Wie erleben Frauen die vaginale Untersuchung sub partu?

Es ist eine Tatsache, dass die vaginale Untersuchung routinemäßig während des Geburtsverlaufs durchgeführt wird. Das medizinische Personal kann auf diese Weise die Weite und die Konsistenz des Muttermundes bestimmen und somit Entscheidungen über den weiteren Verlauf der Geburt treffen, sowie die Notwendigkeit eventueller Eingriffe abschätzen.
Wenngleich die vaginale Untersuchung von den Hebammen als praktisches Beurteilungsinstrument angesehen wird, berichtet eine Vielzahl an Frauen, dass sie diese Untersuchung als störenden Eingriff erlebt haben. Neben unangenehmen Empfindungen wie zum Beispiel Scham, kann die Untersuchung ebenfalls Schmerzen hervorrufen. In Folge dessen kann die Frau sich während dieses komplexen Erlebnisses, das die Geburt eines Kindes darstellt, erheblich gestört fühlen, was sich negativ auf den Geburtsverlauf auswirken kann.
Die meisten Frauen nehmen die Untersuchung jedoch hin, da sie denken, der Eingriff sei nötig und alternativlos.
Die Hebammen andererseits möchten aus medizinischer Sicht alles richtig machen.
Eine länderübergreifende Studiensynthese aus vier Ländern (Publikationen zwischen 2000 und 2023) bekräftigte die vorherigen Ausführungen. Es stellte sich aber heraus, dass der Kontext der vaginalen Untersuchung entscheidend für das Erleben durch die Frau ist. Wenn also während der Untersuchung die Privatsphäre der Gebärenden gewahrt wird und die Hebamme die werdende Mutter kontinuierlich betreut, wirkt sich dies positiv auf das Erleben der vaginalen Untersuchung aus.
Auf Grund dessen sollte der Fokus während der Geburt auf der gebärenden Frau liegen und nicht auf ihrer Zervix.
Die Forschung sollte zusätzlich weniger invasive Beurteilungsinstrumente evaluieren und etablieren.


Quellen:
de Jonge, A., Dahlen, H., & Downe, S. (2021). ‚Watchful attendance‘ during labour and birth. Sexual & reproductive healthcare : official journal of the Swedish Association of Midwives, 28, 100617. https://doi.org/10.1016/j.srhc.2021.100617
France, E. F., Cunningham, M., Ring, N., Uny, I., Duncan, E. A., Jepson, R. G., Maxwell, M., Roberts, R. J., Turley, R. L., Booth, A., Britten, N., Flemming, K., Gallagher, I., Garside, R., Hannes, K., Lewin, S., Noblit, G. W., Pope, C., Thomas, J., Vanstone, M., … Noyes, J. (2019). Improving reporting of meta-ethnography: The eMERGe reporting guidance. Journal of advanced nursing, 75(5), 1126–1139. https://doi.org/10.1111/jan.13809
Jenkins, H., Jessiman, W. C., Hubbard, G., & O’Malley, C. (2023). Exploring women’s experiences, views and understanding of vaginal examinations during intrapartum care: A meta-ethnographic synthesis. Midwifery, 124, 103746. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.midw.2023.103746

Aus der Rubrik „Neues aus der Wissenschaft“ unserer Elternzeitschrift „baby info“ 2/2023.

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