Stillen - eine Auseinandersetzung mit der Vaterrolle
Stillen ist Sache der Mütter oder besser noch:
ihr Privileg!? Ich finde ja. Und, um es deutlich zu sagen,
ich finde es auch gut so. Neben den vielen guten Gründen für
das Stillen, die ich an dieser Stelle nicht wieder aufzählen
will - das geschieht in anderen Artikeln häufig und wohl auch
fundierter, als ich es könnte - interessiert mich als Vater
und als Psychologe, welche Einstellungen Väter zum Stillen
haben, welche Gefühle sie mit dem Stillen verbinden, welche
Vorteile Väter für sich selbst im Stillen erkennen und welche
Nachteile. Welcher Einfluß hat Stillen auf die Paarbeziehung?
Weiter interessiert mich, wie Väter sinnvoll auch in der ersten
Zeit nach der Geburt zu Beteiligten werden. Und mich interessiert,
in welchem Grad Väter übers Stillen informiert sind und welche
Fragen sie selbst dazu beschäftigen.
Informationsmöglichkeiten gibt es inzwischen
viel. Aber wenden sich die Institutionen, Verbände, Krankenhäuser,
die Hebammen und Ärzte auch an den "stillenden Vater"?
Die zehn Schritte zum erfolgreichen Stillen als Empfehlung
für Geburtshilfliche Einrichtungen, wie sie u.a. von UNICEF
propagiert werden erwähnen den Vater nicht mit einem Wort.
Ebenso die Stillempfehlungen der Deutschen Nationalen Stillkommission
(Stand Juni 1996) oder die der Frauenärztlichen Akademie und
der Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin.
Literatur zum Stillen wendet sich meistens
an Mütter. Selten sind kleine Kapitel dem Vater gewidmet.
Dann wenden sie sich mit Appellen an ihn. Er soll Rücksicht
nehmen, die Frau unterstützen, Verständnis haben, sich zurücknehmen.
Seine Gefühlslage wird übergangen.
Wir wissen spätestens seit Margrid Mahler,
daß der Säugling sich in den ersten Wochen und Monaten noch
eins weiß in seiner Beziehung mit der Mutter. Ein Vater formulierte
es einmal so: "Der Säugling ist die Welt und die Welt
ist der Säugling". Auf die Frage, warum er nicht "der
Säugling ist die Mutter" gesagt hatte, sondern die Welt,
meinte er, er sei ja schließlich auch noch da. Und er achte
genau darauf , eine frühe Beziehung mit dem Säugling aufzubauen.
Die frühe Beziehungs-Chance zwischen Vater und Kind sollte
in der Still-Literatur und in Stillempfehlungen thematisiert
werden.
Neben der steigenden Nachfrage nach Fachliteratur
für werdende Väter ist die Tatsache, daß vielerorts Geburtsvorbereitungskurse
für Paare angeboten werden, ein Indiz dafür, daß Männer sich
aktiv mit der Rolle als Väter zusammensetzen. Geburtshäuser,
niedergelassene Hebammen bieten Paaren kompetente Informationen
rund um die Geburt. Und werdende Eltern denken bis zu diesem
Ereignis. Was aber kommt dann?
Welche Gefühle und Empfindungen haben Väter
in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt? Es ist inzwischen
fast selbstverständlich, daß der Vater bei der Geburt dabei
ist. In den letzten Jahren wird seine Rolle vor und während
der Geburt sehr differenziert diskutiert. Mann weiß heute
mehr über den schwangeren Vater, seine Ängste, seine Wünsche
und seine Strategien mit der Krise Schwangerschaft und der
Umstellung in der Beziehung von einer Zweisamkeit zur Dreisamkeit
umzugehen. In unseren Kursen, die Kristin Adamaszek und ich
gemeinsam geben, besprechen wir diese Fragen.
Wir haben im Laufe des letzten Jahres 35 schwangere
Paare befragt, wie sie sich die erste Zeit nach der Geburt
vorstellen. Und zwar spezifisch in Bezug auf die Situation
des Säuglings, der Mutter und des Vaters.
Alle gingen selbstverständlich davon aus, daß
die Mutter stillen würden und die werdenden Väter würden das
Baby wickeln und baden. Damit ist eine Möglichkeit benannt,
Körperkontakt mit dem Säugling aufzunehmen. Und das ist vielen
Vätern wichtig "Das Kind ist nun da, es ist faßbar".
