Die Begleitung werdender Väter im Geburtsvorbereitungskurs
Auch die Väter sind wichtig!
Zu den meisten Geburtsvorbereitungskursen der
IL kommen beide Eltern. Genau so "selbstverständlich" wie
der Vater bei der Geburt im Kreißsaal anwesend ist, begleitet
er heutzutage die Partnerin in den Geburtsvorbereitungskurs.
Das ist auch gut so, denn für die Eltern und für die Paarbeziehung
ist die Geburt eine Phase der Umorientierung bzw. der Umbrüche
und Untersuchungen haben gezeigt, dass ein hohes Engagement
des Vaters sowohl einen positiven Einfluss auf den Geburtsvorgang
als auch nach der Geburt auf die Partnerschaft hat. Konsequenter
Weise sollte der Kurs dann aber auch den Bedürfnissen der
Väter gerecht werden. Oft kommen die Väter leider in Geburtsvorbereitungskursen
zu kurz. Bei der IL ist dies anders. In den Kursen wird auf
die Bedürfnisse auch der Partner eingegangen und ein männlicher
Co-Leiter steht für die Fragen und Erwartungen der Väter zur
Verfügung. Das ist einzigartig in Luxemburg!
Es zeigt sich dann schnell, dass von Seiten
der Väter (und Mütter) dieses Konzept dankbar angenommen wird.
So hatten manche die Befürchtung, in einen "Hechelkurs" zu
kommen, will heißen: es werden mit dem Paar fast ausschließlich
Atemübungen gemacht. Der erste Abend zeigt schon, dass diese
Befürchtung unbegründet ist, da eigene Probleme, Freuden und
Befürchtungen ein Thema sind. Der Kurs wird nach Müttern und
Vätern getrennt. In der Vätergrupe können jetzt Erfahrungen
ausgetauscht werden und es können Fragen geklärt werden. Es
ist selten, dass Väter hierzu Gelegenheit haben, weil sie
in der Schwangerschaft nicht die "Hauptperson" sind. Werdende
Väter machen die Erfahrung, dass meist nur die Mutter gefragt
wird, wie es ihr geht. Sie steht in der Schwangerschaft im
Mittelpunkt, für den Vater ist klar, dass er jetzt und bei
der Geburt die Partnerin unterstützt, wo er kann. Das ist
für die Väter auch selbstverständlich. Sie wollen alles tun
um der Partnerin Schwangerschaft und Geburt zu einem schönen
Erlebnis zu machen. Aber die eigenen Gefühle sind auch wichtig,
es ändert sich doch im Leben durch das Vaterswerden so viel.
Im Austausch in der Gruppe unter Vätern findet
man zum Teil neue Anregungen, oder sieht, dass andere die
gleichen Gedanken haben. Allein darüber zu reden kann hier
schon manche Befürchtung entkräften, genauso die positiven
Erwartungen verstärken. Man stellt z.B. fest, dass man einen
"Nestbau-Trieb" entwickelt, viele haben Erfahrung mit Stimmungsschwankungen
der Partnerin gemacht, die Sexualität ist anders geworden,
es gibt hier und da ein Gefühl nur eine Nebenrolle zu spielen
oder im Bekanntenkreis ist das Baby zum bestimmenden Thema
geworden. Nur einige Beispiele, wie Väter die Schwangerschaft
erleben.
Das nächste Thema, worüber unter Vätern diskutiert
wird, ist die Geburt. "Selbstverständlich" begleitet der Vater
die Mutter in den Kreißsaal. Ist das so selbstverständlich?
Oder wird diese Erwartung als Druck empfunden? Wie stellen
sich die Väter die Geburt vor, waren sie schon in einem Kreißsaal?
Was ist ihre Aufgabe während der Geburt? Wie können sie die
Partnerin bei der Geburt unterstützen? Fragen deren Beantwortung
hilft, sich den Geburtsverlauf konkreter vorzustellen und
Sicherheit für die Geburt zu erhalten. In der Gruppe zeigt
sich dann meist, dass die Väter alles tun wollen um die Partnerin
zu unterstützen: Gut zureden, aber nicht auf die Nerven gehen;
beim Atmen unterstützen, wenn die Partnerin dies wünscht;
Wünsche gegenüber Arzt und Hebammen artikulieren, damit es
an nichts mangelt; und, und, und ... . Kurz gesagt: Der Vater
will der Fels in der Brandung sein und helfen wo er kann.
Gute und lobenswerte Vorsätze. Nur ist es wichtig zu sehen,
dass die Geburt auch für den Vater eine Ausnahmesituation
ist. Da muss es auch gestattet sein, nicht immer perfekt zu
funktionieren.
An dieser Stelle könnte der Kurs enden und
anderen Orts ist das auch so. Das Angebot der IL ist aber
umfangreicher. Die Geburt ist ein ganz besonderer Tag, mit
unvergleichlichen Erlebnissen. Aber sie ist eben nur ein Tag!
Die weitaus größere Aufgabe für die Eltern kommt erst danach.
Der Alltag mit dem Kind verändert alles! Die Rolle als Vater
und Mutter wird übernommen, d.h. es muss definiert werden,
wie dies zusammen und koordiniert bewältigt werden kann. Werden
die Rollen traditionell aufgeteilt, übernimmt also der Vater
hauptsächlich die Aufgabe des Ernährers und die Mutter überwiegend
die Betreuung des Kindes oder versucht das Paar dies gleichberechtigt
aufzuteilen? Wie sieht der "neue" Alltag aus, wenn das Kind
versorgt werden muss, welche Belastungen sind damit verbunden?
Überhaupt muss sich alles neu finden: die neue Rolle und ein
völlig anderes Leben bestimmt durch das Kind, das jetzt im
Mittelpunkt steht und dadurch natürlich auch Veränderungen
in der Partnerschaft. Es ist wichtig sich über die Umstellungen
vor der Geburt zu unterhalten, so die Erwartungen und
die Befürchtungen des anderen diesbezüglich zu verstehen und
die Vorfreude auf das Kind zu teilen. Jetzt ist eine gute
Zeit über diese Dinge zu sprechen, danach wird es schwieriger.
Das Chaos des Alltags, gerade in der ersten Zeit nach der
Geburt, lässt dann oft nur noch wenig Zeit dazu.
In harmonischer Atmosphäre, teilweise in spielerisch
aufgelockerter Form, bietet der Kurs den werdenden Eltern
die Möglichkeit, sich untereinander darüber auszutauschen
und Fragen können von den gut ausgebildeten Kursleiter/innen
kompetent beantwortet werden.
Berthold Heltemes
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