Studie kritisch hinterfragt: Babys, die früher Beikost erhalten schlafen besser

Die internationalen Beikost-Empfehlungen der WHO und UNICEF besagen nach wie vor, dass Babys rund 6 Monate lang voll gestillt werden sollen und erst danach mit der Einführung von fester Nahrung begonnen werden sollte.

Eine Studie des King’s College in London und der St George’s Universität London hat es sich zur Aufgabe gemacht herauszufinden, ob das Füttern von fester Nahrung nach dem 3. Monat das Risiko für Allergien senkt. Um das festzustellen, wurden 1303 Babys aus England und Wales per Zufallsprinzip in 2 Gruppen eingeteilt. In der ersten Gruppe sollten die Babys die ersten 6 Monate ausschließlich gestillt werden und erst dann mit fester Nahrung begonnen werden. Die andere Gruppe sollte nach dem 3. Monat neben dem Stillen nach und nach 6 Lebensmittel gefüttert bekommen, die oft zu Allergien führen: Kuhmilch, Sesam, Fisch, Weizen, Erdnüsse und gekochte Eier. Die Eltern wurden angewiesen jeden Monat einen Online-Fragebogen auszufüllen bis ihr Baby 12 Monate alt war. Danach alle 3 Monate bis zum Alter von 3 Jahren. Die Studie hat unter anderem herausgefunden, dass die Kinder in der frühen Beikost-Gruppe länger schliefen, weniger häufig aufwachten und allgemein weniger Schlafproblem hatten als die Kinder die 6 Monate exklusiv gestillt wurden. Die Babys in der frühen Beikost-Gruppe schliefen jede Nacht ungefähr 7 Minuten länger, im Alter von 6 Monaten sogar bis zu 17 Minuten länger pro Nacht, was auf eine Woche gerechnet ungefähr zwei Stunden ausmacht. Der Co-Autor der Studie Dr Michael Perkin, meint, dass sogar kleine Unterschiede große Vorteile für die Lebensqualität der Eltern bedeuten würden.

Die Frage stellt sich ob eine so frühe Beikost Einführung wirklich von Vorteil ist?
UNICEF UK hat eine Stellungnahme zu dieser Studie veröffentlicht.
So wird unter anderem die Datenerfassung, die ja auf den Online-Fragebögen der Eltern beruht, angezweifelt. Es wird zum Beispiel angenommen, dass alleine die Tatsache, dass allgemein davon ausgegangen wird, dass Kinder, die feste Nahrung bekommen besser schlafen, die Eltern in ihren Aussagen beeinflusst haben könnte. Dann wurde auch festgestellt, dass es bis zum Alter von 5 Monaten keinen signifikanten Unterschied in beiden Gruppen gab, so dass man nicht von einer schnellen und einfachen Lösung sprechen kann. Des Weiteren war es für 58% der Familien überhaupt nicht möglich das Protokoll zur Beikost-Einführung mit 3 Monaten einzuhalten. Die Studie stellt 17 Minuten längeren Schlaf in Zusammenhang mit gesundheitlichen und anderen Vorteilen für das spätere Leben, ohne die umfangreiche Beweislage zu beachten, die besagt, dass exklusives Stillen bis 6 Monate Leben rettet und zahlreiche lebenslange und tiefgreifende Konsequenzen für die Gesundheit von Müttern und Kind hat.

Daraufhin stellt UNICEF UK auch die Ethik dieser Studie in Frage, da sie gegen die gängigen nationalen und internationalen Empfehlungen verstößt, welche eine Einführung der Beikost erst mit 6 Monaten empfiehlt. Somit kommt UNICEF UK zu der Schlussfolgerung, dass diese einzige Studie mit großer Vorsicht interpretiert werden sollte und nicht zu einer prompten Veränderung der nationalen und internationalen Empfehlungen im Hinblick auf die Informationen und die Unterstützung für Eltern führen sollte.

Ute Rock
Laktationsberaterin IBCLC

Zusammenfassung der UNICEF UK Stellungnahme

Artikel aus der Elternzeitschrift „baby info“ 02/2019


Quelle: www.bit.ly/UNICEF-studie-liewensufank
Original Studie: Perkin, M.R et al (2018) Association of Early Introduction of Solids With Infant Sleep : A Secondary Analysis of a Randomised Clinical Trial JAMA Pediatrics, doi :10.1001/jamapediatrics. 2018.0739

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