Die Väter äußerten ihre Vorfreude auf diesen ersten Kontakt
mit dem Kind, daß sie es nun kennenlernen könnten, eine Beziehung
zu ihm aufbauen, und ihre Gefühle für das Kind festigen könnten.
Ein Vater antwortet auf die Frage nach seinen
Gefühlen, wenn die Frau das Kind stillt, "Rührung, Ruhe,
Gelegentlich ein Stück heile Welt". Ein anderer Vater:
"Das Gefühl von Friedlichkeit. Eine große Zuneigung zu
den beiden, und das Gefühl für sie da sein zu wollen".
Ein dritter bemerkte: "Wärme, Geborgenheit, Nähe, Liebe".
Dies deutet einerseits auf eine romantische Sicht und anderseits
auf eine innere Zufriedenheit von Vätern über die Rollenverteilung
der Natur. Allerdings sind für manche Väter diese positiven
Empfindungen vermischt mit der Erkenntnis, eine andere Rolle
zu haben. "Stillen heißt auch, alles dafür zu tun, daß
die Frau das Kind stillen kann. Ich sorge für die beiden.
Und das ist eine schöne Aufgabe." Ein anderer Vater sprach
von der Gleichzeitigkeit von "Liebe, Eifersucht, Geborgenheit,
Ausgeschlossenheit, Neid und Sehnsucht." Diese Gefühle
anzuerkennen habe für ihn bedeutet, sich offen mit seiner
Rolle als Vater auseinanderzusetzen.
Die Ambivalenz der Gefühlslage vieler Väter
wird in der Aussage eines Vaters deutlich, dessen Kinder inzwischen
16 und 19 Jahren alt sind: "Es gab Empfindungen, Gedanken
in Richtung Neid, weil Mutter und Kind über das Stillen einen
Kontakt, eine Beziehung hatten, die mir in dieser Form als
Mann nicht möglich war und ich mich zeitweise ausgeschlossen
fühlte. Anderseits war ich froh, glücklich und erleichtert,
daß meine Kinder bekommen haben, was ich für sie gewünscht
habe, ihnen selbst aber nicht geben konnte. Und ich habe die
Atmosphäre von Lebenswillen - Befriedigung - Zufriedenheit
- Entspannung - Geborgenheit, genossen".
Neben diesen Gefühlen sprachen die Väter von
ihren Ängsten, die mit dieser Ambivalenz verbunden sind. Ängste
zu kurz zu kommen, in der zweiten Reihe zu stehen und Eifersucht
über die wunderbare Möglichkeit der Mutter Beziehung und Kontakt
zum Kind zu intensivieren. Viele Väter meinten über das Wickeln
und Baden seien die Möglichkeiten der Kontaktaufnahme sehr
beschränkt.
Jeder Vater hat seine eigene Art,
mit Ängsten umzugehen. Das Kind ist geboren und bei den meisten
Vätern ist die Erleichterung groß, daß alles gut gegangen
ist (wenn alles gut gegangen ist), daß Mutter und Säugling
leben und gesund sind. Eine ungeheure Anspannung fällt von
ihnen ab. Ja, und was dann? Viele Männer fühlen sich nun ausgeschlossen,
hilflos, wenn es darum geht, eine Beziehung zum Säugling aufzubauen.
Dies Feld fühlten sie erst belegt durch die stillende Mutter
und Lebenspartnerin. Und so besinnen sie sich auf die Rolle
als Versorger. In unseren Kursen zeigt sich, daß die meisten
Stichworte zum Vater in der Zeit nach der Geburt das Thema
Versorgung zum Inhalt hatten. Auch die werdenden Mütter haben
hier stark ihre Ansprüche formuliert. Diese Rolle anzunehmen,
gibt manchen Vätern die Möglichkeit einen wichtigen Beitrag
in der Familie zu leisten, es wertet sie auf.
Die Zeit nach der Geburt ist, besonders beim
ersten Kind, eine Zeit radikaler Veränderungen in der Beziehung
von Frau und Mann. Aus dem Liebespaar werden Eltern, aus der
Geliebten wird eine Mutter, aus dem Geliebten wird ein Vater.
