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Wenn der Start beim Stillen schwierig ist: Schmerzen beim Stillen, Stillen mit Flah- und Hohlwarzen

Schmerzen beim Stillen werden – zu Unrecht – oft als ein ganz normales Anfangsphänomen angesehen. Darum denken viele Frauen, dass sie anfängliche Schmerzen in Kauf nehmen müssen. Schmerzen beim Stillen sollten jedoch immer ernst genommen und auf jeden Fall überprüft werden, denn sie sind einer der Hauptgründe dafür, dass Frauen in den ersten Wochen und Monaten mit dem Stillen aufhören! Darum möchte ich in diesem Artikel ausführlich auf Schmerzen beim Stillen eingehen, mögliche Ursachen erläutern und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Aber auch das Stillen mit Flach- und Hohlwarzen kann in manchen Fällen zu erheblichen Anfangsschwierigkeiten führen. Dazu sollte man wissen, dass jede Brustwarzenform zum Stillen geeignet ist und sich anfängliche Probleme mit einigen Tipps und einer guten Portion Geduld meistens gut lösen lassen.
 

Schmerzende und wunde Mamillen

Ein recht häufiges „Anfangsproblem“, was von vielen Frauen als normal angesehen wird, sind schmerzende Brustwarzen. Ein anfänglicher, vorübergehender Schmerz beim Ansaugen mag zwar normal sein, auf keinen Fall jedoch ein länger andauernder Schmerz! Beim geringsten Schmerz sollten: 1. die Anlegeposition sowie 2. die Saugtechnik des Babys unbedingt überprüft werden! Überprüfen bedeutet in solch einem Fall die Beobachtung einer ganzen Stillmahlzeit durch eine stillkundige Fachperson!

Auch wenn zu Beginn der Schmerz vielleicht noch auszuhalten ist, sollte die Mutter nicht mit diesen Schmerzen weiter stillen, da in den meisten Fällen schnell eine Verschlimmerung eintritt, die Mamillen wund werden oder sogar Schrunden auftreten.

Die Ursachen für wunde Mamillen sind meistens in der Anlegeposition zu suchen, d.h. dass das Baby nicht korrekt angelegt wurde, oder im Saugverhalten des Babys.

Falsches Anlegen lässt sich relativ schnell beheben, wogegen ein falsches Saugverhalten des Babys eine genauere Untersuchung erfordert.

Viele Babys öffnen den Mund nicht weit genug beim Anlegen, erfassen also nicht genug Brustgewebe, oder saugen sogar nur am Nippel. Daher ist es sehr wichtig, dass das Baby den Mund weit genug öffnet. Die Mutter sollte dem Baby die Brust unbedingt erst dann geben, wenn es den Mund groß genug geöffnet hat! Die Mutter kann selbst den Mund weit öffnen um das Baby dazu zu bewegen, sie nachzuahmen. Beim korrekten Anlegen erfasst das Baby einen großen Teil des Warzenvorhofs und seine Lippen sind nach außen gestülpt.

Manche Babys haben die schlechte Angewohnheit, nur die Brustwarze mit spitzem Mündchen in den Mund hineinzusaugen, oder nach dem ersten  Ansaugen zuzukneifen.

Im ersten Fall hilft es, dem Baby die Brust erst zu geben, wenn es den Mund weit öffnet, wie schon oben besprochen. Der zweite Fall ist schon etwas schwieriger zu lösen. Diese Babys erfassen die Brust zwar korrekt, kneifen dann aber – nach dem ersten Ansaugen regelrecht zu! Die Mutter kann dann versuchen, das Baby nochmals anzulegen, indem sie zuerst das Vakuum (den Saugschluss) mit dem kleinen Finger unterbricht. Wenn das Baby sehr hartnäckig ist, kann sie den Zeigefinger in die Kinnmulde des Babys legen und das Kinn herunterziehen, so dass der Mund unweigerlich wieder weiter geöffnet ist. Sie sollte ihren Finger ruhig eine Zeit lang dort lassen, damit das Baby sich daran gewöhnt, nicht mehr zuzukneifen. Nach einer Weile kann sie dann versuchen, den Finger wegzunehmen.

Eine andere gute Lösungsmöglichkeit für solche Fälle bietet die „asymmetrische Anlegetechnik“, bei der die Mutter eine Hand flach unter die Brust legt mit dem Daumen oben – wobei die Mamille nach oben schaut – und dann mit der Brust (nicht mit der Mamille!) die Unterlippe des Babys zuerst berührt und dann herunterzieht. Danach erst wird der obere Teil der Brust von oben in den Mund des Babys gegeben – wobei die Mamille zuletzt in den Mund des Babys schlüpft. Diese Position funktioniert am Besten in der Rückenhaltung (auch Fußball oder Rugbyhaltung genannt).

