll zuzuwenden. Es stellte sich heraus,
daß er sogar ausgesprochen zärtlich mit seinem Neugeborenen
umging, ohne daß es ihm bewußt war. Als er darauf hingewiesen
wurde, wurde er im Hinblick auf seine väterlichen Fähigkeiten
selbstbewußter und begann sich an den Reaktionen seines Babys
zu freuen, als wir mit beiden den "Brazelton Neonatal
Assessment"-Test machten. Er sah, wie das Baby sich einem
Geräusch zuwandte und das Gesicht seines Vaters mit den Augen
verfolgte. Er erlebte, daß das Baby auf ihn reagierte und
seine Aufmerksamkeit erregen wollte. Die Leere, die er selbst
als Kind gefühlt hatte, konnte nun allmählich dadurch ausgefüllt
werden, daß sich Schritt für Schritt eine Beziehung zwischen
ihm und seinem Sohn entwickelte.
Solche Väter können besonders viel aus Begegnungen
mit anderen Vätern lernen und sollten, wie Mütter in Müttergruppen,
in Vätergruppen über Gefühle und Probleme sprechen und sich
darüber austauschen, wie sie am besten mit ihren Babys Kontakt
aufnehmen können.
Auszüge aus dem Buch "Der erste Bund fürs
Leben" von Marshall H. Klaus, John H. Kennell, Phyllis
H. Klaus, aus dem Rowohlt-Verlag, welches leider vergriffen
ist. Zusammengestellt von Maryse Lehners
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