(In diesem Artikel möchte ich nur auf diese Konstellation
eingehen. Mir ist durchaus bewußt, wie viele Eltern getrennt
leben und sich die Frage des Stillens für den Vater anders
stellt). Die Frage nach dem Einfluß von Stillen auf die Paarbeziehung
haben wir auch in unseren Kursen thematisiert. Allen war wichtig,
daß die Beziehung in der Stillzeit besonders beachtet und
gepflegt werden soll. Stichworte wie "Aufmerksamkeit
füreinander", "auch an sich denken", "sich
mit Freunden treffen, ausgehen", "sich’s gemeinsam
gut gehenlassen, genießen", zeigten, wie wichtig es den
Paaren war ihre Paarbeziehung zu pflegen.
Die konkrete Frage, ob Stillen Einfluß auf
die Paarbeziehung haben, haben alle Väter ähnlich beantwortet.
"Ja, auf alle Fälle. Durch die Geburt des Kindes wird
die Situation einer Beziehung drastisch verändert. Stillen
und alles , was damit verbunden ist, stellt neue Probleme
dar. Wie diese Situation erlebt wird, hängt auch davon ab,
wie die Partner mit neuen Situationen und Konflikten umgehen
können."
Das Stichwort Sexualität wurde in den Kursen
eher von den Müttern angesprochen. Über das Stichwort Sexualität
wurde jedoch oft von den Männern das Stillen angesprochen.
Stillen bedeutet für viele Väter nicht nur weniger Möglichkeiten
eine Beziehung zum Kind aufzubauen, sondern es macht auch
deutlich, daß die Brüste der Geliebten nun Lustobjekt des
Säuglings sind. Ein Vater fühlte Sehnsucht und Eifersucht
gleichzeitig, "...weil Zärtlichkeit Zuneigung und Aufmerksamkeit
ausgetauscht wurden, die ich manchmal gerne gehabt hätte."
Die Väter äußerten sich jedoch darin übereinstimmend, daß
die Frau ja im Wochenbett sei und Mann sich da gut zurücknehmen
könne, außerdem sei Sex ja nicht alles "ich konnte mich
darauf einstellen, daß das Körperliche reduziert wird, schon
in der Schwangerschaft. In der Stillzeit wurde das noch verstärkt".
Welche Fragen beschäftigen die Väter und welche
Einstellung zum Stillen haben sie? Die Väter sprachen durchweg
positiv vom Stillen und betonten die Natürlichkeit. "Stillen
ist eine Weisheit der Natur. Daher finde ich das Stillen unbedingt
wichtig." Ein Vater meint, das Stillen sei "...sehr
wichtig für die Entwicklung des Kindes und für das Miteinander
von Eltern und Kind." Wieder ein anderer betonte "...eine
natürliche Rollenverteilung in der Elternschaft" "Die
Frau ist so geschaffen, daß sie die Fähigkeit zum Stillen
hat" meinte ein Vater Für ihn gäbe es keine Alternative.
Viele Väter verbinden mit dem Stillen, daß "die Bedürfnisse
des Kindes ernst genommen, akzeptiert werden." Ein Vater
betonte, daß "eine Frage, was ich vom Stillen halte,
fast absurd (ist). Stillen ist auf allen Ebenen das einzig
Richtige für das Kind."
Ich vermute allerdings, daß die Einstellung
der Väter zum Stillen nicht so positiv wäre, wenn die Stillzeit
in der Regel länger als 7 bis 9 Monate dauern würde. Ein Vater
erzähle von einer Frau, die ihr Kind zwei Jahre stillte, "zwei
Jahre Stillen?! Da habe ich große Schwierigkeiten!" diesem
Kommentar stimmten vielen Väter zu. Es wurde dann auch von
vielen betont, daß die Zeit des Abstillens für sie bedeutsam
war. Sie sahen darin eine Möglichkeit, besseren Kontakt mit
dem Kind aufnehmen zu können. Viele Väter erleben diese Zeit
als problematisch in der Paarbeziehung. Sie ist für Mutter
und Kind auch eine Zeit der Ablösung. Das Baby ist größer
geworden, beginnt die Welt zu entdecken. Mutter und Kind sind
nicht mehr so sehr eine Einheit wie noch in den ersten Tagen
und Wochen nach der Geburt. Die Mutter löst sich ein Stück
weit vom Kind und das Kind löst sich ein Stück weit von ihr.