In jedem Fall ist es jedoch hilfreich, das Baby bereits bei den ersten Hungerzeichen anzulegen, wenn es noch nicht zu hungrig und zu ungeduldig ist (also nicht zuerst noch schnell die Windel wechseln!) Dann hat die Mutter Zeit, das Baby in Ruhe anzulegen, vor allem wenn sie vielleicht eine neue Position oder Anlegetechnik ausprobieren möchte. Wichtig ist dabei, das Baby ganz nahe an sich heranzuziehen (also vielleicht noch ein wenig fester an sich zu pressen, als man es normal machen würde), damit das Baby auch wirklich Bauch an Bauch in einer Linie mit seiner Mutter liegt und Nase sowie Kinn die Brust berühren. In den meisten Fällen hilft dieser einfache Trick, damit das Baby den Mund etwas weiter aufmacht.

Natürlich ist diese Vorgehensweise schwieriger für Mütter, die Schmerzen beim Stillen haben, oft aber sehr hilfreich, da die meisten Frauen – vor allem wenn sie Schmerzen haben – das Kind unbewusst etwas weiter von sich weg halten! Ist vor allem das Ansaugen besonders schmerzhaft, ist es sinnvoll vor dem Anlegen den Milchspendereflex auszulösen, d.h. die Milch zum Fließen zu bringen, damit das Baby zu Beginn nicht so stark saugen muss.

 

Wenn das Zungenbändchen zu kurz ist

Eine weitere Ursache für schmerzende Brustwarzen kann ein zu kurzes Zungenbändchen (auch Frenulum genannt) sein. Das Zungenbändchen ist das Häutchen, durch welches die Zunge mit dem Mundboden verbunden ist.

Bei einem zu kurzem Zungenbändchen kann es sein, dass die Zunge des Babys nicht weit genug reicht um die Brustwarze korrekt zu  umfassen. Das kann bei der Mutter große Schmerzen verursachen, da die Zunge gegen die Brustwarze stößt oder reibt. Manche Babys bringen es jedoch trotz eines zu kurzen Zungenbändchens fertig, korrekt zu saugen. Es hängt immer davon ab, wie weit das Baby (trotz des zu kurzen Bändchens) seine Zunge ausstrecken kann.

Wie kann man feststellen, ob das Baby ein zu kurzes Zungenbändchen hat? In solch einem Fall reicht die Zunge nicht über die Unterlippe hinaus. Bei manchen Babys sieht die Zungenspitze herzförmig aus, weil das Zungenbändchen sich bis zur Mitte der Zungenspitze erstreckt.

Manchmal kann das Problem durch eine verbesserte Anlegetechnik verbessert, wenn nicht sogar behoben werden. In anderen Fällen kann nur Abhilfe durch einen operativen Eingriff geschaffen werden  - indem das Zungenbändchen von einem Arzt durchtrennt wird.

 

Die Behandlung von wunden oder verletzten Brustwarzen

Was tun, wenn es schon zu geröteten und verletzten Brustwarzen gekommen ist? Die beste Behandlung von wunden und gereizten Brustwarzen besteht im Auftragen von Muttermilch (einfach nach dem Stillen noch einige Tropfen Milch ausmassieren) auf die Brustwarzen. Am Besten soviel wie möglich Luft an die Brust lassen! Auch das Auftragen einer Lanolinsalbe kann Abhilfe schaffen. Diese Salben, die oft auch in der Klinik angeboten werden, sind hypoallergen und müssen vor dem Stillen nicht abgewischt werden. Es gibt weitere Heilsalben auf natürlicher Basis und ohne Schadstoffe, bei deren Anwendung die Brustwarzen vor dem Stillen nicht abgewischt werden müssen.

 

Was tun, wenn die Schmerzen zu stark sind?

Sind die Schmerzen so stark, dass die Mutter nicht mehr anlegen möchte, so ist das gut zu verstehen und eine vorübergehende Stillpause kann in Betracht gezogen werden. Wenn eine Seite gar nicht oder weniger betroffen ist, kann auf dieser Brust weitergestillt werden. Die abgepumpte Milch von der anderen Seite sollte vorzugsweise mit dem Becher oder Soft-Cup verabreicht werden, damit keine Saugverwirrung entsteht. Beim Abpumpen sollte auf die Qualität der Pumpe und auf eine gute Absaughaube, sowie korrektes Abpumpen geachtet werden um die verletzte Mamille zu schonen.

