Einfluss der Sectio-Entbindung auf das Geburtsgewicht

Dass Neugeborene in den ersten 2-3 Tagen bis zu 7% ihres Geburtsgewichts verlieren, gilt als physiologisch und ist verbreitet. Sollten sie jedoch unter diese Grenze fallen, wird empfohlen, das Stillmanagement zu überprüfen und frühzeitig sinnvolle Maßnahmen einzuleiten, um einem weiteren Gewichtsverlust entgegenzuwirken. Häufiges Anlegen, ggf. auch indem der Säugling regelmäßig geweckt wird, ist essentiell. Bei einem schläfrigen Säugling oder bei Schwierigkeiten mit dem Anlegen sollte zusätzlich regelmäßig Kolostrum von Hand gewonnen werden, das anschließend per Löffel oder Spritze gegeben wird.

Sollte das Neugeborene mehr als 10% seines Geburtsgewichts verlieren, wird häufig Formula-Nahrung zugefüttert.

Schon seit einigen Jahren wird diskutiert, inwiefern hohe mütterliche intravenöse Flüssigkeitsgaben unter der Geburt das Geburtsgewicht des Säuglings verfälschen können. Mehrere Studien konnten einen Zusammenhang nachweisen und einige Zeit danach sind weitere Studien erschienen, die diese Ergebnisse untermauern.

Um also nicht verfrüht mit Zufütterung von Formula auf ein verfälschtes Geburtsgewicht zu reagieren (durch hohe Flüssigkeitsgaben), wurde von einigen Autoren vorgeschlagen, anstelle des Geburtsgewichts künftig das Gewicht des Säuglings 24 Stunden postpartum als Grundlage für die Berechnungen der 7%- und der 10%-Grenze zu verwenden.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat diese Vorgehensweise nun überprüft: an einem amerikanischen BFHI-Klinikum wurden im März 2014 die Bestimmungen geändert, so dass im Anschluss für Säuglinge, die per Sectio geboren wurden, stets das Geburtsgewicht nach 24 Stunden als Ausgangswert herangezogen wurde. Die Studie untersuchte den Zeitraum 12 Monate vor und 12 Monate nach dieser Veränderung und kam zu den folgenden Ergebnissen:

– Die Rate an Zufütterung mit Formula wurde für diese Gruppe der Neugeborenen deutlich gesenkt

– Gleichzeitig gab es keinen Anstieg des maximalen Gewichtsverlustes, der maximalen Bilirubin-Werte, der Klinikaufenthaltsdauer oder der Gesamtzahl an Säuglingen, die über 10% des Geburtsgewichts verloren.

Somit konstatieren die Autoren, dass eine routinemäßige Erhebung des Gewichts nach 24 Stunden als Grundlage für die Berechnung des Gewichtsverlustes sicher ist, keine negativen Folgen nach sich zieht und dazu beiträgt, die Zufütterungsrate mit Formula deutlich zu reduzieren.

Auch im deutschsprachigen Raum sind einige Kliniken bereits dazu übergegangen, diese Praxis umzusetzen. An Häusern, in denen hierüber kein Konsens erzielt werden kann, könnte als Kompromiss das Gewicht nach 12 Stunden pp als Basis zugrundegelegt werden, was ebenfalls bereits zu einem Effekt führen sollte.

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