Positionspapier an alle in Luxemburg relevanten Parteien

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit diesem Positionspapier wendet sich die Initiativ Liewensufank (IL) a.s.b.l. vor den Parlamentswahlen im Oktober 2018 an alle in Luxemburg relevanten Parteien.

Die IL wurde 1986 als „ASBL“ gegründet und hat sich als Ziel gesetzt, die Bedingungen rund um die Geburt in Luxemburg zu verbessern. Diesem Schreiben liegen unser Grundsatzpapier und unser Tätigkeitsbericht von 2017 bei, so dass Sie sich ein genaueres Bild über unsere Vereinigung machen können. Aktuelle Informationen zu unseren Tätigkeiten und unseren Arbeitsfeldern finden Sie auf unserer Internetseite www.liewensufank.lu .

Wahlmöglichkeit bei der Geburt
Schwangerschaft und Geburt sind keine Krankheit. Deshalb sollten Frauen, bei denen keine Probleme auftreten, eine echte Wahlmöglichkeit bezüglich einer natürlichen Geburt haben. Die IL fordert deshalb einen generellen Ausbau dieser Wahlmöglichkeiten und setzt sich für die Etablierung eines Geburtshauses in Luxemburg ein. Die IL beobachtet die ständig steigende Anzahl von Kaiserschnitten, die aus zunehmenden medizinischen Interventionen während der Geburt resultieren, mit Sorge und begrüßt die Aussagen der Mediziner, die ein Umdenken fordern und darauf hinweisen, dass diese Interventionen auf das medizinisch notwendige Maß zurückgeführt werden sollten.

Elternurlaub und Arbeitszeit
Die IL begrüßt alle Maßnahmen, die es den (werdenden) Eltern ermöglichen, ihren Lebensentwurf zu leben. Alle Eltern sollten frei wählen können und die dazu nötigen Informationen und Unterstützung bekommen, um diese Entscheidung in ihrem und dem Sinn ihrer Kinder treffen zu können.

Die Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs auf 10 Tage nach der Geburt und die Flexibilisierung des Elternurlaubs sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Gerade in der ersten Zeit nach der Geburt ist die möglichst lange Präsenz des Vaters förderlich für alle Familienmitglieder und für die Relativierung traditioneller Rollenbilder.

Der Staat sollte außerdem die nötigen Rahmenbedingungen für eine Flexibilisierung der Arbeitszeitmodelle über den Elternurlaub hinaus schaffen und somit Vater und Mutter die Möglichkeit der Betreuung der Kinder im eigenen Zuhause erleichtern. Sollte eine Familie auf Fremdbetreuung angewiesen sein oder sich bewusst dafür entscheiden, muss dafür Sorge getragen werden, dass das Qualitätsniveau in allen Einrichtungen den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird.

Die IL beklagt jedoch, dass Mutterschutzzulage und Erziehungszulage ersatzlos gestrichen wurden. Gerade Familien mit geringerem Einkommen sind von dieser Streichung hart betroffen. Außerdem gibt es Eltern, die keinen Anspruch auf Elternurlaub haben, weil sie die Voraussetzungen dazu nicht erfüllen. Durch die Streichung der Erziehungszulage gehen diese völlig leer aus.

Gesundheitsförderung
Das Ministerium für Gesundheit hat eine große Kampagne „Gesond Iessen, méi Bewegen“  (Plan GIMP) ins Leben gerufen. Die IL möchte dazu anmerken, dass mit dem Stillen am Anfang des Lebens ein Meilenstein in Punkto gesunde Ernährung und Vermeidung von Übergewicht im Jugendalter gelegt wird. Längeres Stillen sollte gefördert werden.

In diesem Sinne sollten die Stillpausen bei arbeitenden Frauen vom Staat übernommen werden (Vorbildfunktion; Förderung des Langzeitstillens, Abbau von Barrieren in den Köpfen) und nicht zu Lasten der Arbeitgeber sein.

Ministerien und Zuständigkeit
In eigener Sache und im Hinblick auf eine nächste Regierungsbildung möchte die IL die verantwortlichen Parteien darauf hinweisen, die Aufteilung der Aufgabengebiete der verschiedenen Ministerien zu überdenken.

Momentan finden sich unter den verschiedenen Ministerien für “Santé, Egalité des Chances, Famille und Education Nationale/Office National de l‘Enfance“ eingetragene Vereine (ASBL) mit fast identischer oder sich überschneidender Zielsetzung. Die Konventionen, die Entschädigungen (von Fehlbedarfsfinanzierung bis Bezahlen nach Akten) und die Auslegung der Anweisungen seitens des Ministeriums sind jedoch höchst unterschiedlich und lassen den einzelnen ASBL’s mehr oder weniger größere Spielräume und dies nicht nur in finanzieller Hinsicht. Erste Schritte in Richtung Transparenz, Bedarfsanalyse und Anpassung der (Be)Handlungsweise sind in den Ministerien „Egalité des chances und  Education Nationale“ erkennbar (z. B. am 30/05/2018 bei einer „Matinée d’échanges sur le sujet de jeunes mères ou pères en détresse“), müssen jedoch konsequent weitergeführt und erweitert werden.

Veröffentlichung
Wir würden uns über eine Stellungnahme Ihrerseits bis Ende Juli freuen. Unser Positionspapier, sowie eingegangene Stellungsnahmen werden auf unserer Homepage und in unserem Elternmagazin „baby info“, das Ende September erscheint, veröffentlicht.

 

Monique Fey-Sunnen
Chargée de Direction

 

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Initiativ Liewensufank politisch neutral ist.
Die Antworten der verschiedenen politischen Parteien haben wir in einem Dokument zusammengefasst.

Klicken Sie hier, um das Dokument anzuzeigen.

 

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