Stillhütchen sollten – wenn überhaupt – nur als Notlösung in Betracht gezogen werden, da sie das Problem selbst ja nicht lösen können. Sie schaffen eventuell eine Erleichterung in Bezug auf die Schmerzen, können jedoch andere – neue Probleme mit sich ziehen, wie etwa: Gewöhnung des Babys an die Form des Stillhütchens,  ungenügende Stimulation der Brust und demzufolge ungenügend Milchbildung. Bei verletzten Mamillen kann durch die Reibung des verletzten Gewebes am Stillhütchen sogar eine Verschlimmerung eintreten. Sie sollten also nur nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile und unter Anleitung einer Fachperson angewandt werden. 

 

Stillen mit Flach- oder Hohlwarzen

Flache Brustwarzen treten bei Stimulation oder Kälte nicht hervor. Hohlwarzen ziehen sich zurück, wenn der Brustwarzenhof zusammengedrückt wird. Es gibt verschieden ausgeprägte Formen von Hohlwarzen: manche lassen sich leicht herausziehen – andere ziehen sich beim Zusammenpressen stark zurück. Es gibt auch Frauen, die eine normale und eine Hohl- oder Flachwarze haben. Solche speziellen Brustwarzenformen müssen nicht unbedingt Probleme verursachen, denn das Baby wird an der Brust und nicht an der Brustwarze gestillt!

Wenn das Baby die Brust gut erfassen kann, dürfte das Anlegen keinerlei Probleme verursachen. Gute Stillpositionen und Anlagetechniken sind hier also unerlässlich.

Manche Babys allerdings haben Schwierigkeiten, die Brust zu erfassen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, verschiedene Positionen auszuprobieren und das Baby dazu zu ermutigen, den Mund weit zu öffnen.

In solch einem Fall sollte nicht sofort ein Stillhütchen eingesetzt werden – auch wenn die Versuchung vielleicht groß ist. Ein Baby, dessen Mutter Flach- oder Hohlwarzen hat, erfährt durch ein Stillhütchen eine Stimulation, die es durch die Brust seiner Mutter nicht erfahren würde, das heißt es gewöhnt sich höchstwahrscheinlich sehr schnell an die ungewohnte starke Stimulation durch das Stillhütchen und möchte dann nicht mehr ohne gestillt werden!

Deshalb sollte zuerst alles andere ausprobiert werden, um dem Baby die Möglichkeit zu geben, das Erfassen der Brust ohne Hilfsmittel zu lernen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, das Baby frühzeitig und oft zu stillen, damit es vor dem Milcheinschuss lernt, die Brust zu erfassen, solange diese noch weich und gut fassbar ist.

Manchmal hat es sich auch als hilfreich erwiesen, die Brustwarze vor dem Stillen zu stimulieren, damit diese sich aufrichtet. Dazu kann die Mutter die Mamille zwischen Daumen und Zeigefinger rollen. Danach kann dann Kälte, zum Beispiel in Form eines feuchten, kalten Tuchs angewandt werden um die Brustwarze aufzurichten.

Es gibt auch die Möglichkeit, die Brustwarze mit Hilfe einer Pumpe anzusaugen. Des Weiteren gibt es spezielle Brustwarzenformer, die vor dem Stillen getragen werden können und die dazu dienen, die Brustwarze hervorzuziehen.

Es kann hilfreich sein vor dem Anlegen etwas Milch auf die Mamille oder in den Mund des Babys zu träufeln, um ihm einen zusätzlichen Anreiz zu bieten.

Beim Anlegen kann die Mutter versuchen, das Brustgewebe zurückzuziehen, damit die Brustwarze besser hervortritt.

Wenn – als letzte Möglichkeit - doch ein Saughütchen eingesetzt wird, sollte dieses so schnell wie möglich (nach den ersten Minuten) wieder entfernt werden, damit das Baby sich nicht daran gewöhnt.

Viele Anfangsschwierigkeiten wie wunde und schmerzende Mamillen sowie Probleme durch Flach- und Hohlwarzen lassen sich präventiv vielleicht nicht ganz vermeiden, jedoch durch fachgerechte Informationen in der Schwangerschaft und professionelle Begleitung und Beratung in den ersten Wochen beheben. Ich kann nur an die betroffenen Mütter appellieren, bei den ersten Schwierigkeiten sofort Hilfe anzufordern und nicht zu lange zu warten, damit sie so schnell wie möglich schmerzfrei und problemlos eine schöne, lange Stillzeit genießen können!

Ute Rock
Laktationsberaterin IBCLC

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