Dies ist für die Frau oft ein schmerzlicher Prozeß. Bisher
"gehörte" der Säugling der Mutter, jetzt kann der
Vater dem krabbelnden Kind seine Welt zeigen und es auf seine
Weise in der Welt empfangen. Für manche Paare wird diese Zeit
als Konkurrenzsituation erlebt. "Es gab da manchmal Konkurrenz
um die Zuneigung des Kindes. Das war der Streit darum, wer
ist besserer Elternteil, Vater oder Mutter?" In solchen
Situationen ist es wichtig, daß die Paare offen darüber sprechen
und nach gemeinsamen Möglichkeiten suchen. Voraussetzung ist
Verständnis füreinander.
Für Väter bedeutet diese Zeit, jetzt ihr Kind
besser kennen lernen zu können. Es gibt Väter die dem Kind
Spielzeug schenken, mit dem sie selbst zu dieser Zeit mehr
anfangen können, als das Kind. Wichtiger ist vielen Väter
aber, jetzt auch Nahrungsquelle für das Kind sein zu können.
Ein Vater drückte dies so aus : "das Kind nabelt sich
ab und die Mutter gibt die Position der allein versorgenden
her. Der Körperkontakt wird geringer und ich kann das Kind
füttern. Ich dringe sozusagen in die Fütterungsdomäne ein."
Ein anderer Vater umschrieb das so: "Du kriegst als Vater
jetzt mehr vom Kind, Mutter gibt Teile der Fütterung auf und
an den Vater ab." Deutlich wird auch in der folgenden
Aussage, daß Väter Frauen um das Stillen beneiden. Es ist
eine Form von Füttern, die Väter in ihrem Anspruch, das Kind
zu versorgen, nicht leisten können. In der Zeit des Abstillens
fühlen viele Väter sich aufgewertet, weil sie das Kind jetzt
(gleichberechtigt) nähren können. "Ich kann satt machen,
toll, ich brauche die Frau nicht dazu." Ein anderer Vater
meinte: "Ich konnte jetzt auch diese Verantwortung tragen,
war ziemlich stolz und es war ein tolles Gefühl, das Kind
zu füttern."
Auf die Frage nach Nachteilen des Stillens
aus Sicht des Vaters wurde der Tagesablauf genannt. Manche
empfinden eine ziemliche Abhängigkeit der Familie vom Kind:
"Das Kind bestimmt den Tag und die Nächte" und "der
Tagesablauf wird sehr stark vom Rhythmus des Kindes geprägt
und die Mutter ist sehr stark eingeschränkt , da ihre persönliche
Anwesenheit zwingend notwendig ist" Ein Vater betonte:
"wenn wir uns nach dem Rhythmus des Kindes richten müssen,
sehe ich das eher als Chance für die neue Familie." Alle
Väter betonten, daß es eigentlich keine Nachteile gäbe. Bezogen
auf die eigene Situation des Vaters haben manche ein Abhängigkeitsgefühl:
"Ich bin tendenziell außer vor" oder "manchmal
taperte ich stundenlang mit dem hungrigen Kind rum, wenn die
Frau nicht da war" oder "wenn die Frau stillt, habe
ich das Gefühl was tun zu müssen, sonst wäre ich ja überflüssig"
Vorteile für das Stillen finden Väter sehr
viele: "Gesunde Ernährung für das Kind", "das
Kind abgeben zu können an die Mutter", "Ruhe für
sich zu haben, wenn das Kind gestillt wird", "das
Vertrauen, das zwischen Mutter und Kind durch Stillen verstärkt
wird", "ich muß nicht rund um die Uhr da sein",
Für die Mutter ist es praktisch, einfach, mit optimalem Kontakt
zum Kind", "für mich ist es mit wenig Aufwand verbunden
und zeitsparend". Ein Vater vermutet, daß "Stillen
praktisch ist, da fertige richtig temperierte Nahrung in ausreichender
Menge überall und jederzeit verfügbar ist." Dies klingt
wie ein Satz aus einer Stillbroschüre, ist aber wirklich so
gesagt worden.
In meinen Gesprächen mit Vätern wurde deutlich,
daß sie sich in der Stillzeit oft überflüssig fühlen "Mama
stillt und Papa steht daneben" meinte ein Vater. Die
gesellschaftliche Forderung, daß sich ein neuer Vater etablieren
soll, stößt hier auf Grenzen in der Umsetzung. Väter können
nicht stillen. Punkt. Sie suchen eine ebenso wichtige Aufgabe
und finden die, die Familie zu versorgen. Manche sehen darin
eine Stärkung der alten Vaterrolle - und die scheint nicht
mehr gefragt. Das ist für viele eine Zwickmühle. Manche Väter
werden dann übereifrig darin, für Mutter/Frau und Kind optimale
Bedingungen zu schaffen. Sie informieren sich und sind die
besten Stillexperten. Andere fliehen aus dieser Zwickmühle
in die Abwesenheit - meistens in den Beruf und die Arbeit,
manchmal aus der Beziehung raus. Viele Väter gehen mit dieser
Zwickmühle so um, daß sie die traditionelle Vaterrolle akzeptieren.
Was immer das bedeutet. Sie fühlen sich gleichberechtigt.
Die Partnerin hat ihre, der Mann selbst hat seine Rolle. Das
wertet die traditionelle Geschlechterrolle als Mann auf. Der
Vater als Versorger. Gleichzeitig stabilisiert es die herkömmliche
Mutterrolle und damit die traditionelle Geschlechtsrolle der
Frau. Viele Paare suchten in den 70er und 80er Jahren neue
Wege. Emanzipation bedeutete auch die Suche nach dem neuen
Mann. Ende der 90er wird ein neuer Vater gefordert. Was von
ihm erwartet wird weiß keiner so genau. Das trägt zur Verunsicherung
mancher Väter bei. Und sie besinnen sich auf die alte Rolle.
Was können Väter tun? Die Antworten auf diese
Frage zeigen, daß sie Möglichkeiten sehen, Partner in der
Elternrolle zu sein - schon in der Zeit des Stillens. Aber
es sind keine gesellschaftlichen sondern individuelle Lösungen:
- "Die Frau stillt doch nicht den ganzen Tag."
- "ich bade das Mädchen, windel es, und wiege es in
den Schlaf"
- "Wenn ich mich absolut daneben fühle, ist es wichtig
für mich, aggressive Phantasien zu zulassen und dann auch
darüber mit meiner Frau zu sprechen"
- "Nachts, nach dem sie gestillt hat, liegt unser Baby
bei mir im Arm"
- "Manchmal pumpt sie ab, und ich kann unser Kind füttern"
- "Ich finde wenn ein Kind da ist bin ich nicht nur
noch Vater, ich nehm die Rolle einfach an, als Vater meine
ich - aber eben nicht nur die "
- "Wir haben viel darüber gesprochen. Und ich konnte
ihr verständlich machen was ich empfinde"
- "Wir haben über unsere Rollenverteilung gesprochen.
Ich kann das jetzt besser zulassen"
Es gibt kein Rezept. Aber aus den Gesprächen
ergeben sich sinnvolle Möglichkeiten, wie Väter einbezogen
werden können, nämlich dadurch
- daß die Paare die Zeit des Stillens auch als Problemsituation
akzeptieren.
- daß die Paare auf sich selbst hören - weniger auf gesellschaftliche
Konventionen oder Ratschläge von Freunden und Verwandten.
- daß sie viel miteinander reden,
- daß sie versuchen sich in ihrer Freude und ihren Ängsten
zu verstehen.
- daß sie individuell Wege suchen, wie der Vater seine Rolle
findet, so daß er sie annehmen kann.
Dieser Artikel erhebt weder den Anspruch für
alle Väter zu sprechen, noch das Thema erschöpfend behandeln
zu wollen. Ich verstehe ihn als eine Möglichkeit, die Gefühlssituation
von Vätern zu verdeutlichen und um ein wenig Verstehen zu
werben. Aber auch als Appell an Väter, sich bewußt mit der
neuen Rolle als Vater zusammen zu setzen Vielleicht hilft
dieser Artikel auf Fragen von stillenden Müttern eine Antwort
geben zu können, die die Gefühlslage des Vaters mit einbezieht.
Hartmut Brockmann
Der Autor ist Diplompsychologe und arbeitet
in der Bremer Praxis dreiklang Praxis für Hebammenarbeit,
schwerpunktmäßig mit (werdenden) Vätern in Gesprächsgruppen,
in Vater - Kind Wochenenden, in Geburtsvorbereitung für Väter
und gemeinsam mit Kristin Adamaszek, Hebammen und Diplompsychologin,
in Geburtsvorbereitungskursen für Paare und in Gesprächskreisen
für junge Eltern. Kontakt über 0421-3491119
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